Für Flüchtlingseinsatz gewürdigt Ex-Ministerpräsident Albrecht tot

Er machte sich für Bootsflüchtlinge aus Vietnam stark und war Niedersachsens erster CDU-Regierungschef. Der frühere Ministerpräsident Ernst Albrecht ist tot. Seine Tochter Ursula von der Leyen erreichte die Nachricht von seinem Tod in Afghanistan.
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Der frühere niedersächsische CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Der Vater von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war von 1976 bis 1990 Regierungschef in Niedersachsen und litt seit Jahren an Alzheimer. Die Ministerin selbst erfuhr bei einem Truppenbesuch in Afghanistan vom Tod ihres Vaters. Nach Angaben der CDU starb Albrecht am Samstag.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den früheren Regierungschef als "Mann von großer Gestaltungskraft". Er habe sich "auf europäischer Ebene, in der Landes- und Bundespolitik und auch als erfolgreicher Unternehmer um das Wohl seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger sehr verdient gemacht", erklärte Gauck nach Angaben des Bundespräsidialamtes in einem Kondolenzschreiben an die Ministerin.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bezeichnete Albrecht als Europäer und bodenständigen Niedersachsen. "Mit Ernst Albrecht verliert Niedersachsen einen Politiker, der unser Land über annähernd eineinhalb Jahrzehnte geprägt hat", sagte Weil (SPD) am Samstagabend der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. "Unter Ernst Albrecht wurde Niedersachsen 1979 zu einem der ersten Länder im Westen, das sich bereit erklärte, vietnamesische Bootsflüchtlinge aufzunehmen." Als überzeugter Europäer habe Albrecht sich zudem bleibende Verdienste um die deutsch-polnische Aussöhnung erworben.

Albrecht habe sich vor allem für die Wirtschaft im Land aber auch für die Kultur eingesetzt. So sei auf sein Engagement unter anderem die Gründung der Stiftung Niedersachsen zurückzuführen, sagte Weil. "Ernst Albrecht war in der niedersächsischen Bevölkerung außerordentlich beliebt und angesehen, was sich nicht zuletzt bei den Landtagswahlen 1978, 1982 und 1986 ausdrückte", sagte Weil.

"Ernst Albrecht verkörperte in seiner ganz eigenen Art einerseits die typische Bodenständigkeit der Niedersachsen und gleichzeitig die Fähigkeit, in größeren Dimensionen zu denken." Albrecht habe einen festen Platz in der Landesgeschichte. "Mein Mitgefühl gilt in diesen Tagen seiner Familie", betonte der SPD-Politiker.

Auch der evangelische Landesbischof Ralf Meister würdigte den Ministerpräsidenten der Jahre 1976 bis 1990 für dessen Einsatz. "Besonders beeindruckt hat mich seine Haltung, als er 1978 den Flüchtlingen aus Vietnam zusagte, dass sie in ein Land kämen, in dem sie keine Furcht haben müssten, sondern ihr Leben neu aufbauen und eine neue Heimat finden könnten", sagte der Bischof nach Angaben eines Sprechers in Hannover. "Diese Haltung ist bis heute vorbildlich." Albrecht habe seinen christlichen Glauben persönlich gelebt, betonte Meister.

Der niedersächsische CDU-Vorsitzende und Europaabgeordnete David McAllister bezeichnete Albrecht als "starke Persönlichkeit und einen großartigen Politiker". "Er hat in seiner Amtszeit enorm viel Positives für die Menschen und für das Land erreicht", sagte McAllister nach Angaben einer Sprecherin. "Im Mittelpunkt seines Wirkens stand stets eine nachhaltige Wirtschafts- und Sozialpolitik."

In seiner Regierungszeit habe Albrecht den Wirtschaftsstandort Niedersachsen und die ländlichen Räume gestärkt, die Neuverschuldung des Landes reduziert und den landesweiten Aufbau von Sozialstationen durchgesetzt, hieß es in der Pressemitteilung der CDU weiter. 1978 habe Ernst Albrecht entschieden, dass Niedersachsen südvietnamesische Flüchtlinge von der Küste Malaysias aufnahm. Am 3. Dezember 1978 wurden die ersten 163 der sogenannten "Boat People" in das Grenzdurchgangslager Friedland gebracht.

"Wir trauern um einen wahren niedersächsischen Landesvater", teilte die CDU-Landtagsfraktion am Sonntag mit. Albrecht habe zu den profiliertesten und engagiertesten Landespolitikern mit "beachtlicher bundespolitischen Strahlkraft" gehört.

"Ernst Albrecht hat sich für Niedersachsen und die Menschen in unserem Land verdient gemacht und wertvolle Arbeit geleistet. Das findet über alle Parteigrenzen hinweg große Anerkennung", sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Johanne Modder.

(dpa)

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