Niedersachsen Tausende Wahlhelfer für Landtagswahl gesucht

Damit bei der Landtagswahl am 9. Oktober alles glatt läuft, ist Niedersachsen auf den Einsatz zahlreicher Freiwilliger angewiesen. Doch viele Kommunen tun sich schwer damit, neue Wahlhelfer zu finden.
09.06.2022, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Gut vier Monate vor der Landtagswahl in Niedersachsen suchen die Kommunen noch Tausende Wahlhelfer, die am 9. Oktober einen reibungslosen Ablauf organisieren und die Stimmen auszählen sollen. Vielen Kreisen, Städten und Gemeinden fällt es dabei schwerer als früher, Freiwillige für das Ehrenamt zu gewinnen - und das obwohl zumindest die Corona-Pandemie die Suche diesmal im Vergleich zur Bundestagswahl vor einem Jahr kaum noch beeinträchtigt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

In der Region Hannover fehlten Anfang Juni noch knapp 300 Helfer für die Auszählung der Briefwahlstimmen, in Wilhelmshaven wurden noch 380 Ehrenamtler gesucht, im Landkreis Harburg rund 350, in Wolfsburg 260, im Landkreis Göttingen rund 230 und in Salzgitter sogar 950. Andere Kommunen haben die Suche noch gar nicht begonnen. Die Kreise Ammerland und Osterholz dagegen können bereits einen Haken hinter die Personalplanung setzen: Ihre Teams für den Wahltag sind komplett.

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Doch das sind Ausnahmen. Häufiger ist aus den Kommunen zu hören, dass es immer schwieriger werde, Wahlhelfer zu rekrutieren. „Die Wahlhelfergewinnung fällt in diesem Jahr schwerer als zuvor“, teilt beispielsweise die Stadt Wolfsburg mit. „Definitiv schwerer als früher“ sei die Suche, heißt es aus dem Landkreis Vechta, und auch der Heidekreis berichtet, es sei „zunehmend schwerer, Freiwillige zu finden“. Zwei Begründungen sind dabei immer wieder zu hören: Der mutmaßlich hohe Anteil an Briefwählern, der die Auszählung erschwert - und die geringe Aufwandsentschädigung.

Für das sogenannte Erfrischungsgeld ist in der Landeswahlordnung eine Mindestgrenze festgelegt, 35 Euro für die Wahlvorsteher und 25 Euro für die übrigen Mitglieder eines Wahlvorstands. Die Kommunen können aber freiwillig höhere Summen zahlen. So sind in Wilhelmshaven und Emden bis zu 100 Euro für die Wahlhelfer drin, deren Tätigkeit überwiegend darin besteht, das Wahlrecht zu kontrollieren, die Stimmzettel auszugeben sowie nach 18.00 Uhr die Stimmen auszuzählen.

Auch in Oldenburg, wo „noch einige Lücken zu füllen sind“, wurde die Entschädigung auf bis zu 100 Euro angehoben, um den Dienst als Wahlhelfer attraktiver zu machen. Die Stadt geht dabei dieses Jahr verstärkt außerhalb der eigenen Verwaltung auf die Suche nach Freiwilligen. So hat die Kreiswahlleiterin nicht nur in Behörden, sondern auch schon in Unternehmen um Mithilfe gebeten.

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Überhaupt werden viele Kommunen kreativ, um genügend Personal zusammenzutrommeln. So setzen mehrere Kreise zunehmend auf Social-Media-Kampagnen, um jüngere Menschen anzusprechen, einige Städte und Gemeinden stellen einen „geselligen Wahlhelferabend“ oder ein gutes Catering in Aussicht und wieder andere versuchen, wahlberechtigte Schüler anzuwerben.

Damit hat zum Beispiel der Landkreis Oldenburg im vergangenen Jahr gute Erfahrungen gemacht. Die Schülerinnen und Schüler seien „sehr interessiert und zuverlässig“ gewesen, erzählt Amtsleiter Ralf Wiechmann. Allerdings habe es damals auch einen Sondereffekt gegeben, denn als der Corona-Impfstoff noch knapp war, konnten sich Wahlhelfer vorzeitig impfen lassen. Dennoch will der Kreis auch dieses Jahr wieder Schüler für sich gewinnen. Auch die Region Hannover erwägt, die Berufsschulen anzusprechen.

Die Sorge vor Corona-Ansteckungen wird derweil kaum noch als Grund für eine Absage genannt, wie die Umfrage ergab. „In den vergangenen zwei Jahren kamen viele Absagen von Risikopatienten. Bei der diesjährigen Wahl ist Corona kein Ablehnungsgrund mehr“, erklärte etwa die Gemeinde Wangerland in Friesland.

Große Sorgen, dass auch im Oktober noch zu wenige Ehrenamtliche bereitstehen könnten, äußert bisher trotz aller Schwierigkeiten übrigens keine Kommune. Wie schnell die Suche neuen Schwung bekommen kann, zeigt ein Blick nach Braunschweig: Dort teilte die Stadt Ende Mai mit, dass ihr noch etwa 500 Helfer fehlten. Nur zehn Tage später war die Resonanz so groß, dass jetzt sogar genügend Personal zur Verfügung steht, um etwaige Ausfälle auffangen zu können.

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