Kavernenunfall jährt sich zum ersten Mal Ölunfall von Etzel bleibt weiter ungeklärt

Auch ein Jahr nach dem Kavernenunfall in Etzel bleibt die Ursache weiterhin ungeklärt. Fast 40 000 Liter Rohöl waren unmittelbar vor dem Zufluss zum Nationalpark Wattenmeer ausgelaufen. Viele Störfalle folgten.
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Von Martin Wein

Wirtschaftsminister Olaf Lies hat sich persönlich für Aufklärung eingesetzt. Tatsächlich nahm er einen Behördenleiter aus der Schusslinie und ins Ministerium. Ansonsten blieb der Kavernenunfall in Ostfriesland im November vergangenen Jahres weitgehend folgenlos – und weitere unerklärliche Störfälle folgten.

Schätzungsweise 40 000 Liter schwappendes Rohöl unmittelbar vor dem Zufluss zum Nationalpark Wattenmeer, 200 Feuerwehrleute aus ganz Ostfriesland fast eine Woche im Dauereinsatz, 15 Kilometer verseuchte Gewässer. Nur Wochen später plumpste ein Bohrgestänge einfach so in eine Gaskaverne, im Sommer dann sichtbare Ölschlieren im Jadebusen an einem Abscheider aus den 70er-Jahren. Und jüngst ein starker Gasdruckanstieg unterhalb des letzten Absperrventils einer anderen Kaverne – ausgelöst durch einen neuerlich gerissenen Förderstrang.

Der Bonner Betreiber IVG Caverns kommt mit seinem Kavernenfeld im ostfriesischen Etzel seit Monaten nicht aus den Schlagzeilen. Und auch ein volles Jahr nach dem ersten schweren Zwischenfall mit anschließender großflächiger Ölverschmutzung am 17. November 2013 bleiben die Ursachen des Störfalls vollkommen unklar.

In Aurich ermittelt die Staatsanwaltschaft nach dem ersten Vorfall weiterhin gegen Unbekannt. Wann und ob überhaupt mit Ergebnissen gerechnet werden könne, sei nicht abzusehen, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Visser auf Anfrage. Die Betreiberfirma hatte frühzeitig einen technischen Defekt ausgeschlossen und deshalb einen Saboteur am Werk gesehen. Der habe ein oberirdisches Absperrventil ansatzweise geöffnet.

Tatsächlich waren Zugänge zum Gelände nicht ordnungsgemäß verschlossen und eine Kamera-Fernüberwachung nicht installiert. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium ordnete verschärfte Sicherheitsvorkehrungen an, die allerdings nach Meinung von Kritikern nicht dem freiwilligem Sicherheitskonzept anderer etablierter Betreiber gleichkommen.

Von technischer Seite kamen derweil Zweifel, 40000 Liter Öl könnten aus dem fraglichen Absperrventil in der fraglichen Zeit gar nicht ausgelaufen sein. Mitglieder einer örtlichen Bürgerinitiative vermuteten stattdessen eine leckende Freileitung als Ursache, nachdem ein Feuerwehrmann einen Ölaustritt bereits Tage vor dem Störfall gesehen haben wollte. Nachdem die Auricher Staatsanwälte im Frühjahr zunächst im Erdreich nach der fraglichen Leitung suchen wollten, rückten sie von dem Vorhaben inzwischen wieder ab. „Es gibt keine verlässlichen Hinweise auf eine solche Leitung“, so Visser. Lediglich Verdachtsmomenten aus den Kreisen einer kritischen Bürgerinitiative nachzugehen, sei angesichts der hohen Kosten nicht vertretbar. Im Hintergrund hatten sich die Staatsanwaltschaft und das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) als Aufsichtsbehörde der Kavernenbetriebe energisch gestritten, wer die Erdarbeiten übernehmen müsse.

„Die Kommunikation mit dem Kavernen-Unternehmen hat sich nach einem Wechsel in der Geschäftsführung inzwischen merklich verbessert“, lobt Andreas Rudolph als Sprecher der Anwohnerinitiative gegen den Kavernenausbau. Dennoch wiege „augenscheinlich die Gewinnerzielungsabsicht der IVG höher als das Verantwortungsbewusstsein für den sicheren Umgang mit Kavernen.“ Das Unternehmen vermietet die riesigen, künstlich ausgespülten Hohlräume im Etzeler Salzstock an andere Unternehmen. Die lagern darin Erdgas und Rohöl zwischen, um es bei gestiegenen Preisen gewinnbringend wieder zu verkaufen.

Wirtschaftsminister Olaf Lies, der ganz in der Nähe wohnt, hatte kurz nach dem Störfall die Aufklärung öffentlich an sich gezogen. Im Ergebnis entband er nach massiver Kritik am Krisenmanagement den Präsidenten des LBEG seiner Aufgaben und versetzte ihn in sein Ministerium. Weiterhin vergibt das LBEG die Lizenzen für den Kavernenbau und übernimmt zugleich die technische Überwachung der Betreiber.

Die organisierten Anwohner in Etzel geben sich damit nicht zufrieden. Wie könne es etwa sein, fragt Andreas Rudolph stellvertretend, dass der grüne Umweltminister Stefan Wenzel einen über 40 Jahre alten Ölabscheider kritiklos akzeptiere, wenn mit moderner Technik die Umweltbelastungen gravierend reduziert werden könnten.

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