Verband gegen Althusmann-Pläne Philologen bangen um Gymnasien

Goslar. Die Musik ist bereits ein böses Omen. Das Blasorchester des Ratsgymnasiums Goslar spielt zur Eröffnung der Jahrestagung des Philologenverbandes Niedersachsen (PHVN) die Titelmelodie des Films "Star Wars" - Krieg der Sterne. Und prompt liefern sich die Organisation der Gymnasiallehrer und Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) heftige Scharmützel. Die Philologen verdammen die Schulstrukturpläne ihres prominenten Gastes in Bausch und Bogen.
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Von PETER MLODOCH

Goslar. Die Musik ist bereits ein böses Omen. Das Blasorchester des Ratsgymnasiums Goslar spielt zur Eröffnung der Jahrestagung des Philologenverbandes Niedersachsen (PHVN) die Titelmelodie des Films "Star Wars" - Krieg der Sterne. Und prompt liefern sich die Organisation der Gymnasiallehrer und Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) heftige Scharmützel. Die Philologen verdammen die Schulstrukturpläne ihres prominenten Gastes in Bausch und Bogen.

"Möge die Macht mit mir sein", witzelt Star-Wars-Fan Althusmann in Anlehnung an die Filmdialoge noch beim Reingehen. Im Versammlungssaal eines Goslarer Hotels ist der Empfang eisig, mehr als höflichen Applaus ringen sich die Verbandsvertreter nicht ab. PHVN-Chef Horst Audritz legt dann richtig los. "Flickenteppich", "Etikettenschwindel", "Wirrwarr" - so lauten die Attribute für Althusmanns "katastrophales Schulstrukturmodell".

In dessen Zentrum steht eine neue Oberschule, die Haupt- und Realschulen zusammenfasst und bei entsprechender Nachfrage auch einen gymnasialen Zweig anbieten kann. Das sei nicht viel anderes als eine Integrierte Gesamtschule (IGS), wettert Audritz. Ausgerechnet die CDU mache jetzt eine Schulform zur Regel, die bei allen wissenschaftlichen Leistungsvergleichen deutlich schlechter abgeschnitten habe.

Das gymnasiale Angebot sei eine Mogelpackung, Eltern würden getäuscht, erklärt der Vorsitzende des Philologenverbandes, der gut ein Drittel der 18000 niedersächsischen Gymnasiallehrer als Mitglieder führt und sich eigentlich der CDU verbunden fühlt. So gebe es an der Oberschule gar nicht die Fächerwahlmöglichkeiten wie an den klassischen Gymnasien. Trotzdem statte der Minister die Oberschulen mit zahlreichen Privilegien aus - mit kleineren Klassen etwa, mit Ganztagsangeboten, mit kurzen Schulwegen und nicht zuletzt mit geringeren Anforderungen für gleiche Abschlüsse. "Dies alles läuft hinaus auf Schülerklau mittels unlauteren Wettbewerbs", schimpft Audritz. Damit nicht genug, auch die Neugründung von Gesamtschulen werde erheblich erleichtert. Fazit: Den echten Gymnasien werde der Garaus gemacht, dem "linken Traum der Einheitsschule" dagegen der Boden bereitet.

Althusmann kontert kühl, betont die bisherige Sachlichkeit in den Gesprächen mit Audritz, mahnt aber auch Verlässlichkeit an. Grund: Direkt nach dem Schulgipfel Ende Oktober hatte der PHVN das Reformmodell noch gelobt und sich vor allem über eine "Existenzgarantie für Gymnasien" gefreut. "Umso mehr erstaunt jetzt die Kehrtwende", wundert sich der Minister. Unter dieser CDU/FDP-Landesregierung seien die Gymnasien "in keiner Weise gefährdet", versichert Althusmann und erntet deutliches Grummeln im Publikum.

Tapfer weist der Ressortchef auch die anderen Vorwürfe seiner Gastgeber zurück: Die Oberschule sei mitnichten eine Gesamtschule; schließlich gebe es dort im Gegensatz zur IGS Noten und Sitzenbleiben. Falsch sei auch, dass die Kommunen nur an günstigen Schulstandorten und nicht an Qualität interessiert seien. "Es geht nicht um Schülerklau." Kein Schulträger werde sich je gegen ein gutgehendes Gymnasium entscheiden.

Goslars SPD-Oberbürgermeister Henning Binnewies springt dem CDU-Minister bei. Trotz neuer IGS im Stadtteil Oker halte man selbstredend an den beiden, mehrere Jahrhunderte alten Gymnasien fest. "An dieser Tradition rütteln wir nicht."

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