Agrarministerin fordert Fachwissen

Strengere Regeln für Hobby-Imker

Die Fraktionen von SPD und CDU im Landtag Niedersachsens fordern einen verpflichtenden Imkerschein, mit dem auch Hobbyimker grundsätzliche Sachkunde im Umgang mit Bienenvölkern nachweisen müssen.
16.03.2021, 21:01
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Strengere Regeln für Hobby-Imker
Von Peter Mlodoch
Strengere Regeln für Hobby-Imker

In Niedersachsen gibt es etwa 15.000 Imker und -innen, die in Vereinen organisiert sind.

Alexander Körner/dpa

Ob an Feldrändern, in Schrebergärten, auf dem Garagendach oder auch auf dem eigenen Balkon: Imkern ist in. In Niedersachsen stieg die Zahl der Bienenhalter binnen zehn Jahren um zwei Drittel. Derzeit gibt es etwa 15.000 in Vereinen organisierte Imkerinnen und Imker mit insgesamt 100.000 Völkern. Bei den allermeisten handelt es sich um Hobbyhalter. Und deren tatsächliche Zahl schätzt das Landwirtschaftsministerium in Hannover noch einmal um 20 Prozent höher: „Es gibt in Niedersachsen auch relativ viele nicht-organisierte Imker – Tendenz steigend.“

Diesen Wildwuchs will die SPD/CDU-Koalition jetzt allerdings mit einem „Imker-Führerschein“ in geordnete Bahnen lenken. Jeder Halter soll künftig seine Sachkunde im Umgang mit dem kleinsten Nutztier der Welt nachweisen müssen. „So lobenswert der Einsatz für die Bienen ist, eines muss auch klar sein: Die Imkerei braucht Fachwissen, das man nicht mal nebenbei über Youtube oder mehr oder weniger seriöse Internetquellen erwirbt“, sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) im Gespräch mit dem WESER-KURIER. Daher sei ein Imkerschein für die Bienenhaltung dringend notwendig.

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„Mangelndes Fachwissen kann große Auswirkungen haben – und zwar nicht nur für den eigenen Bestand, sondern auch für die Völker anderer Imkerinnen und Imker“, warnte die Ressortchefin. Sie verwies auf Bienenkrankheiten wie Faulbrut und Varroamilbe, die zum Sterben ganzer Bestände führten. „Gerade in städtisch geprägten Regionen mit vielen motivierten, aber leider ungenügend geschulten Neuimkern nehmen Krankheiten und Seuchen überproportional zu.“ Einige dieser neuen Halter setzten zudem völlig sorglos auf die Heilkraft der Natur und ließen die Varroamilbe wüten – mit fatalen Folgen für die eigenen Völker und die in der Nachbarschaft. Otte-Kinast betonte zudem, dass alle Imker nicht nur die Verantwortung für ihre Bienen, sondern auch für den von diesen produzierten Honig hätten. „Dieser muss die Anforderungen des Lebensmittelrechts erfüllen.“

Mit einem Landtagsantrag fordern die Fraktionen von SPD und CDU nun die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für einen deutschlandweit einheitlichen „Imker-Führerschein“ einzusetzen. „Bienen machen nicht an den Ländergrenzen halt“, erklärte Otte-Kinast. Für die Ministerin ist der Imkerschein eine Sache des Tierschutzes: „Warum sollte für die Biene etwas anderes gelten als für Pferde, Rinder oder Hunde? Auch da müssen die Tierhalter eine fundierte Sachkunde nachweisen.“

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Die Grünen lehnen dagegen den „Imker-Führerschein“ ab. „Die Imkerei muss unterstützt statt reglementiert werden“, forderte die agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Miriam Staudte. „Wir freuen uns über die neue Beliebtheit der Imkerei und wollen nicht, dass durch einen Pflichtschein mit Prüfung eine unnötige bürokratische Hürde mit abschreckender Wirkung aufgebaut wird.“ Es sei schön, dass durch dieses Hobby derzeit so viele Menschen für die Natur und ihren Schutz begeistert würden. „Alle, die Imkern lernen wollen, besuchen schon jetzt die Kurse der Imkerverbände oder lernen es von erfahrenen Imkern. Das fördert auch den Austausch zwischen den Generationen.“

Staudte kritisierte, dass die Große Koalition die Imkerverbände vorher nicht angehört habe. „Sonst wäre ein solcher Antrag wohl nicht entstanden.“ Auch FDP-Agrarexperte Hermann Grupe zeigte sich skeptisch. „Natürlich sollten sich Imker gut auskennen. Aber ob man dafür einen neuen Schein braucht, muss man sich sehr genau überlegen.“

Bislang gibt es für angehende Hobbyhalter kaum Regeln. Sie brauchen keine Genehmigung, um ihre Bienenstöcke auf eigenem Grund aufzustellen. Sie müssen ihre Imkerei nur anmelden. Allerdings besteht ein großes Angebot an freiwilligen Schulungen durch Imkervereine und Honigproduzenten – von zweistündigen Orientierungskursen für 20 Euro bis hin zum siebentägigen Seminar für 280 Euro. Laut Agrarressort fanden vor der Corona-Pandemie jährlich rund 500 solcher Schulungsmaßnahmen mit 15.000 Interessenten statt. Die bescheinigte Teilnahme an einem sogenannten bienenfachlichen Grundkurs ist Voraussetzung für einen Neuimker-Zuschuss vom Land. Für die Anschaffung von bis zu fünf Völkern gibt es eine Prämie von jeweils 50 Euro. 2019 zahlte das Ministerium 445.000 Euro aus, im Corona-Jahr 2020 waren es 340.000 Euro.

Während es laut Ministerium „nur eine Handvoll Berufsimker“ in Niedersachsen gibt, steigt die Zahl der Freizeit-Imker kontinuierlich an. Besonders stechen dabei mit einem „überproportionalen Zulauf die Stadtrandgebiete die Universitätsstädte Hannover, Oldenburg, Osnabrück, Göttingen und Lüneburg hervor. „Ob dies an der dort starken Präsenz von Studenten liegt, kann nur vermutet, nicht aber bestätigt werden.“

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