Leckerland Niedersachsen

Niedersachsens kulinarische Botschafter

Beim neunten Branchenwettbewerb treten kleine und große Lebensmittelhersteller erstmals oder als Titelverteidiger an: Bis zum 7. März läuft die Bewerbungsfrist als Kulinarischer Botschafter.
22.02.2018, 21:28
Lesedauer: 3 Min
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Niedersachsens kulinarische Botschafter
Von Justus Randt
Niedersachsens kulinarische Botschafter

Heinrich Steinbeck, Geschäftsführer der Molkerei Grafschaft Hoya in Asendorf, an der Abfüllmaschine. Das kleine Unternehmen will mit Meersalzbutter ins Rennen um den Titel als Kulinarischer Botschafter Niedersachsens gehen.

Janina Rahn

Niedersachsen, Land der Leckereien, Heimat handgeschöpften Sahneschichtkäses und perfekten Butterkuchens sucht erneut kulinarische Botschafter. Die Molkerei Grafschaft Hoya wird sich erneut bewerben – wie die Landbäckerei Tönjes aus Ganderkesee, deren Chefin das Label für „eine schöne Werbung“ hält.

Seit 2010 richtet der Verein Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft den Branchenwettbewerb aus: Aus insgesamt 166 Produkten von 92 Herstellern wurden im vergangenen Jahr 53 Titelträger gekürt. Bis zu drei ihrer Produkte können Unternehmen oder Betriebe einreichen. Bewerbungsschluss für den aktuellen neunten Botschafter-Wettbewerb ist der 7. März. Viele der ess- und trinkbaren Repräsentanten Niedersachsens haben ihren Titel schon mehrfach verteidigen können.

Schirmherr des Wettbewerbs

Die Botschafterauswahl 2018 wird wiederum der Landesvater als Schirmherr des Wettbewerbs persönlich präsentieren: „Ministerpräsident Stephan Weil hat bereits zugesagt, bei der Prämierung am 12. Juni in Hannover dabei zu sein“, sagt Peter Wachter, Sprecher der Marketinggesellschaft. Weil freut sich auf „erlesene Köstlichkeiten, die für die herausragende Qualität und Vielfalt in unserem Land stehen“. Wer eine überzeugende Produktidee hat, „die besonders innovativ und kreativ oder auch mit traditionellen, handwerklichen Methoden umgesetzt wird“, hat Aussichten als Bewerber. Der Wettbewerb richtet sich an „alle Lebensmittelhersteller, vom landwirtschaftlichen Direktvermarkter über kleine Manufakturbetriebe bis hin zu großen Unternehmen“.

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Marketinggesellschaft und Schirmherr ­sehen den Wettbewerb als Chance für die Titelträger, Kunden von der Qualität ihrer Speisen und Getränke im Namen Niedersachsens über die Landesgrenzen hinweg zu verbreiten. „Auch im Einzelhandel ist das Interesse an diesem Label bereits geweckt“, heißt es im Grußwort Weils. „Im ersten Wettbewerbsjahr hatten wir mit mehr als 180 die meisten Bewerber“, sagt Peter Wachter, „pro Jahr sind es zwischen 150 und 170.“

Fünfmal hat die Landbäckerei Tönjes aus Ganderkesee den Botschaftertitel errungen, mal mit ihrem nach Familienrezept hergestellten Butterkuchen, mal mit dem Kürbisstuten. „Auf jeden Fall bewerben wir uns wieder – mit beiden Produkten und vielleicht noch mit einem dritten“, sagt Geschäftsführerin Sabine Tönjes. Dass der Titel „eine schöne Werbung“ ist, steht für sie außer Frage. „Die Kunden sind begeistert“, sagt die Chefin – aber eher vom Kuchen als von der Auszeichnung. Betriebe, die prämiert werden, stellen sich auf einem kleinen Markt Interessenten des Lebensmitteleinzelhandels vor. „Interessenten sind immer da“, sagt Sabine Tönjes, zum Vertrag mit einem Großabnehmer sei es aber nie gekommen. „Es nützt ja nichts, ein tolles Produkt zu haben, der Preis muss auch stimmen.“

Intensive Vermarktung

Marketing ist angesagt. „Wir hätten da, glaube ich, viel mehr aus der Auszeichnung machen können“, sagt Wiebke Icken aus Sievern im Kreis Cuxhaven. Mit ihrem Heumilchkäse „Blanker Hans“ sind sie und ihr Mann Matthias im vergangenen Jahr erstmals Titelträger gewesen, vielleicht treten sie damit noch einmal an. „Botschafter“ blieb aber nicht die einzige Auszeichnung, und so sind die Ickens darüber weggekommen, das Label intensiver zu vermarkten. „Mein Mann hat dann noch den Ceres-Award in der Kategorie Biolandwirtschaft gewonnen. Und der ,Blanke Hans‘ den Publikumspreis beim Wettbewerb um den Deutschen Käsepreis in München.“

Der „Blanke Hans“ befindet sich aktuell in bester diplomatischer Gesellschaft mit Dry Gin aus Hannover, Kartoffelchips aus Rehden und Rhabarber-Limonade aus Bruchhausen-Vilsen (beides im Kreis Diepholz). Ebenso wie mit Grill-Entenkeulen einer „Wurstwarenmanufaktur“ im Kreis Vechta und einer Craft Beer Grillsoße aus der ­Wedemark (Region Hannover), der die Jury „eine helle, frische Schärfe mit deutlicher Hopfennote“ bescheinigte. Auch in diesem Jahr gebe es bereits „eine ganze Reihe ­Bewerber“, sagt Peter Wachter. „Der Trend geht in Richtung Manufakturcharakter – handgemacht, biologisch, regional.“

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Noch so ein Beispiel ist der „Asendorfer Premium Sahneschichtkäse“, den die 40 Festangestellten der Molkerei Grafschaft Hoya in Handarbeit herstellen. Der „nostalgischen Papierverpackung“ bescheinigten die Juroren, sie tauge dazu, Kult zu werden. Molkereichef Heinrich Steinbeck sieht das differenzierter: „Die Kundschaft, die sich nicht daran stört, dass Molke aus dem Pergamentpapier läuft, stirbt so ein bisschen aus. Wir haben einen jährlich rückläufigen Absatz“, sagt er und ist sich zugleich sicher: „Wenn wir den Schichtkäse wie andere ­Produkte im Becher anbieten, dann würden wir noch weniger verkaufen.“

Der Botschaftertitel ist allemal ein Gewinn für die Molkerei. „Wenn wir nicht werben würden, wären die Absatzzahlen noch niedriger“, vermutet Steinbeck. „Eine messbare Auswirkung“ habe der Titel aber nicht gehabt. „Wir beziehen unsere Milch von Landwirten 20 Kilometer rund um Asendorf und verkaufen hier um den Kirchturm herum.“ Beim aktuellen Botschafter-Wettbewerb geht die Molkerei mit zwei Produkten ins Rennen: Meersalzbutter und Vierfrucht-­Joghurt made in Asendorf.

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