Inspekteure finden 26 beschädigte Behälter in dem Lager für radioaktiven Müll

Rostige Fässer in Gorleben

Gorleben. Gut ein Jahr vor der geplanten Räumung des Abfalllagers Gorleben hat eine Inspektion ergeben, dass von den 1309 Fässern mit radioaktivem Müll 26 angerostet oder anderweitig beschädigt waren. Dies geht aus einer Antwort des niedersächsischen Umweltministeriums auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Miriam Staudte (Grüne) hervor.
25.04.2018, 00:00
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Von Doris Heimann
Rostige Fässer in Gorleben

ARCHIV - Mit gelben Tonnen und dem Radioaktiv-Zeichen demonstrieren Greenpeace-Aktivisten am 01.02.2013 in Hannover (Niedersachsen) gegen das Atommüllendlager in Gorleben. Auch wenn Bundesumweltminister Altmaier (CDU) das neue Endlager-Gesetz als historisch feiert: Entschieden ist erstmal wenig. Foto: Sebastian Kahnert/dpa (zu dpa-Korr «Ein holpriger Endlager-Neustart» vom 28.06.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Gorleben. Gut ein Jahr vor der geplanten Räumung des Abfalllagers Gorleben hat eine Inspektion ergeben, dass von den 1309 Fässern mit radioaktivem Müll 26 angerostet oder anderweitig beschädigt waren. Dies geht aus einer Antwort des niedersächsischen Umweltministeriums auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Miriam Staudte (Grüne) hervor.

Untersucht wurden die Fässer in der Zeit von März 2016 bis Februar 2017. Insgesamt 17 der beanstandeten Behälter waren korrodiert, bei den übrigen wurden Deformierungen oder abgeplatzte Farbe festgestellt. Zwei der Fässer wurden 2017 geöffnet, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Es zeigte sich, dass bei der sogenannten Konditionierung, bei der radioaktive Stoffe vor der Verpackung in einen chemisch stabilen Zustand gebracht werden, noch eine Restfeuchtigkeit geblieben war. Diese führte dazu, dass der Fassboden anfing zu rosten.

Der vom Umweltministerium beauftragte Sachverständige habe bei keinem der beschädigten Fässer eine Kontamination der Behälteroberfläche festgestellt, teilte ein Sprecher des Betreibers mit. Alle Fässer seien in Stahlblechcontainer verpackt worden. Manche wurden bereits abtransportiert, bei anderen stehe dies noch aus.

Die Fässer beinhalten nicht nur Abfälle aus Atomkraftwerken, sondern beispielsweise auch schwach radioaktives Material aus Forschung und Industrie. Sie waren 1999 für eine Frist von 20 Jahren in Gorleben eingelagert worden und müssen laut Vertrag bis Juni 2019 entfernt werden. Bis Ende März waren nach Angaben des Umweltministeriums 725 Behälter wieder ausgelagert worden. Die restlichen Fässer sollen ins Transportbehälterlager Ahaus gebracht werden. Das Ministerium teilte am Dienstag mit, die Integrität – also die „Dichtheit“ aller Fässer – sei bei allen im Abfalllager Gorleben gelagerten Fässern mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gegeben. Die Inspektion gebe keinen Anlass zur Besorgnis. Aktuell befinden sich den Angaben zufolge noch 584 Fässer in Gorleben, sie werden bis spätestens Mitte 2019 ausgelagert und im Transportbehälterlager Ahaus zwischengelagert. Mit der dann anstehenden endlagergerechten Konditionierung der 1309 Gebinde werde für die Zeit bis zur Endlagerung eine weitere sichere Zwischenlagerung gewährleistet.

Die ersten Mängel an Fässern waren im Sommer 2014 entdeckt worden. Als Konsequenz hatte der damalige Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) die Betreiberfirma Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) angewiesen, die klimatischen Bedingungen der Lagerung zu verbessern. Spezialkameras sollten Messdaten für Radioaktivität und Wärmebilder aufnehmen. Doch die GNS reichte Klage vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg gegen diese Maßnahmen ein. Seit August 2017 betreibt infolge der Neuordnung der Zuständigkeit für die Zwischenlagerung von radioaktivem Abfall die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) das Zwischenlager. Die BGZ hat im März das Ruhen des Klageverfahrens angeordnet, wie das Umweltministerium mitteilte. Bis Ende September will die BGZ nun ein Konzept für die Verbesserung des Raumklimas und die Installation von Überwachungskameras vorlegen. Am vergangenen Freitag trafen sich Vertreter der Betreibergesellschaft und des Umweltministeriums zu einer Begehung. Dabei habe es keine Beanstandungen gegeben, so der Betreiber.

Der Atomexpertin Miriam Staudte von den Grünen geht das alles zu langsam. „Es kann gut sein, dass sich das Ganze so verzögert, dass die Verbesserung der Lagerbedingungen gar nicht mehr kommt, bevor die Fässer ausgelagert werden“, kritisierte sie. Die Landesregierung müsse gegenüber dem Bund eisern bleiben. Ursprünglich war geplant, im Salzstock Gorleben ein Endlager für Atommüll zu errichten. Nach langen Protesten hat der Bund inzwischen ein neues Verfahren für die Suche gestartet.

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