Neues Verkehrskonzept Regio-S-Bahn nimmt Betrieb auf

Hannover. Am 12. Dezember startet die Osnabrücker Nordwestbahn (NWB) den Regio-S-Bahn-Verkehr mit zunächst einmal drei neuen Linien. Für das neue Netzkonzept gab es einige Vorschusslorbeeren. Es regt sich aber durchaus auch Kritik
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Von Justus Randt

Hannover. Am 12. Dezember startet die Osnabrücker Nordwestbahn (NWB) den Regio-S-Bahn-Verkehr mit zunächst einmal drei neuen Linien. Für das neue Netzkonzept gab es einige Vorschusslorbeeren. Es regt sich aber durchaus auch Kritik

Am 12. Dezember startet die Osnabrücker Nordwestbahn (NWB) den Regio-S-Bahn-Verkehr. Zunächst verbinden drei Linien Bremen und Bremerhaven mit Twistringen, Oldenburg, Bad Zwischenahn und Nordenham. Ein Jahr später sollen der Bremer Norden und Verden das mit viel Vorschusslorbeeren, aber auch einiger Kritik bedachte Netzkonzept komplettieren. Auch auf der von der Uelzener Metronom-Gesellschaft bedienten Linie Bremen-Hamburg wird zum Fahrplanwechsel Neues auf die Schiene gebracht.

Auf der Strecke von Bremen über Rotenburg nach Hamburg wird ein sogenanntes zweites Taktsystem eingeführt. Das bedeutet, neben den gewohnten Bahnhöfen sind künftig auch Scheeßel und Lauenbrück Haltestellen für den Metronom auf einer langsamer getakteten Linie. Was beim Metronom Programm ist, stößt bei der Regio-S-Bahn eher auf Kritik. In einer Leserzuschrift an diese Zeitung hieß es, die NWB habe die Regio-S-Bahn-Linie RS2 von Bremerhaven nach Twistringen "gut verkauft". 20 Halte auf der Strecke kosteten aber Zeit. Den Bahnkunden werde durch den Begriff Regio-S-Bahn eine dichtere Zugfolge vorgegaukelt. Dabei verkehrten die S-Bahnen im Stundentakt - wie bisher die Regionalbahnen der Deutschen Bahn AG.

Auf dieser Linie entfällt außerdem künftig ein Frühzug, der bislang in Stubben (5.16 Uhr), Lübberstedt (5.22) und Oldenbüttel (5.28) hält. Die DB wird auf der Strecke eine neue Regionalexpress-Linie schaffen - zumindest mit Halt in Osterholz-Scharmbeck. In der Gemeinde Ganderkesee hingegen bleibt alles beim Alten - auch wenn mancher sich eine Veränderung gewünscht hätte: Die RS4 hält auf ihrem Weg nach Nordenham nicht - auch nicht in Heidkrug - in der Gemeinde. Lediglich die RS3 von Bremen über Oldenburg nach Bad Zwischenahn stoppt tagsüber stündlich in Hoykenkamp, Bookholzberg und Schierbrok.

Ja, es stimme, räumt Nordwestbahn-Sprecherin Katrin Hofmann ein: "Weitestgehend bleibt es beim stündlichen Takt, wie bei den bisherigen Regionalzügen." Zumindest im ersten Betriebsjahr - und bis Mitte Dezember 2011 auch die RS1 den Verkehr zwischen Bremen-Farge und Verden aufnimmt: Dort könne sogar ein Viertelstundentakt erreicht werden.

Ohne Umsteigen nach Oldenburg

Was aber wird jetzt, ab dem 12. Dezember, besser für die Kunden? "Das ganze Regio-S-Bahn-System als 'Bremer Stern' ist eine Verbesserung", sagt Katrin Hofmann, "schon wegen der neuen Fahrzeuge und der vereinheitlichten Taktung." Zudem sei die Distanz Nordenham-Bremen "sechs Prozent schneller" zu überwinden als bisher. Die Fahrt von und nach Bad Zwischenahn sei künftig immerhin ohne Umsteigen in Oldenburg möglich.

