Schützenswerte Brauchtümer Ostfriesentee und Blaudruck sind Unesco-Kulturerbe

Die Technik des Blaudrucks und die ostfriesische Teekultur sind am Montag in die nationale Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.
30.05.2017, 19:38
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Ostfriesentee und Blaudruck sind Unesco-Kulturerbe
Von Justus Randt

Die Technik des Blaudrucks und die ostfriesische Teekultur sind am Montag in die nationale Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.

Die Technik des Blaudrucks, wie sie vom Heimatverein Scheeßel gepflegt wird, und die ostfriesische Teekultur sind am Montagabend in die nationale Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Das Verzeichnis der schützenswerten Brauchtümer wurde mit der Verleihung von Urkunden und Plaketten in der Berliner Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns auf einen Schlag verdoppelt: Bundesweit gab es 34 Neuaufnahmen von Märchenerzählen über Poetry-Slam im deutschsprachigen Raum, bis zu Skatspielen, Hebammenwesen, Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald und den Hessischen Kratzputz.

Blaudruck und Ostfriesentee stechen darunter als originär niedersächsische Brauchtümer hervor. „Zu Scheeßel gehört der Blaudruck seit dem 18. Jahrhundert dazu“, sagt Annerose Rathjen, eine der acht Aktiven der Blaudruckwerkstatt am Heimatmuseum des Orts im Landkreis Rotenburg, die am Montag zur Verleihung in Berlin war. 1950 schloss der letzte Blaudrucker dort seinen Betrieb, später habe dessen Geselle dem Heimatmuseum die Techniken erklärt. Dort werden Trachten, Schürzen, Westen und Tücher aus Naturstoffen wie Baumwolle, Halbleinen, Leinen und Seide im sogenannten Reservedruckverfahren bearbeitet und bekommen ihre kunstvollen Dessins im charakteristischen Indigoblau.

Blaudruck: Höchstens zehn Werkstätten Deutschland

Im Unterschied zum Direktdruck mit Stempeln etwa oder dem Ätzdruck entsteht das Muster beim Reservedruck, indem eine Schutzmasse überall dort aufgetragen wird, wo der Stoff nach dem Handdruck mit alten Modeln farblos bleiben soll. „Wie beim Klassiker, dem Batiken“, sagt Rathjen. „In Deutschland gibt es insgesamt höchstens zehn Werkstätten in Trägergemeinschaft. Wir haben den Antrag auf Aufnahme in die Unesco-Liste zusammen mit Blaudruckern aus Jever und Einbeck für alle gestellt.“ Die Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes hebe den Stellenwert des Blaudrucks an sich, ist Annerose Rathjen überzeugt. „Aber wir merken es auch lokal, das unterstreicht, was wir hier Tolles haben und hebt das Selbstbewusstsein.“ Gemeinsam mit Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei soll der Blaudruck noch in diesem Jahr für die internationale Liste des immateriellen Kulturerbes nominiert werden.

Mit Stolz erfüllt sind auch die Ostfriesen, die Matthias Stenger, den Leiter des Ostfriesischen Teemuseums in Norden als Botschafter und im Namen des Museumsverbundes, der Ostfriesischen Landschaft und der Heimat- und Kulturvereine nach Berlin entsandt hatten. „Unter den vorgestellten war unsere Kulturpraxis die einzige, die jeden Tag von Hunderttausenden zelebriert wird“, sagt Stenger. „Im bundesweiten Durchschnitt trinkt jeder Deutsche 28 Liter Tee pro Jahr. Die Ostfriesen haben beträchtlichen Anteil daran, dass die Zahl überhaupt so hoch ist. „Wir trinken 300 Liter pro Kopf und sind damit Weltspitze.“ Zugleich sei dies das einzige typisch ostfriesische Brauchtum: „Beim Boßeln gibt es internationale Meisterschaften, und Platt wird auch in anderen Regionen gesprochen.“

Zur Teekultur zählt Matthias Stenger nicht nur die Zeremonie, in der die typische kräftige Ostfriesenteemischung mit (Kandis-)Kluntje und (Sahne-)Wulkje kredenzt wird. „Im Grunde gehört alles dazu, was auf dem Tisch steht und damit die Handwerke des Zinngießers, Silberschmieds, Porzellanmalers und des Stövchenmachers.“

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