Niedersachsen

Lernen mit Spiel und Spaß

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) kündigt das Ende der Maskenpflicht auf dem Schulhof und ein Ferienprogramm für Schüler an.
18.06.2021, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Lernen mit Spiel und Spaß
Von Peter Mlodoch
Lernen mit Spiel und Spaß

Will das Lernen nicht in die Sommerferien verlegen: Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ist der Meinung, dass Kinder sich gerade aufgrund der Belastungen durch die Pandemie erst einmal erholen sollen.

Julian Stratenschulte/dpa

Auf Schulhöfen in Niedersachsen müssen Jungen und Mädchen ab sofort keine Masken mehr tragen. Per Rundverfügung an die Schulen hob Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) für Außenflächen die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf. „Damit können wir wieder ein Stück Normalität in die Schulen holen“, erklärte der Ressortchef am Freitag in Hannover. „Das ist sicher auch bei den aktuellen Temperaturen eine Erleichterung für viele.“ Tonne verwies auf die sinkenden Infektionszahlen, mahnte aber gleichzeitig weiter zur Vorsicht. „Das Virus ist noch da.“ Daher bleibe der Maskenzwang auch in den Innenbereichen bestehen. Dazu zählten Flure, Treppenhäuser und Toiletten. Die bewährte Pflicht zu den regelmäßigen Corona-Selbsttests gelte ebenfalls fort.

Für die Sommerferien kündigte der Minister eine Neuauflage des Programms „LernRäume“ an. Dahinter verbergen sich zahlreiche Angebote von diversen Institutionen für Kinder und Jugendliche – Kurse, Camps, Sport und Freizeitaktivitäten. „Wir wollen Spaß und Spiel mit Bildung und Bewegung kombinieren“, sagte Tonne.  „Damit möchten wir ein bisschen Freude und Kontakte zurückgeben“, meinte der Minister. Während des Lockdowns hätten die Schüler auf vieles – vor allem auf Sozialleben und feste Strukturen - verzichten müssen. Daher stehe auch nicht das Pauken von verpasstem Lernstoff im Vordergrund, versicherte Tonne.

3,5 Millionen Euro für das Ferienprogramm

3,5 Millionen Euro stellt das Land als finanzielle Unterstützung bereit. Partner sind nicht nur die beiden großen Kirchen, die vor einem Jahr die Initiative zu den „LernRäumen“ ergriffen hatten. Landesjugendring, Jugendherbergen, Waldpädagogikzentren, Volkshochschulen und Naturschutzverbände machen mit. Die Angebote richten sich schwerpunktmäßig an die ersten acht Schuljahrgänge. Aber das Ministerium will auch Projekte vor Neunt- und Zehntklässler fördern.

Im vergangenen Jahr fanden rund 1200 solcher „LernRäume“ statt, an denen 20.000 Schüler teilgenommen haben. Dabei konnten Kinder etwa einen „Ernährungsführerschein“ ablegen oder „Ukulele für Anfänger“ lernen. Neben Natur, Sport, Kunst und Fremdsprachen beschäftigten sich die Jugendlichen auch mit moderner Informationstechnik, dabei winkte die Auszeichnung „Social Media Hero“. Spielerisch Wissen erwerben, lautet laut Tonne das Motto. „Die Kinder sollen das Lernen gar nicht als Lernen empfinden.“

FDP warnt vor großen Lerndefiziten

Für die FDP-Fraktion reicht das alles nicht aus. „Das Programm war schon im vergangenen Jahr ein nettes Freizeitangebot für die Kinder, mit dem Aufholen von Lernrückständen hat es aber wenig zu tun“, kritisierte Fraktionsvize Björn Försterling. „Nach vielen Wochen und teilweise Monaten im Lockdown dürfen wir jetzt eigentlich keine Zeit mehr verlieren, um die Defizite genau zu erkennen und zu beheben.“ Damit erst im Herbst anzufangen, sei viel zu spät. „Minister Tonne lässt die gesamten Sommerferien als Möglichkeit zum freiwilligen Lernen einfach liegen.“ Im kommenden Schuljahr drohe dann ein enormes Arbeitspensum für alle Betroffenen, warnte der FDP-Abgeordnete.

Mehr Schwimmkurse in Ganztagsschulen

Der Minister wies derartige Rufe nach einer „Sommerschule“ zurück. „Die Schüler brauchen nach diesem besonderen Schuljahr gerade jetzt ihre Ferien und nicht etwas sechs Wochen harten Mathe-Nachhilfe-Unterricht“; betonte Tonne. „Sie sollen den Sommer genießen.“ Die Unterstützung zum Aufholen von Lern- und Wissensdefizite würde dann individuell im Rahmen des neuen Schuljahrs gelöst. Dass allerdings nicht alle ausgefallenen Klassenfahrten oder Schwimmkurse nachgeholt werden könnten, sei ebenso klar, gab der Ressortchef zu. „Es ist nicht möglich, alles das, was in diesem Schuljahr gestrichen wurde, einfach im nächsten zusätzlich draufzupacken.“ Das ist nicht leistbar. Gleichwohl werde man sich bemühen, Schwimmkurse etwa im Rahmen der Ganztagsbetreuung auszubauen. Daneben brauche es allerdings auch außerschulische Angebote in diesem Bereich. „Das muss eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung sein.“

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