Niedersachsens Gesundheitsministerin

Reimann erwartet zeitnah striktere Corona-Einschränkungen

Die Corona-Zahlen schnellen in die Höhe. Alle müssten deshalb ihre persönlichen Kontakte reduzieren, sagt Sozialministerin Reimann. Außerdem werde es schnell striktere Corona-Regeln geben.
28.10.2020, 06:30
Lesedauer: 3 Min
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Reimann erwartet zeitnah striktere Corona-Einschränkungen
Von Jan-Felix Jasch

Angesichts der Verschärfung der Corona-Krise rechnet Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann zeitnah mit strikteren Beschränkungen und Eingriffen in das öffentliche Leben. Oberstes Ziel sei es, die Zahl der persönlichen Kontakte zu reduzieren, sagte die SPD-Politikerin im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Auch wenn die Lage in den Kliniken derzeit noch vergleichsweise entspannt und die Zahl der Beatmungsgeräte erhöht worden sei, seien die Kapazitäten dort nicht unendlich.

Bayern hat bereits einen zweiten lokalen Lockdown - warum ist so etwas in Niedersachsen nicht nötig? Warum ist das Land vergleichsweise gelassen?

Wir sind angesichts der stark steigenden Zahlen in den letzten Tagen und Wochen keineswegs gelassen, sondern im Gegenteil sehr besorgt. Die besonders betroffenen Landkreise und Städte in Niedersachsen haben deshalb auf Grundlage des Handlungskonzeptes der Landesregierung auf lokaler Ebene bereits harte Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ergriffen. Bekommt man die Zahl der Neuinfektionen dort nicht in den Griff, werden auch weitere Eingriffe in das gesellschaftliche Leben nötig sein. Die klare Devise ist, dass die Zahl der persönlichen Kontakte stark reduziert werden muss, um die Verbreitung des Virus so weit es geht zu verhindern. Aus meiner Sicht kann eine Ausgangssperre, wie sie in den betroffenen Landkreisen in Bayern gilt, dabei aber nur das letzte Mittel sein, zumal dort auch die Schulen und Kitas schließen mussten.

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Sind die Kommunen mit der Vor-Ort-Entscheidung über weitere Maßnahmen in Niedersachsen nicht überfordert? Oder kommen sie damit gut zurecht und ist das der Situation angemessener?

Grundsätzlich folgen wir der Strategie, die Ausbreitung des Virus so gezielt und so lokal wie möglich zu bekämpfen. Mit dem vom Innenministerium und meinem Haus erarbeiteten Handlungskonzept haben wir den Landkreisen und kreisfreien Städten ein Instrumentarium an die Hand gegeben, das sie je nach Betroffenheit und Art des Infektionsgeschehens nutzen können. Wir stehen dabei in einem engen Kontakt mit den betroffenen Kommunen und beraten natürlich auf Landes- und Bundesebene weiter, ob darüber hinaus auch überregionale Maßnahmen ergriffen werden müssen. Dazu gehört auch, die Corona-Verordnung des Landes zeitnah wieder an die Lage anzupassen.

Welche weiteren Maßnahmen könnten in Niedersachsen als nächstes gegen ein weiteres Anwachsen der Infektionszahlen ergriffen werden?

Es muss weiter darum gehen, die Zahl der persönlichen Kontakte der Menschen untereinander drastisch zu reduzieren. Das können wir aber nicht nur mit Allgemeinverfügungen und Verordnungen erreichen. Jede und jeder muss hier einen Beitrag leisten und sich immer wieder fragen, wie er sein eigenes Verhalten im Alltag ändern kann. Letztlich ist das eine Frage der Solidarität mit den älteren und besonders gefährdeten Personen in unserer Gesellschaft. Wenn die Zahlen flächendeckend weiter steigen, werden wir in bestimmten Lebensbereichen wieder stärkere Einschränkungen vornehmen müssen. Aus meiner Sicht sollten die Schulen und Kitas davon jedoch so lange wie irgend möglich ausgenommen sein.

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Und wie sieht es mit den Krankenhauskapazitäten aus?

Derzeit ist die Lage in den Krankenhäusern noch vergleichsweise entspannt, aber auch auf den Intensivstationen steigt die Zahl der Patientinnen und Patienten mit einer Covid-Erkrankung stetig an. Wir haben in Niedersachsen ein atmendes System mit nach Bedarf flexibel aufwachsenden Krankenhauskapazitäten eingeführt. Die Krankenhäuser passen die Zahl der vorgehaltenen Betten also ständig an den tatsächlichen Bedarf an. Wir haben auch mehr Beatmungsgeräte als noch im Frühjahr, aber die Kapazitäten sind trotzdem endlich. Die mittelfristige Entwicklung in den Krankenhäusern ist das, was mir am meisten Sorgen macht.

Info

Zur Person

Carola Reimann (53) ist seit November 2017 Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Zuvor saß sie 17 Jahre für die SPD im Bundestag. Reimann wohnt seit 1987 in Braunschweig, wo sie Biotechnologie studiert und auch ihre Doktorarbeit geschrieben hat.

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