Insgesamt acht Gläubiger stellen Forderungen / Potenzielle Konkurrenz bugsiert sich mit Schiffsneubauten in den Vordergrund Reederei Elb-Link droht Schlagseite

Cuxhaven. Unruhiges Fahrwasser, in dem sich die beiden Flussfähren der Elb-Link-Reederei bewegen. Erst waren es vier Gläubiger, die das Unternehmen per Haftandrohung zur Offenlegung seiner Vermögenssituation zwingen, mittlerweile liegen dem Amtsgericht Cuxhaven Anträge weiterer Gläubiger vor.
10.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Reederei Elb-Link droht Schlagseite
Von Justus Randt

Cuxhaven. Unruhiges Fahrwasser, in dem sich die beiden Flussfähren der Elb-Link-Reederei bewegen. Erst waren es vier Gläubiger, die das Unternehmen per Haftandrohung zur Offenlegung seiner Vermögenssituation zwingen, mittlerweile liegen dem Amtsgericht Cuxhaven Anträge weiterer Gläubiger vor. „Insgesamt sind es acht Gläubiger mit Forderungen gegen das Unternehmen“, bestätigte Amtsgerichtsdirektor Andreas Frank. Über das Volumen der Forderungen äußert sich Frank nicht, es handle sich um nichtöffentliche Verfahren. Während Christian Schulz, der Geschäftsführer der Elb-Link-GmbH, Verbindlichkeiten als „normal“ bezeichnet, ermittelt die Staatsanwaltschaft Stade wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.

Jetzt, wo die Wellen hochschlagen, meldet sich auch Jürgen Grzeskowiak, zu Wort. Der Ingenieur aus der Schifffahrtsbranche zählt zu den Skeptikern der ersten Stunde, was den Betrieb der beiden 98 Meter langen Fähren „Anne-Marie“ und „Grete“ ­angeht. „Die Schiffe sind einfach zu groß“, hatte Grzeskowiak immer wieder gewarnt.

Er selbst hatte vor drei Jahren gemeinsam mit einem Bremer Partner versucht, ins Fähr-Geschäft zu kommen, aber keinen Investor für die bereits konzipierten Schiffe gefunden. Diese Pläne werden gegenwärtig überarbeitet. „In drei, vier Wochen sind die Fähren im Entwurf fertiggestellt“, kündigt der Ingenieur an. Dann könnten Gespräche mit Werften über Kostenvoranschläge aufgenommen werden. Bislang werde von circa 20 Millionen Euro Baukosten für jedes der beiden 70-Meter-Schiffe mit Diesel/Gas (LNG)-Hybridantrieb veranschlagt.

Schon Anfang des Jahres hatte Jürgen Grzeskowiak von einem Investor gesprochen, der mittlerweile gefunden sei, ein ­Betreiber hingegen werde noch gesucht. „Vielleicht sprechen wir Elb-Link noch mal an, ob die mit kleineren Fähren arbeiten würden“, sagt Grzeskowiak. Seine ­Prognose zum laufenden Betrieb hatte im Januar gelautet: „Ende des Jahres ist Schluss.“

Elb-Link-Betriebsleiter Bernd Bässmann hatte auf die Unkenrufe erwidert: Grzeskowiaks Idee, die Linie mit Schiffsneubauten zu betreiben, sei ein „Traum“ gewesen, „die hätten sich in 25 Jahren nicht amortisiert“. Die baugleichen Doppelend-Fährschiffe, die auf der Linie in Betrieb sind, wurden 2010 gebaut und waren zuvor in Estland eingesetzt.

Seit „Anne-Marie“ und „Grete“ den Pendelbetrieb zwischen dem Cuxhavener Steubenhöft und Brunsbüttel aufgenommen ­haben, hat Grzeskowiak Aufzeichnungen angefertigt, nach eigenem Bekunden 5400 bis heute, mit denen er belegen will, dass die großen Schiffe unwirtschaftlich seien. Der Ingenieur hat als früherer technischer Berater des vorherigen Fährbetreibers, der Harms Elbe Ferry, schlechte Erfahrungen mit großen Pötten. Harms stellte den Betrieb 2011 nach nur zwei Jahren wieder ein. Bis 2015 wurde die Linie nicht betrieben. Im Januar war er zu dem Schluss gekommen, die Elb-Link-Schiffe seien nur zu rund zwölf ­Prozent ausgelastet, die Betreiber räumten ein, dass es noch Luft nach oben gebe, man jedoch „über dem Plan“ liege.

Neuere, unter Berufung auf die Reederei veröffentlichte Zahlen belegen nicht ­gerade den großen Durchbruch. Dennoch spricht Geschäftsführer Christian Schulz von „massiv“ erhöhten Transportraten. „Die Auslastung liegt im Moment kapazitätsmäßig bei mehr als 50 Prozent“, sagte er. „Das ist deutlich über der kostenmäßigen Grenze von 33,7 Prozent.“ So positiv seien die ­Geschäfte der Elb-Link GmbH, einer Tochter der estnischen Saaremaa Shipping Company, nicht immer gelaufen. „Aber die Prognose ist gut.“ Immerhin: Zur feierlichen Eröffnung der Fährverbindung hatte Reeder Vjatjeslav Leedo verkündet: „Wir wollen Geld verdienen.“

Jürgen Grzeskowiak hat ausgerechnet, „Anne-Marie“ und „Grete“ würden jährlich rund 1,5 Millionen Euro Minus einfahren. Die Schiffe seien ihrer Größe wegen unrentabel, weil sie zu viel Besatzung brauchten und zu hohe Betriebskosten verursachten. Vom dritten Elb-Link-Schwesterschiff, das im Herbst eingesetzt werden und den Pendeltakt verdichten sollte, ist derzeit jedenfalls keine Rede mehr bei der Reederei.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+