Hamburg Robin Wood stoppt Uran-Transport im Hamburger Hafen

Hamburg. Mit einer Gleisblockade hat die Umweltorganisation Robin Wood in der Nacht zu Dienstag im Hamburger Hafen einen Uran-Transport gestoppt. Rund ein Dutzend Aktivisten setzten sich auf die Schienen, andere kletterten auf Bäume, spannten Seile über die Gleise und entrollten Transparente.
12.11.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Reimar Paul

Mit einer Gleisblockade hat die Umweltorganisation Robin Wood in der Nacht zu Dienstag im Hamburger Hafen einen Uran-Transport gestoppt. Rund ein Dutzend Aktivisten setzten sich auf die Schienen, andere kletterten auf Bäume, spannten Seile über die Gleise und entrollten Transparente. Sie haben den Zug so fast acht Stunden lang aufgehalten.

Die Umweltschützer forderten Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) auf, die Transporte von radioaktivem Material durch das Stadtgebiet zu verbieten und den Hafen für solche Frachten zu sperren. Die beteiligten Hamburger Firmen, die Reederei MACS und dem Umschlagbetrieb C. Steinweg, müssten „ihr schmutziges Geschäft mit Uran beenden“, sagte Robin Wood-Atomexperte Tobias Darge. Beide Unternehmen äußerten sich gestern nicht zu dem Transport. Kurz vor ein Uhr am Dienstagmorgen führten Beamte die beiden letzten Demonstranten ab. Die Polizei nahm insgesamt acht Menschen in Gewahrsam, ließ sie nach Feststellung der Personalien allerdings später wieder frei. Ob Verfahren gegen sie eingeleitet werden, war zunächst unklar.

Die Fracht des Zuges besteht aus 15 Containern mit Uranerzkonzentrat, sogenanntem „Yellow Cake“. Es stammt aus Kasachstan und soll ins südfranzösische Malvési bei Lyon befördert werden. Dort wird es in einer Konversionsanlage zu Uranhexafluorid umgewandelt und dann zu einer Urananreicherungsanlage weitertransportiert – möglicherweise zurück ins westfälische Gronau.

Nach Recherchen von Robin Wood war das Schiff „Sheksna“ mit dem Urankonzentrat an Bord am vergangenen Donnerstag im Hamburger Hafen angekommen. Es legte im Steinwerder Hafen am Terminal der Speditionsfirma C. Steinweg an. Die „Sheksna“ im Besitz der Reederei MACS war aus dem russischen St. Petersburg gekommen.

Kasachstan hat seine Uranfördermenge von rund 5000 Tonnen im Jahr 2006 auf knapp 23 000 Tonnen im Jahr 2013 mehr als vervierfacht. Das Land erhöhte damit seinen Weltmarktanteil auf 38 Prozent und ist inzwischen der weltweit wichtigste Uranproduzent. Der Uranabbau sowie der gesamte Nuklearkomplex unterstehen dem kasachischen Atomministerium und dem staatseigenen Bergbaukonzern Kazatomprom.

Gefördert wird das Uran dort mit einer Art Fracking: Dabei werden große Mengen Schwefelsäure in den Untergrund gespritzt, um das Uran aus dem Sandstein zu lösen. Nach einigen Monaten wird die Lösung aus dem Untergrund abgesaugt und das darin enthaltene Uran dann verarbeitet. Das Verfahren beeinträchtigt das Grundwasser, die Langzeitfolgen sind ungewiss.

Nach den Statistiken der Genehmigungsbehörden, die allerdings den Straßentransport nicht komplett erfassen, sind in Deutschland im Schnitt täglich knapp zwei Atomtransporte unterwegs. Allein durch Hamburg gingen fast jeden zweiten Tag Lieferungen von radioaktivem Material.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erlaubte 2013 genau 423 Transporte von Kernbrennstoffen. Das Eisenbahnbundesamt (EBA) genehmigte 132 Fuhren von radioaktivem Material, das noch kein Brennstoff ist. Zu diesen „sonstigen“ radioaktiven Stoffen zählt auch „Yellow Cake“.

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