Ölunfall Etzel

Reinigung dauert Wochen

Etzel. Vier Tage nach dem Öl-Unfall in der Kavernenanlage im friesischen Etzel ist der Ölfluss offenbar eingedämmt. Allerdings wurde auch in der Nacht zu Donnerstag noch eine der zahlreichen rund um die Uhr überwachten Ölsperren weiter verstärkt.
22.11.2013, 06:00
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Von Martin Wein
Reinigung dauert Wochen

Angehörige des Technischen Hilfswerks saugten gestern den dicken Ölfilm von der Wasseroberfläche des Friedeburger Tiefs.

INGO WAGNER, dpa

Vier Tage nach dem Öl-Unfall in der Kavernenanlage im friesischen Etzel ist der Ölfluss offenbar eingedämmt. Allerdings wurde auch in der Nacht zu Donnerstag noch eine der zahlreichen rund um die Uhr überwachten Ölsperren weiter verstärkt.

Donnerstagvormittag wurden dann die Sieltore in den Außendeichen geöffnet. Mit dem ablaufenden Wasser soll der Ölfilm auf den betroffenen Fließgewässern in die Ölsperren treiben und dort abgesaugt werden. Eine neu entdeckte Ansammlung besonders dicker Ölplacken wurde von Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks von Pontons aus mit Saugeinrichtungen und Tanks entfernt.

Wie die Einsatzleitung mitteilte, sollen als nächster Schritt ölverschmierte Sträucher und Gehölze aus dem zehn Kilometer langen betroffenen Uferbereich abgeholzt werden. Erst danach könne entschieden werden, wie viel Erdreich an den Uferböschungen ausgehoben werden muss. Experten gehen davon aus, dass diese Arbeiten noch Wochen in Anspruch nehmen werden.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), in dessen Wahlkreis die Kavernen-Anlage liegt, will am Sonnabend die Aufräumarbeiten besichtigen. In Lies‘ Geschäftsbereich fällt mit dem Landesbergamt auch die zuständige Aufsichtsbehörde. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) schickt heute bereits seine Staatssekretärin Almut Kottwitz. In Hannover äußerte Wenzel gestern Kritik an der späten Schadensmeldung und der unzureichenden Information der Öffentlichkeit durch den Betreiber. Dadurch sei wertvolle Zeit verloren gegangen. „Es bleiben viele Fragen zur Ursache des Unfalls und den technischen Standards der Anlage“, sagte der Minister.

Derweil hat der pensionierte Biologe Burkhard Schäfer vom NABU in dem Gebiet die ersten drei verölten Schwäne und einen Silberreiher gesichtet. „Tatsächlich dürfte diese Katastrophe weitaus mehr Tiere betreffen“, sagte Schäfer. Enten, die zu Dutzenden die betroffenen Gewässer bevölkern, würden sich nach einer Verölung eher im Unterholz verstecken. Verendete Fische, Muscheln und Schnecken dürften erst später auftauchen. „Dabei haben wir Riesenglück gehabt, dass es nicht stark geregnet hat, was zu dieser Zeit üblich wäre“, sagt, Schäfer. In dem Fall, so der Experte, wären die verölten Fließgewässer übergelaufen. Entweder wäre damit auch das umliegende Grünland großflächig verölt worden oder das Wasser wäre über die Schöpfwerke in die Nordsee gepumpt worden.

Der BUND fordert für die Zukunft eine strengere Kontrolle der Aufsichtsbehörden. „Die niedersächsische Regierung muss nun alle Kavernen, Öltanks und Ölterminals nochmals auf den Prüfstand stellen, um sicherzustellen, dass das Wattenmeer tatsächlich ausreichend geschützt ist“, fordert die Meeresschutz-Beauftragte der Organisation, Nadja Ziebarth. Es sei falsch, dass die Kavernen vor ihrer Inbetriebnahme 2012 keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen worden seien.

Für die Beseitigung der Schäden wird die Versicherung der Betreiberfirma IVG Caverns geradestehen. Biologe Schäfer fordert eine weitergehende Kompensation. Für jeden Eingriff in die Natur müsse ein Ausgleich erfolgen. „Das ist geltendes EU-Recht. Und wenn dieser Unfall kein Eingriff in die Natur war, dann verdient das Umweltrecht seinen Namen nicht.“

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