Polizei kontrolliert "Red Devils" - und entdeckt Neonazis Rocker mit rechter Gesinnung in Niedersachsen

Hannover·Salzwedel. Im sachsen-anhaltinischen Salzwedel, nur wenige Kilometer hinter der Landesgrenze mit Niedersachsen, kontrollierten Polizisten am Wochenende "Red Devils" - und entdeckten unter ihnen Neonazis. Offenbar waren sie auf dem Weg zu konkurrierenden Bikern, um diese anzugreifen.
11.05.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Mario Assmann

Hannover·Salzwedel. Im sachsen-anhaltinischen Salzwedel, nur wenige Kilometer hinter der Landesgrenze mit Niedersachsen, kontrollierten Polizisten am Wochenende "Red Devils" - und entdeckten unter ihnen Neonazis. Offenbar waren sie auf dem Weg zu konkurrierenden Bikern, um diese anzugreifen, so die Befürchtung der Polizei.

Keine zwei Wochen ist es her, da ließen es Rocker und Rechte krachen: In einem niedersächsischen Clubhaus der Motorradgang "Red Devils" feierten sie die jüngste CD-Veröffentlichung der Hooligan-Band "Kategorie C" aus Bremen. Dass Rocker und Rechte nicht nur gemeinsam feiern, sondern im Türsteher- und Rotlichtmilieu auch zusammenarbeiteten, hatte bereits zuvor ein Szeneaussteiger dieser Zeitung berichtet. Nun hat sich erneut gezeigt, dass die beiden Gruppierungen gemeinsame Sache machen. Für das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt ist der Vorfall ein weiteres Indiz - dafür, wie Rockerclubs "Befehlsebenen und hierarchische Strukturen der rechtsextremistischen Szene für kriminelle Zwecke nutzen"; dafür, dass Beteuerungen von Motorradgangs, man habe mit Neonazis nichts zu tun, nichts als Lippenbekenntnisse sind. Tatsächlich sind auch in Niedersachsen zahlreiche Verbindungen zwischen Rechten und Rockern zu beobachten. Szenekenner nennen in diesem Zusammenhang vor allem die "Red Devils"-Ortsvereine Wolfenbüttel und Helmstedt. Aber auch bei den "Roten Teufel" in Stadthagen, Gastgeber für die Hooligan-Band "Kategorie C" und ihre aus ganz Norddeutschland angereisten Fans, sollen sich Rechte regelmäßig blicken lassen. Und 2008 deckte der WESER-KURIER auf, dass sich bei den "Hell's Angels", die von den "Red Devils" unterstützt werden, mutmaßliche Rechtsextremisten tummeln.

Darüber hinaus scheint der Vorfall in Salzwedel ein zusätzlicher Hinweis darauf zu sein, dass der im vergangenen Jahr verkündete "Rockerfrieden" landauf, landab bröckelt. Denn die Salzwedeler "Red Devils" sollen auf der Fahrt zu einem konkurrierenden Club gewesen sein, der an diesem Tag "Bandidos" zu Gast hatte. "Red Devils" und "Bandidos" jedoch gelten als verfeindet; ein Angriff sei zu befürchten gewesen, so die Polizei. In Bremen prügelten sich nahezu zeitgleich "Hell's Angels" und "Mongols", in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) gingen "Hell's Angels" und "Bandidos" mit Knüppeln bewaffnet aufeinander los.

Oldenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau erklärte erst im April: "Wir steuern auf eine Entwicklung zu, die sehr gefährlich werden könnte." Dabei hatte er insbesondere die "Red Devils" und den "Gremium MC" im Blick. Letzterer zählt zu den vier bundesweit größten Rockerclubs und sieht sich laut Ermittlern zunehmender Konkurrenz durch die "Roten Teufel", die immer neue Ableger gründeten, gegenüber. Die Folgen sind kaum absehbar. Zumal dabei auch die Rocker-Ausschreitungen in Bremen eine Rolle spielen könnten. Jedenfalls sagte ein Bremer "Hell's Angel" dieser Zeitung, seiner Ansicht nach habe der "Gremium MC" die "Mongols" aufgestachelt.

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