Hannover Pestizide werden zunehmend zur Gefahr

Hannover. Nicht nur Tierarzneimittel, auch der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft belastet das Grundwasser in Teilen Niedersachsens und kann ohne ein Gegensteuern künftig auch die Trinkwasserqualität gefährden. Dies haben landesweite Messungen zwischen 2008 und 2013 ergeben, deren Ergebnisse der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Dienstag vorstellte.
24.06.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Nicht nur Tierarzneimittel, auch der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft belastet das Grundwasser in Teilen Niedersachsens und kann ohne ein Gegensteuern künftig auch die Trinkwasserqualität gefährden. Dies haben landesweite Messungen zwischen 2008 und 2013 ergeben, deren Ergebnisse der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Dienstag vorstellte.

Trotz jahrelangen Bemühens habe sich die Grundwasserqualität in Niedersachsen nicht wirklich verbessert, sagte NLWKN-Sprecherin Herma Heyken. Gerade in den landwirtschaftlich geprägten Regionen sei das Grundwasser mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet.

An 45 Prozent der landesweiten Messstellen seien Pestizid-Rückstände und an elf Prozent auch giftige Wirkstoffe nachgewiesen worden, die dort nicht hin gehörten, teilte der NLWKN mit. Basis der Daten sind die 1200 landesweiten Grundwassermessstellen. Betroffen sind vor allem Anbauregionen für Rüben, Mais und Raps im Emsland, in der Grafschaft Bentheim, im Osten Niedersachsens von der Südheide über Braunschweig bis hin zur Region Hannover sowie im Süden von Göttingen.

Zwar ergaben die Messungen, dass nur an zehn von 529 Messstellen die Grenzwerte überschritten werden, die die Trinkwasserversorger zu Gegenmaßnahmen zwingen. Die bislang hohe Qualität des Trinkwassers, das aus geschützten Gewässern und Talsperren im Oberharz kommt, könne aber in Gefahr geraten, wenn es keinen Kurswechsel beim Einsatz von Pestiziden gibt, sagte Heyken.

Von „akutem Handlungsbedarf“ sprach Niedersachens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Selbst Spuren von Pflanzenschutzmitteln gehörten nicht ins Grundwasser. Wenzel setzt sich dafür ein, dass die Anwendung der Mittel eingeschränkt und die Zulassungspraxis durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit überprüft wird.

Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland habe in den vergangen Jahrzehnten stark zugenommen, berichtete das NDR Politikmagazin „Panorama 3“ (Dienstag, 21.15 Uhr) unter Berufung auf Angaben des Bundesamtes. Demnach lag der Pestizidabsatz 1993 noch bei 28 930 Tonnen. 20 Jahre später wurden 43 765 Tonnen hierzulande verkauft. Das entspricht einem Zuwachs von 51 Prozent.

Wie der Landesbauernverband Landvolk in Hannover erklärte, sei auch den Landwirten an sauberem Grundwasser gelegen. Wenn Rückstände gefunden würden, die die Grenzwerte überschreiten, müssten Maßnahmen ergriffen werden. Denkbar sei ein Umstieg auf ein anderes Schutzmittel. Manche moderne Pestizide bauten sich zwar gut ab, bildeten dabei aber wasserlösliche Zwischenstoffe. Auf jeden Fall werde der Bauernverband sich die NLWKN-Ergebnisse genau anschauen, um den Landwirten Empfehlungen zu geben.

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