Kalkriese und die Varusschlacht in Niedersachsen auf Platz eins Orte mit Erinnerungswert

Eine Umfrage unter Historikern hat ergeben, dass die Varusschlacht in Kalkriese der wichtigste Erinnerungsort in Niedersachsen und Bremen ist - gefolgt vom Auswandererhaus in Bremerhaven.
27.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Joachim Göres

Die Varusschlacht in Kalkriese bei Osnabrück ist der wichtigste Erinnerungsort in Niedersachsen und Bremen, gefolgt vom Auswandererhaus und -hafen in Bremerhaven, dem Konzentrationslager Bergen-Belsen und dem Wolfsburger Volkswagenwerk. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter Historikern, die am Sonnabend auf einer Tagung in Hannover vorgestellt wurde. Auf Platz acht befindet sich der Sachsenhain bei Verden, auf Platz 15 unter anderem der Bunker Valentin in Farge, auf Platz 22 mit gleicher Stimmzahl der Bremer Roland und die Bremer Stadtmusikanten. Es konnten auch so genannte immaterielle Erinnerungsorte genannt werden – auf Platz neun kam das Niedersachsenross, auf Platz 15 das Schützenfest.

Für die Umfrage hatte die Geschichtswissenschaftlerin Christiane Schröder 99 Historiker aus Museen, Universitäten, Schulen, Archiven und Gedenkstätten aus allen Landkreisen Niedersachsens sowie aus Bremen zu 20 konkreten Vorschlägen aufgefordert, die sie „für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Erinnerungsorten in Niedersachsen und Bremen am wesentlichsten“ ansehen. 40 Personen antworteten und schlugen insgesamt 150 Erinnerungsorte vor, die für sie eine besondere Bedeutung haben.

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„Geschichte wird benutzt, um Identität aufzubauen. Dafür muss man erstmals fragen, welches die besonders wichtigen Orte sind. Wir wollen eine breite und kritische Diskussion zu diesem Thema“, sagt der Historiker Detlef Schmiechen-Ackermann von der Uni Hannover, Sprecher des Arbeitskreises für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Sein Stellvertreter Jochen Oltmer von der Uni Osnabrück betont: „In der Spitzengruppe sind viele Orte, in die in den letzten Jahren viele Millionen Euro investiert wurden wie in das Museum Varusschlacht, das Auswandererhaus Bremerhaven oder das Museum Friedland. So wird Erinnerungspolitik betrieben.“ Die Auffassung der Wissenschaftler deckt sich nicht unbedingt mit der allgemeinen Meinung, wie die Begründung eines Historikers für die Wahl des Denkmals der Göttinger Sieben andeutet: „Für die Opponenten von Ernst August konnte erst nach langwierigen Debatten ein Denkmal vor dem Landtag in Hannover errichtet werden, das im öffentlichen Bewusstsein jedoch nicht den Rang des Reiterstandbildes am hannoverschen Bahnhof erlangt hat. Also ein Denkmal, das von der Schwierigkeit berichtet, Bewusstsein zu schärfen.“

Ein aktueller Erinnerungsort, der von den Historikern vorgeschlagen wurde, ist das ehemalige Privathaus des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff in Großburgwedel – es bekam allerdings nur eine Stimme. Da schneiden Werder Bremen und der Bremer Dom mit jeweils drei Stimmen deutlich besser ab.

Thomas Vogtherr, Historiker an der Uni Osnabrück, verwies darauf, dass Erinnerungsorte immer kritisch unter die Lupe genommen werden müssen. So werde das Niedersachsenlied, das in der Umfrage auf Platz 15 kam, wegen seines „faschistoiden Inhalts“ vom NDR seit Jahrzehnten nicht mehr in der gesungenen Fassung gesendet. Auch schließe der Text („Von der Weser bis zur Elbe“) wesentliche Teile des Landes aus. Vogtherr: „Mit dem Lied verbinden sehr viele die Zeile ‚sturmfest und erdverwachsen‘. Bei der 60-Jahrfeier Niedersachsens stand ich neben dem britischen Botschafter, der mich nach dem Absingen des Niedersachsenliedes fragte: ‚Das Lied ist nicht sehr bekannt, nicht wahr?‘“

Nach Angaben Vogtherrs, Vorsitzender der Historischen Kommission, wird die HIKO zum 70. Geburtstag des Landes Niedersachsen ein wissenschaftliches Symposium über die Besonderheiten Niedersachsens veranstalten. Niedersachsen war am 1. November 1946 auf Beschluss der britischen Militärregierung durch die Vereinigung der ehemaligen preußischen Provinz Hannover und den Ländern Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe gebildet worden.

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