Der Fahrgastbeirat des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN) hatte bereits im Sommer aufgelistet, was es aus seiner Sicht zu monieren gibt: In den Zügen sind keine Fahrkartenautomaten und -entwerter vorgesehen, von Erster-Klasse-Abteilen sei keine Rede, und eine Zugbegleitung sei lediglich in 40 Prozent der S-Bahnen vorgeschrieben. Rainer Peters, Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), hält diese Quote sogar für höher als üblich im Zugverkehr. Das Sicherheitsgefühl der Regio-S-Bahn-Passagiere liegt Katrin Hofmann von der NWB selbstverständlich am Herzen: "Die Fahrzeuge sind videoüberwacht, ab 21 Uhr werden die Züge zu 100 Prozent begleitet", sagt sie. "Und es gibt Sprechtasten im Einstiegsbereich, über die man Kontakt mit dem Triebfahrzeugführer aufnehmen kann."

Vieles ist im Vorfeld diskutiert worden, wann immer Details auf den Tisch kamen: Die Schiebetritte an den Türen, mit deren Hilfe die noch immer weit verbreiteten Kluften an modernisierungsbedürftigen Bahnsteigen überbrückt werden können, sorgten für Kritik - an der Deutschen Bahn, die ihre Bahnhöfe verkommen lasse. Auch die rollstuhlgerechten Toiletten riefen Skeptiker auf den Plan: Nur ein Klo - was, wenn das defekt ist? Die 297 Sitzplätze könnten knapp werden, die DB führe gegenwärtig in Stoßzeiten mit 600 Plätzen.Nicht mehr lange, und die Bewährungsphase beginnt.

Die LNVG, die im Auftrag des Landes Niedersachsen das weite Feld des öffentlichen Verkehrsangebots bestellt, ist daran gewöhnt, pünktlich zum Fahrplanwechsel gescholten zu werden. "Wir haben aber nicht mehr zu hören bekommen als in früheren Jahren", sagt Rainer Peters, "das hält sich wie immer in Grenzen. Dabei bekommen wir gerade von Eisenbahnkennern sehr konstruktive Kritik."

Harsche Kritik

Ob der Diepholzer Landrat Gerd Stötzel nun ein ausgemachter Bahnkenner ist, sei dahingestellt, seine Kritik jedenfalls ist harsch: Vier Wochen vor dem Fahrplanwechsel hat er der LNVG geschrieben, dass es so schlicht nicht gehe. Bislang sei keine Antwort gekommen, sagt sein Erster Kreisrat Wolfram van Lessen. Der hat sich noch einmal genau angesehen, was die LNVG bei der jährlichen Fahrplankonferenz mit dem Kreis vorgestellt hat. "Schon um sicher zu gehen, dass bei uns niemand gepennt hat - hat auch niemand." Im März sei keine Rede von gekappten Früh- und Spätverbindungen auf der Linie RS2 gewesen. "Das ist einfach nicht kommuniziert worden."

Mit Bekanntwerden des Fahrplans sprach sich schnell herum, dass die künftig morgens aus Bremen Richtung Twistringen fahrende Regio-S-Bahn im neuen Takt den Bahnhof Syke so spät erreicht, dass Schüler und Lehrer der Berufsbildenden Schulen auf eine andere, deutlich frühere Verbindung umsteigen müssen. Das sorgt richtig für Ärger. Auch bei Rainer Peters von der LNVG: "Was hat denn der Landkreisvertreter bei der Fahrplankonferenz gemacht? Er hat nicht die Hand gehoben und gesagt, dass da ein Problem entsteht."

Peters geht davon aus, dass von diesem Problem letztlich jeweils eine Handvoll Fahrgäste betroffen sei, die in Dreye und Barrien zusteige. "Wir können nicht für ein paar Leute den Plan ändern. Jetzt müssen wir erst mal sehen, wie sich das auswirkt und ob der Unmut groß ist." Wäre er das und ließe es der Verkehr auf der Trasse zu, könne über eine Fahrplanänderung zumindest nachgedacht werden, sagt Peters - "möglicherweise im Frühjahr".

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