Wettbewerb Originalität wird belohnt

„Tourismus mit Zukunft! Preis für Nachhaltigkeit im Reiseland Niedersachsen“ ist der Name des Wettbewerbs, unter dessen Gewinnern 90.000 Euro verteilt werden. Die Konzepte müssen ökologisch und sozial sein.
18.08.2017, 20:02
Lesedauer: 4 Min
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Originalität wird belohnt
Von Justus Randt

Von 30 Einzelbewerbern und Projekten sind noch zehn Favoriten im Rennen: „Tourismus mit Zukunft! Preis für Nachhaltigkeit im Reiseland Niedersachsen“, lautet der Titel des Wettbewerbs, den das niedersächsische Wirtschaftsministerium und die Tourismus-Marketing Niedersachsen GmbH (TMN) ausrichten.

Unter den Gewinnern werden am 2. November in Hannover insgesamt 90.000 Euro verteilt. Ökologisch müssen die Konzepte sein, wirtschaftlich tragfähig und sozial. Das sind die Vorgaben für neue ressourcensparende Attraktionen im vielfältigen Ferienland Niedersachsen. Um sich behaupten zu können, müssen die Ideen aber auch originell sein.

Einige, wenn nicht alle Nominierten schreiben sich Unverwechselbarkeit auf die Fahnen. Manche, wie die Ranger-Idee, sind inzwischen sogar lang erprobt und sollen als Franchise-Konzept in anderen Regionen als der Lüneburger Heide Schule machen.

Dienstleister für naturnahen Tourismus

Hinter dem Konzept der Regio-Ranger steckt der Diplom-Biologe Jan Brockmann aus Bispingen-Steinbeck, der bereits seit zwölf Jahren unter dem Markenzeichen ­Heide-Ranger als „Dienstleister für naturnahen Tourismus“ unterwegs ist. Staatliche Ranger, sagt Brockmann, gebe es „in Niedersachsen eigentlich nur in den Nationalparks Wattenmeer und Harz sowie im Biosphärenreservat Elbtalauen“.

Hinzu kommt mindestens einer: der Ranger am Naturpark Steinhuder Meer. „Gemeinsam mit Studierenden der Leuphana-Universität in Lüneburg habe ich mein Konzept weiterent-­wickelt“, sagt Jan Brockmann. Nach seinen Vorstellungen sollen Unternehmen gegründet werden, die das Modell „für ­qualifizierte regionale Dienstleistungen“, zum Beispiel Gästeführungen zu Natur- und Landschaftsschutz, übernehmen wollen.

„Es muss sich in dem Metier ja nicht jeder neu erfinden“, meint Jan Brockmann. Außerdem gebe es in vielen ländlichen Tourismusregionen keine Möglichkeiten, Gästeführer auszubilden. „Ziel ist ein gemeinsames und einheitliches Auftreten der Regio-Ranger mit genug Platz für regionale Besonderheiten.“

Sparsamkeit an erster Stelle

Durch „ein gemeinsames Marketing oder Gruppenversicherungen“ ließen sich beispielsweise Kosten sparen. Sparsamkeit steht auch bei der erst vor wenigen Wochen gegründeten Hannoveraner Firma Tiny Hotel UG an erster Stelle: Nicht nur, weil die Unterkünfte für Kurzaufenthalte mini sind, sondern weil sie klimaneutral und autark betrieben werden sollen.

Die Hotelhäuschen, heißt es, könnten – etwa entlang von Rad- und Wanderwegen – je nach Wunschort „rückstandsfrei“ versetzt werden. Die Cubesgarden GmbH aus der Gemeinde Hatten plant Ferienwohnungen in Cubes (deutsch: Würfel) genannten umgebauten Hochsee-Containern. Sie sollen in der Nähe Oldenburgs eine kleine Siedlung im Grünen bilden.

Maximilians Kinder Arche im Amt Neuhaus plant unterdessen, den bestehenden Archehof zum Archepark auszubauen, in dem es vor allem um Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit gehen soll. Die Anlage beherbergt bereits vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierarten.

