CDU fordert sofortiges Verbot von Mikroplastik in Kosmetik / Umweltministerium verweist auf Kampagnen Riskante Teilchen in Pullis und Peelings

Hannover. Plastikpartikel in Hautcremes? „Manche nennen es Peeling, ich nenne es Umweltverschmutzung“, schimpft Niedersachsens CDU-Fraktionschef Björn Thümler und fordert ein sofortiges Verbot von feinen Kunststoffteilchen in Kosmetikprodukten. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) setzt sich ebenfalls für einen verordneten Stopp der Plastik-Granulate ein, verweist dazu allerdings auf die europäische Ebene.
30.05.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Mlodoch

Plastikpartikel in Hautcremes? „Manche nennen es Peeling, ich nenne es Umweltverschmutzung“, schimpft Niedersachsens CDU-Fraktionschef Björn Thümler und fordert ein sofortiges Verbot von feinen Kunststoffteilchen in Kosmetikprodukten. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) setzt sich ebenfalls für einen verordneten Stopp der Plastik-Granulate ein, verweist dazu allerdings auf die europäische Ebene. Die kleinen Plastikteilchen finden sich in Gesichts- und Körperlotionen sowie in Zahnpasten. Die festen Partikel sollen starke Verschmutzungen auflösen helfen und so die Reinigungswirkung verbessern.

„Mikroplastik ist für die meisten Kläranlagen zu klein und gelangt in den Wasserkreislauf“, warnt Thümler. Dann gerate das Zeugs ins Meer, werde von den Organismen dort gefressen und lande über den Verzehr von Meerestieren möglicherweise in den Mägen der Menschen, in deren Körper es dann anreichere. „Das kann zu Krankheiten führen.“ Mit einem Antrag für die kommende Landtagsitzung will die CDU nun die rot-grüne Landesregierung dazu bewegen, sich ebenfalls für ein Verbot einzusetzen. „Bloße Appelle helfen nichts“, meint Fraktionschef Thümler. Allerdings solle man die produzierenden Unternehmen bei der Entwicklung von praktikablen Alternativen unterstützen.

Die CDU springe mit ihrem Antrag lediglich auf einen fahrenden Zug auf, sagt das Umweltministerium in Hannover dazu. Das Meer sei ein extrem wichtiger Lebensraum. Plastikmüll erweise sich zunehmend als Gefahr für Gewässer, für Vögel, Meeressäuger und auch die Menschen. Das Land Niedersachsen habe sich aber längst auf diversen Ebenen des Problems angenommen. Gemeinsam mit anderen Ländern habe man etwa an den Bund appelliert, sich in Brüssel für ein Verbot einzusetzen, „sofern nicht zeitnah ein freiwilliger Ausstieg der Industrie erfolgt“.

Das veränderte Verbraucherverhalten habe schon bewirkt, dass einige Hersteller auf den Einsatz von Mikroplastik in ihren Produkten verzichten, betont Ressortchef Wenzel. „Um die Meereswelt effektiv zu schützen, muss es aber ein deutliches Signal auch auf europäischer Ebene geben“, erklärt der Minister im Gespräch mit dem WESER-KURIER. „Die Verwendung ungebundener Mikroplastikpartikel etwa in Reinigungsmitteln oder Körperpflegeprodukten gehört verboten.“ Daneben müsse man die Aufklärung über die Gefahren dieses Mülls verstärken.

Das Umweltministerium verweist zudem auf Forschungsvorhaben zum Müllmonitoring, spezielle Abfalluntersuchungen an den Stränden der ostfriesischen Inseln Juist und Baltrum sowie auf Pilotprojekte wie „Fishing for Litter – Kein Müll ins Meer“. Gemeinsam mit dem Naturschutzbund NABU arbeite die Landesregierung mit Fischern zusammen, um den Müll, der sich in deren Netzen verfängt, dauerhaft aus der Nordsee zu entfernen. Am 25. Juni veranstaltet der Landesbetrieb für Wasser- wirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Elsfleth ein Symposium über „Mikroplastik in Gewässern und den Handlungsbedarf in Niedersachsen“.

Für CDU-Fraktionschef Björn Thümler ist das alles zu unverbindlich. Rot-Grün richte das Augenmerk zudem mehr auf die Folgen als auf die Ursachen, sagt er. Für eine schnelle Wirkung helfe nur ein sofortiges Verbot. „Wir wollen das Zeug erst gar nicht drin haben“, so Thümler. Mikroplastik in Kosmetik sei unnötig; ein Verzicht spare außerdem Ressourcen, nämlich den Rohstoff Erdöl.

In ihrem Landtagsantrag weist die Union noch auf ein anderes Problem hin: Plastikeinträge durch Fleecestoff. Diese sorgten zwar dafür, dass daraus hergestellte Kleidungsstücke beim Waschen schön flauschig blieben. „Aber eigentlich ist es eine Sauerei“, meint Thümler und appellierte an die Verbraucher, vielleicht an dieser Stelle ebenfalls umzudenken. Um warm zu bleiben, hätten doch früher auch Wollpullis oder Wolldecken gereicht. „Die mögen zwar kratzen, aber da weiß man wenigstens, dass es ein Naturprodukt ist.“

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