Hannover

Retter der letzten deutschen Holz-Radrennbahn

Hannover : Jürgen Apel ist ein Held der Radsportszene. Seit 16 Jahren pflegt der Rentner die 50 Jahre alte Holz-Radrennbahn in Hannover und bewahrt sie vor dem Verfall.
21.07.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von ANDREA BRACK
Retter der letzten deutschen Holz-Radrennbahn

Jürgen Apel kümmert sich um den Erhalt der 50 Jahre alten Radrennbahn.

Holger Hollemann, dpa

: Jürgen Apel ist ein Held der Radsportszene. Seit 16 Jahren pflegt der Rentner die 50 Jahre alte Holz-Radrennbahn in Hannover und bewahrt sie vor dem Verfall. „Heute ist sie – achten Sie auf meine Worte – die älteste noch befahrbare Freiluft-Holz-Radrennbahn der Welt“, sagt der 78-Jährige. Jürgen Apel ist stolz. Ohne ihn gäbe es die einst schnellste Radrennbahn ihrer Art heute nicht mehr.

Die Leidenschaft für den Radsport entdeckte Jürgen Apel mit 13 Jahren, als er sein erstes Rennen fuhr. Der gelernte Spielwarenkaufmann aus Hemmingen ist seit der Eröffnung der Holz-Radrennbahn vor

50 Jahren dabei. Nach der Rente konnte er sich in Vollzeit um die Bahn kümmern. „Da habe ich gesehen, was hier los war“, sagt der drahtige Mann mit den weißen Haaren. Das hochwertige afrikanische Hartholz war grau und verwittert, die Bahn zu unrund und kaum noch befahrbar.

2500 Meter Holz baut Jürgen Apel jedes Jahr in Eigenarbeit ein. Er schraubt die morschen Latten ab, sägt neue zu und setzt sie wieder ein. Stück für Stück. „Ich merke schon an den Füßen, wo was kaputt ist“, sagt der Rentner. Die Mittel reichen nicht für einen Handwerker, und auch das afrikanische Holz Afzelia musste der günstigeren Sibirischen Lärche weichen. Bei seinen Reparaturarbeiten klettert Jürgen Apel schon mal auf die Leiter und hantiert in der Höhe mit den langen Holzlatten. Die Bahn ist bekannt für ihre steilen Kurven mit einer Neigung von bis zu 49 Grad. „Da oben, das habe ich gestern alles zugemacht, das ist ne Sau-Arbeit“, sagt der 78-Jährige. „Ich bin abends immer kaputt, da kriege ich immer Ärger mit meiner Frau, aber einer muss es ja machen.“

Mittwochabends gibt es Trainingsrennen auf der Bahn, sonntags ist „Jedermann-Fahren“. Doch die Fahrer kommen immer seltener: Der Nachwuchs übt in den neueren überdachten Bahnen. An ein Aus seiner Rennbahn denkt Apel nicht. Die Bahn ist ein Relikt aus alten Zeiten, die letzte Freiluft-Radrennbahn aus Holz in Deutschland. „Wir haben im August das bisher größte Ereignis hier. Bis dahin ist noch viel Arbeit“. Die Europäische Derny-Meisterschaft ist Apels persönlicher Höhepunkt. Bei diesen Rennen fahren die Radprofis

im Windschatten von leichten Motorrädern, den Dernys, und können Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometer pro Stunde erreichen.

Wie sehr die Zukunft der Bahn von dem Einsatz des 78-Jährigen abhängt, wissen auch Udo Springer, Vizepräsident Vertragssport, und Klaus Tast, Koordinator für Bahnrennsport vom Bund Deutscher Radfahrer. Sie kennen Apel seit Jahren. „Nur ein Radsportverrückter könnte ihn ersetzen“, sagt Springer, der früher selbst auf der Holzbahn gefahren ist. „Ohne sein Engagement sieht es schlecht aus für die Bahn“, betont Tast.

Mit 80 möchte Jürgen Apel aufhören. „Das habe ich meiner Frau versprochen“, sagt er. Bis dahin sind es noch zwei Jahre, und Apel lassen die Gedanken an die alte Radrennbahn nicht los. „Für 2017 habe ich wieder was Großes in Planung.“ Abschiedsstimmung will bei dem Mann noch nicht aufkommen.

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