#DigitalDetoxingCamp

Künftig könnten „Kinder als Botschafter für den Schutz von Natur und bedrohten Tieren, für gesunde Ernährung, artgerechte Tierhaltung sowie nachhaltiges Wirtschaften gewonnen werden“, heißt es in der Bewerbung. Unter dem Titel #DigitalDetoxingCamp plant ein Unternehmen nach dem Vorbild von Kinder-Sommerlagern viertägige Feriencamps für Erwachsene auf Langeoog.

Das Angebot ist „weitgehend barrierefrei ausgerichtet“. Teilnehmer müssen aber mögliche innere Widerstände überwinden: Auf technische Geräte wie Smartphones wird im Camp verzichtet. Die Ausrichtung auf Naturbeobachtung und Umweltbildung, heißt es, sei konsequent.

Im urbanen Celle sollen wiederum „Nachhaltigkeitsentdeckertische“ mithilfe von 360-Grad-Bildern und Videos Orte der Stadt „virtuell erlebbar“ machen. „Das Moor schmecken und entdecken“, lautet die Parole der internationalen Naturpark-Wochen, mit denen die Emsland-Touristikgesellschaft wirbt.

Eine weitere Attraktion

Ziel ist es, „die Einzigartigkeit des internationalen Naturparks Bourtanger Moor-Bargerveen der Bevölkerung und den Gästen“ näherzubringen. „Eine mobile App, alternativ ein Papierbogen“, sind in Bad Zwischenahn Mittel zum Zweck, ein „grünes Quiz“ zu lösen.

Moorbahn, Moorerlebnispfad und Mooraussichtstürme gibt es bereits im Moorinformationszentrum Ahlenmoor in Otterndorf. Nun wächst der Gegend eine weitere Attraktion zu: „Wölfe schätzen dieses menschenarme Gebiet“, sagt Sabine Gütlein, Touristikchefin der Samtgemeinde Hadeln (Landkreis Cuxhaven).

Touristisch soll das die Region voranbringen. Ziel sei es, Menschen „durch sachliche Informationen ­Ängste vor dem Wolf zu nehmen”. Eine geplante Kooperation mit dem Zoo in der Wingst, „in dem Wölfe in ihrem natürlichen Umfeld zu sehen sind“, wie Gütlein sagt, soll das Konzept abrunden.

Junge Menschen sensibilisieren

Nachhaltig ist der Erlebnishof in Borstel (Region Hannover), der im vergangenen Jahr dank „energieautarker Übernachtungen“ zu den Sonderpreisträgern zählte. Die Anbieter Stelzmann und Quambusch haben dort bereits erlebnisorientierte Kinder- und Jugendfreizeiten ausgerichtet – mit Akzent auf dem Umweltbewusstsein der Teilnehmer.

Das neue pädagogische Konzept zielt darauf, „junge Menschen für die Erhaltung der Gewässer zu sensibilisieren“. Zum Beispiel die Leine, aber auch die Weser. „Wir wollen uns auch im Paddelsport auf Inklusion ausrichten“, sagt Oliver Stelzmann. „Wir haben immer wieder Anfragen von ­inklusiven Schulklassen mit Menschen, die körperliche Behinderungen haben. Da gibt es Riesenbedarf. Und wir wollen unsere Gewässer für alle erfahrbar machen.“

Erholungsflächen fallen weg

Mit Tropfen auf heiße Steine, wie die 90.000 Euro, ist es in Sachen Tourismus keineswegs getan: Das Wirtschaftsministerium hatte im Mai bekannt gemacht, dass touristische Betriebe im Lande mit 19 Millionen Euro aus Europa und als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Land gefördert werden. Allein 17 Millionen Euro fließen in die Förderung von 14 Hotelprojekten. Gefördert wird auch der Baumwipfelpfad in Bad Iburg mit 1,97 Millionen Euro.

Anfang August übergab Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) den Förderbescheid über 330.000 Euro für den – durchaus nicht unumstrittenen – Kurpark im Nordseebad ­Dangast. Kritiker des auch Seekurpark genannten Vorhabens, mit dem im Frühjahr begonnen werden soll, beklagen, dass durch die Neugestaltung „60 Prozent der Erholungsflächen“ wegfielen. Und zwar nachhaltig.

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