Modellprojekt in Niedersachsen

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Damit Patienten schneller als bisher ins richtige Krankenhaus kommen, hat das niedersächsische Sozialministerium ein Modellprojekt gestartet. Das internetbasierte System heißt Ivena.
28.12.2015, 00:00
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Von Justus Randt
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Ein Notfallpatient wird ins Krankenhaus eingeliefert. Das Projekt Ivena soll die Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und Kliniken verbessern und die Zeiten bei der Behandlung von Notfallpatienten verkürzen.

dpa

Damit Patienten schneller als bisher ins richtige Krankenhaus kommen, hat das niedersächsische Sozialministerium ein Modellprojekt gestartet. Das internetbasierte System heißt Ivena.

Im Notfall ist Eile geboten. Damit Patienten schneller als bisher ins richtige Krankenhaus kommen, hat das niedersächsische Sozialministerium ein internetbasiertes System gestartet, das dem Rettungsdienst Behandlungs- und Bettenkapazitäten der Krankenhäuser anzeigt. Das klingt einfach – ist aber Stoff für ein dreijähriges Pilotprojekt, das im Dezember in Osnabrück und der Region Hannover begonnen hat. Ab dem Frühjahr ist auch der Versorgungsbereich der Großleitstelle Oldenburg beteiligt. Bewährt sich das System, soll es flächendeckend in Niedersachsen verbreitet werden.

Erster unter den Pionieren ist der Heidekreis, der bereits im Frühjahr in Eigeninitiative Ivena eingeführt hat – so heißt der interdisziplinäre Versorgungsnachweis abgekürzt. In der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle in Soltau und den beiden beteiligten Heidekreiskliniken in Soltau und Walsrode habe der Start problemlos geklappt, sagt Ralf Bahlo. Der Leitstellenleiter managt bereits im Kleinen, was Osnabrück mit elf Krankenhäusern und die Region Hannover mit 17 beteiligten Häusern nachmachen wollen.

Ziel des Projekts ist es, die Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und Kliniken zu verbessern und Zeitverzug bei der Behandlung von Notfallpatienten zu minimieren. Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) geht davon aus, dass Notfälle dank Ivena „noch strukturierter und professioneller“ versorgt werden. „Die Rettungsdienste können vor Ort und zeitnah mittels mobiler Geräte wie Tablets bei Ivena einsehen, welches Krankenhaus welche Kapazität bietet.“

Im Heidekreis funktioniert Ivena auch ohne Computer unterwegs. „Wir haben noch keine Tablets auf den Fahrzeugen“, sagt Ralf Bahlo – im kleinen Rahmen funktioniert der interdisziplinäre Versorgungsnachweis auch so. „Das Personal am Einsatzort macht eine Erstaufnahme. Bisher wurden Patienten über Funk oder über Telefon angemeldet. Das läuft jetzt über die Leitstelle.“

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Dorthin übermitteln die Rettungskräfte den sogenannten Patientenzuweisungscode. Der besteht aus drei Zahlengruppen: Auf eine dreistellige Indikationsnummer, die beispielsweise für Verdacht auf Herzinfarkt stehen kann, folgt die Altersangabe und schließlich eine Ziffer für den sogenannten Prioritätsgrad.

„Diese Daten werden ins Internetportal übernommen und sind direkt in der Notaufnahme des Krankenhauses zu sehen“, sagt Bahlo, „mit Eintreffzeit. So können sofort Schockraumteams oder andere Bereiche alarmiert werden und wissen: In 20 Minuten steht der Patient vor der Tür.“

Derzeit, sagt Bahlo, sei die Insellösung des Heidekreises mit seinen 136.400 Einwohnern und den zwei Krankenhäusern noch ein Problem. „Wir sind aber guter Dinge, dass es irgendwann auch in den Nachbarlandkreisen Rotenburg und Harburg soweit sein wird, dass Ivena eingesetzt wird.“ Einen Leitstellenverbund über die Landkreisgrenzen hinweg gibt es bereits. „Wenn das System gemeinsam gepflegt wird, werden insgesamt 550.000 Menschen davon profitieren.“

Einfaches Ampelsignal

Schließlich geht es längst nicht mehr nur um die Frage, wie viele Betten in einer Klinik frei sind. „Die Rückmeldung, ob ein Patient zugewiesen werden kann oder nicht, berücksichtigt auch, welche Indikation vorliegt, welche Ärzte in der Klinik sind und welche Werkzeuge, also zum Beispiel ein Herzkatheterlabor, vorhanden sind“, erklärt Ralf Bahlo. Ein einfaches Ampelsignal zeigt Grün für „zuwiesen“, Rot für „kann nicht zugewiesen werden“.

Bislang wird Ivena erst in Hessen flächendeckend eingesetzt. „Nachdem wir uns das dort angesehen hatten, waren wir erst skeptisch. Mittlerweile sehen wir den großen Vorteil in der Transparenz“, sagt Bahlo. „Wenn alle mitmachen, spart man den Aufwand des Telefonierens. Man sieht sofort, wo freie Kapazität ist – nicht nur ein freies Bett – und kann Patienten den Krankenhäusern optimal zuordnen.“ In Hessen hat es Ivena immerhin bis ins Finale um den „Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft 2012/13“ gebracht.

Ab Frühjahr sollen auch die insgesamt rund 735.000 Einwohner der Städte Delmenhorst und Oldenburg sowie der Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch von Ivena profitieren. Die Großleitstelle Oldenburg, so sagt ihr Geschäftsführer Frank Leenderts, sei dann Schnittstelle bei der Vermittlung von Patienten in 13 Krankenhäuser. Auch er setzt auf „mehr Effizienz“.

"Gute Erfahrungen" im Heidekreis

Das Sozialministerium in Hannover hat unter anderem die technische Einrichtung des Projekts in den Pilot-Regionen koordiniert. Es gebe „gute Erfahrungen“ im Heidekreis, teilt das Ministerium auf Nachfrage mit. „Es dauert aber rund ein Jahr, bis das System umfänglich läuft“, so das Ministerium. Deshalb könne von Ergebnissen noch keine Rede sein. So viel steht aber jetzt schon fest: Ivena soll die „optimale Nutzung knapper Ressourcen“ gewährleisten – und scheint Erfolg versprechend. „Es sind immer alle Akutkrankenhäuser beteiligt, sonst funktioniert Ivena nicht.“ Nicht eingebunden sind jedoch psychiatrische Kliniken.

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