Geeste in Niedersachsen Pannenserie auf Erdölfeld Bramberge

Eine Explosion, der Austritt von Tausenden Litern Öl, verseuchter Boden: Die Unfallserie auf einem der größten Ölfelder Deutschlands reißt nicht ab. Doch der Betreiber sieht sich schuldlos.
15.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Pannenserie auf Erdölfeld Bramberge
Von Silke Looden

Eine Explosion, der Austritt von Tausenden Litern Öl, verseuchter Boden: Die Unfallserie auf einem der größten Ölfelder Deutschlands reißt nicht ab. Behörden arbeiten die Versäumnisse auf, doch der Betreiber sieht sich schuldlos.

Ölunfälle häufen sich im niedersächsischen Förderfeld Bramberge bei Geeste im Landkreis Emsland. Dabei handelt es sich um eines der größten Erdölfelder in Deutschland. Zuletzt waren dort am Abend des 30. August 42.000 Liter Nassöl ausgetreten. Im Juni war ein Feuer ausgebrochen, im Dezember vergangenen Jahres hatte es eine Leckage gegeben und vor einem Jahr gar eine Explosion, bei der vier Mitarbeiter verletzt wurden, einer von ihnen starb. Der Betreiber, die GDF SUEZ E und P Deutschland, hat die Vorfälle den Behörden gemeldet. Die Ermittlungen dauern an.

„Ein Mitarbeiter entdeckte die Leckage, sodass der betroffene Anlagenteil schnell außer Betrieb genommen werden konnte“, erklärt Annika Richter, Sprecherin der Betreibergesellschaft, zum jüngsten Vorfall. GDF SUEZ habe Sofortmaßnahmen eingeleitet, so die Sprecherin weiter. Fachleute hätten das ausgelaufene Gemisch aus Rohöl und Lagerstättenwasser mit Saugwagen entsorgt. Sie betont: „Eine Gefahr für die Umwelt oder die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt.“

2000 Liter Rohöl ausgelaufen

Das Leck befand sich am Einlaufstutzen eines sogenannten Separators auf dem zentralen Betriebsgelände in Bramberge. Dieser trennt das geförderte Rohöl von Lagerstättenwasser und Gasen. Ausgetreten sind nach Firmenangaben 2000 Liter Rohöl und 40.000 Liter Lagerstättenwasser. 100 Quadratmeter des Betriebsgeländes wurden verunreinigt. Menschen kamen anders als bei der Explosion vor einem Jahr nicht zu Schaden.

Das LBEG hat als zuständige Aufsichtsbehörde Ermittlungen zur Schadensursache aufgenommen. Ursache war den Untersuchungen zufolge Rostbildung in einer Zuführung. Nach Behördenangaben hatte ein Techniker die Leckage am Abend bemerkt. Die anschließenden Reinigungsarbeiten standen unter Aufsicht des Landesbergamtes.

Das Platzentwässerungssystem und die Ölabscheider hätten funktioniert, sodass das Öl anders als bei dem Unfall in Etzel (Kreis Friesland) nicht in die Umwelt gelangen konnte. Dort waren 2013 insgesamt 40.000 Liter Rohöl aus einem Entlüftungshahn ausgetreten. Hunderte Kubikmeter Boden wurden verseucht. Hunderte Hilfskräfte waren im Einsatz. Die Unfälle sind insoweit nicht vergleichbar, als in Bramberge Öl gefördert, in Etzel dagegen gespeichert wird.

 Betreiber weist Kritik zur ü ck

Trotz des Korrosionsschadens sieht die Betreibergesellschaft keine Versäumnisse. Sprecher Stefan Brieske erklärt: „Alle Produktionsanlagen und Leitungen werden regelmäßig kontrolliert und gewartet. In der Grafschaft Bentheim und im Landkreis Emsland modernisiert GDF SUEZ bis Anfang 2016 ihre Leitungssysteme. Das Investitionsvolumen liegt bei mehreren Millionen Euro.“

Weniger Tage zuvor hatte es auf dem Betriebsgelände in Bramberge gebrannt. Der Brand am Fuße einer Gasfackel konnte von Mitarbeitern gelöscht werden. Die Feuerwehr sicherte die Brandstelle ab. Bereits im vergangenen Jahr war es im Dezember zu einer Leckage auf dem Erdölfeld genommen. Damals waren 3000 Liter Nassöl in einen offenen Rohrgraben ausgetreten. Der verunreinigte Boden wurde nach Behördenangaben abgetragen.

 In Etzel vermutet Betreiber Sabotage

In Etzel geht die Betreibergesellschaft, die IVG Kavernengesellschaft, von Sabotage an einem Entlüftungshahn aus. Die Staatsanwaltschaft verlangt deshalb von dem für die Sicherheit zuständigen Mitarbeiter, 40.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Kommt der Beschuldigte der Auflage nach, wird das Verfahren gegen ihn genauso eingestellt wie bereits gegen drei Führungskräfte.

Nach wie vor ermittelt die Staatsanwaltschaft im Fall Etzel gegen Mitarbeiter des Landesbergamtes. Auch im Fall der Explosion auf dem Förderfeld Bramberge wird ermittelt. Das Landesbergamt hat den folgenschweren Arbeitsunfall untersucht und die Akten der Staatsanwaltschaft übergegeben.

Das Ölfeld Bramberge, zu dem die Bohrstelle gehört, wurde in den 50er-Jahren erschlossen. Das Feld erstreckt sich über mehr als 22 Quadratkilometer. Jährlich werden dort mehr als 100.000 Tonnen Erdöl gefördert. Die Lagerstätte befindet sich in einer Tiefe von etwa 1000 bis 500 Metern. Förderbohrungen gibt es rund um das Dorf Osterbrock in der Gemeinde Geeste.

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