Niedersachsen Opfer von Messerattacke aus dem Koma erwacht

Der jungen Frau, die in Burgwedel niedergestochen wurde, geht es etwas besser. In der Diskussion um Gewaltkriminalität mahnt Ministerpräsident Weil, die Kirche im Dorf zu lassen.
28.03.2018, 15:55
Lesedauer: 2 Min
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Nach der Messerattacke in Burgwedel ist das 24 Jahre alte Opfer aus dem Koma erwacht. "Das ist ein ganz toller Schritt nach vorne", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge, am Mittwoch. Die Ermittler würden jetzt ein paar Tage warten, bis die junge Frau vernommen werden könne. Zu ihrem Gesundheitszustand konnte der Sprecher keine Einzelheiten nennen. Die 24-Jährige war nach dem Angriff am Samstagabend notoperiert und in ein künstliches Koma versetzt worden. Sie schwebte mehrere Tage in Lebensgefahr. Ein 17 Jahre alter Syrer soll ihr mit einem Klappmesser einen Stich versetzt haben. Der Jugendliche sitzt in Untersuchungshaft.

Die Tat hat eine politische Debatte über Jugendkriminalität und die Integration von Flüchtlingen ausgelöst. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil brachte sein Mitgefühl für das Opfer zum Ausdruck. Im Fall Burgwedel müsse es "darum gehen, die Tat sehr konsequent zu ahnden, einschließlich einer Prüfung der Aufenthaltsbeendigung in Deutschland", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Er sei entsetzt über die Messerattacke von Burgwedel. Dennoch müsse man die Kirche im Dorf lassen. "Wenn man sich Zahlen zur Gewaltkriminalität ansieht, ist Niedersachsen so sicher wie seit vielen Jahren nicht mehr", sagte Weil.

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Im Haftbefehl wird dem 17-Jährigen gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Damit droht ihm eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Zunächst war wegen versuchten Totschlags ermittelt worden. Der Vorwurf könne sich im Laufe der Ermittlungen auch wieder ändern, sagte Klinge. Vorausgegangen war dem Angriff ein Streit im Supermarkt mit dem 14 Jahre alten Bruder des mutmaßlichen Täters und einem 13-jährigen Cousin. Der 17-Jährige lebte bei seiner Familie, mit der er bereits 2013 als Kontingentflüchtling aus Syrien nach Deutschland gekommen war.

Der AfD-Landtagsabgeordnete Stephan Bothe sagte am Mittwoch: "Der Familiennachzug schützt nicht vor Messerangriffen, im Gegenteil. Durch noch mehr Einwanderer werden sich die Parallelgesellschaften in unseren Städten ausweiten."

Ministerpräsident Weil plädierte dafür, Familiennachzug maßvoll zu betreiben. "Man kann davon ausgehen, dass Familie in vielen Fällen soziale Kontrolle alleinstehender junger Männer darstellt." Sie sei aber keine Garantie dafür, dass ein Familienmitglied nicht straffällig werde.

Der Niedersächsische Richterbund (NRB) forderte mehr Integrationsangebote für junge Flüchtlinge. Die Justiz könne nur eingreifen, wenn es bereits zu Verbrechen gekommen sei, sagte der NRB-Vorsitzende Frank Bornemann der "Neuen Presse". Mehr Integrationsanstrengungen seien notwendig, bis alle Flüchtlinge verinnerlicht hätten, dass man in Deutschland zum Beispiel nicht mit dem Messer aufeinander losgeht. (dpa)

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