Landwirtschaft in Niedersachsen Pestizide belasten Grundwasser

Das Grundwasser ist in Niedersachsen gerade in den landwirtschaftlich geprägten Regionen mit Rückständen von Pestiziden belastet. Das teilte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Dienstag mit.
23.06.2015, 14:20
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft belastet das Grundwasser in Teilen Niedersachsens und kann ohne ein Gegensteuern künftig auch die Trinkwasserqualität gefährden. Dies haben landesweite Messungen zwischen 2008 und 2013 ergeben, deren Ergebnisse der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Dienstag vorstellte. Trotz jahrelangen Bemühens habe sich die Grundwasserqualität nicht wirklich verbessert, sagte NLWKN-Sprecherin Herma Heyken. Gerade in den landwirtschaftlich geprägten Regionen ist das Grundwasser mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet.

An 45 Prozent der landesweiten Messstellen seien Pestizid-Rückstände und an 11 Prozent auch Wirkstoffe selber nachgewiesen worden, die dort nicht hin gehörten, teilte das NLWKN mit. Betroffen sind Anbauregionen für Rüben, Mais und Raps, vor allem das Emsland, die Grafschaft Bentheim, der Osten von der Südheide über Braunschweig bis zur Region Hannover sowie der Süden rund um Göttingen.

Zwar ergaben die Messungen, dass nur an 10 von 529 Messstellen Grenzwerte überschritten werden, die die Trinkwasserversorger zu Gegenmaßnahmen zwingen. Die bislang hohe Qualität des Trinkwassers, das aus geschützten Gewässern und Talsperren im Oberharz kommt, könne aber in Gefahr geraten, wenn es keinen Kurswechsel beim Einsatz von Pestiziden gibt, sagte Heyken.

Von "akutem Handlungsbedarf" sprach Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Selbst Spuren von Pflanzenschutzmitteln gehörten nicht ins Grundwasser. Wenzel setzt sich dafür ein, dass die Anwendung der Mittel eingeschränkt und die Zulassungspraxis durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überprüft wird.

Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland habe in den vergangen Jahrzehnten stark zugenommen, berichtete das NDR Politikmagazin "Panorama 3" (Dienstag, 21.15 Uhr) unter Berufung auf Angaben des Bundesamtes. Demnach lag der Pestizidabsatz 1993 noch bei 28 930 Tonnen. 20 Jahre später wurden 43 765 Tonnen hierzulande verkauft. Das entspricht einem Zuwachs von 51 Prozent.

Wie der Landesbauernverband erklärte, sei auch den Landwirten an sauberem Grundwasser gelegen. Wenn Rückstände gefunden würden, die die Grenzwerte überschreiten, müssten Maßnahmen ergriffen werden. Denkbar sei ein Umstieg auf ein anderes Schutzmittel. Manche moderne Pestizide bauten sich zwar gut ab, bildeten dabei aber wasserlösliche Zwischenstoffe, die im Grundwasser nachgewiesen werden könnten. Auf jeden Fall werde der Bauernverband sich die NLWKN-Ergebnisse genau anschauen, um den Landwirten Empfehlungen geben zu können. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+