de plattdüütsche eck Poggenpuhls

Wenn in so’n Minschenleben nich mehr veel richtig schööne or grootorrige Saken passeert, denn ruckelt sik de Minschenkopp oftins röver na dat Drömen un Höpen. Wenn dat denn fröher ook noch allens beter weer, denn kriggt dat Drömen licht ‘n wunnerlichen Dreih na achtern.
03.09.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Poggenpuhls
Von Sabine Bickmeier

Wenn in so’n Minschenleben nich mehr veel richtig schööne or grootorrige Saken passeert, denn ruckelt sik de Minschenkopp oftins röver na dat Drömen un Höpen. Wenn dat denn fröher ook noch allens beter weer, denn kriggt dat Drömen licht ‘n wunnerlichen Dreih na achtern. Keen dat maal an’n Bispill vun ‘n Familie bekieken will, kann sik den lütten Roman „Die Poggenpuhls“ vun Theodor Fontane vörnehmen.

Düsse Poggenpuhls sünd oole Aadlige, de nich mehr veel hebbt un de ehrn Stolt liekers nich över Boord smieten wüllt. De Mudder, dat is de „Frau Majorin“, leevt mit ehre dree Döchter un de oole Deenstfru Friederike mehr slecht as recht in Berlin un mutt jümmers höpen, dat jem twischendöör noch maal ‘n Daler in de Kass hüppen deit. De twee Jungs sünd bi de Soldaten un hööpt, dat se door Karriere moken köönt.

Theodor Fontane malert den Alldag vun düsse Familie (de Majors-Vadder is vör twintig Jahren in den Krieg twüschen Düütschland un Frankriek doot bleben) un vertellt, woans se twüschen Powertee un Stolt dat Stüür hollen wüllt. Mennigmaal is dat trurig, man all de Poggenpuhls un Friederike hebbt ehrn Klook un ehrn Charme.

Leo, de jüngste Jung, snackt mit siene Mudder. „Wer was hat“, seggt he, „nun ja, der kann das Leben so nehmen, wie’s wirklich ist…; wer aber nichts hat, wer immer in einer Wüste Sahara lebt, der kann ohne Fata Morgana mit Palmen und Odalisken und all dergleichen gar nicht existieren.“

Un wenn de Minsch denn jümmers neejer ran kummt an de Fata Morgana un door is gaar nix, so hett he doch ‘n Stünn lang leevt un hööpt, verklaart Leo. „Und man hat wieder Courage gekriegt und ­watet gemütlich weiter durch den Sand. Und so sind denn die Bilder, die so trügerisch und unwirklich vor uns gaukeln, doch eigentlich ein Glück.“

Un wat seggt siene Mudder doorto? „Ja, die Jugend kann das und darf es auch vielleicht. Und ich will dir noch mehr zugeben: wer immer hoffen kann, und die Hoffnung ist oft besser als die Erfüllung, der hat sein Teil Freude weg.“ Un denn sett se noch doorto: „Aber trotzdem, du hoffst zu viel und arbeitest zu wenig.“ Un bi ‘n anner Gelegenheit: „Du taugst nichts, aber du bist ein lieber Kerl.“

So snackt de powerigen Adels-Lüüd, un wi höört dat licht ruut, dat de klooke Theodor Fontane achter düt Gedanken-Hen-un-Her stickt. Allens in de Minschenwelt hett siene Grünnen, verklaart he uus, un wi dröfft nich to lichtfardig jichenswat un jichenseen bisiet schuven. Nüms is to dumm, dat wi nich wat vun em lehren köönt, schall dat woll heeten, un door schüllt wi twischendöör maal över nadenken, meent de Oole.

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