Verkaufsverbot auf dem Lamberti-Markt

Rote Karte für Zipfelmützen in Oldenburg

Ein langes Wort: Weihnachtsmannzipfelmützenverkaufsverbot. Und, kurz gesagt: Ja, das gibt es wirklich. In Oldenburg, auf dem Weihnachtsmarkt.
13.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Rote Karte für Zipfelmützen in Oldenburg
Von Justus Randt
Rote Karte für Zipfelmützen in Oldenburg

Was für viel zu Weihnachten dazugehört, ist auf dem Oldenburger Lamberti-Markt verboten: Zipfelmützen.

dpa

Ein langes Wort: Weihnachtsmannzipfelmützenverkaufsverbot. Und, kurz gesagt: Ja, das gibt es wirklich. In Oldenburg, auf dem Weihnachtsmarkt, dessen Buden und Stände sich in der Innenstadt wie Schutz suchend um die St.-Lamberti-Kirche kauern. Die steht dem Markt mit ihrem Namen Pate.

2011 hatte die Stadt das Verkaufsverbot erlassen und die Entscheidung im vergangenen Jahr bekräftigt: Der Lambertimarkt sei bekannt für Qualität und hohes Niveau, wurden Ergebnisse einer Besucherbefragung zitiert, die die Oldenburg-Tourismus-Marketinggesellschaft (OTM) in Auftrag gegeben hatte.

Demnach wünschen sich die Besucher des Marktes – knapp ein Drittel von ihnen kommt aus den Niederlanden – vor allem hochwertiges Handwerk und kunsthandwerklich anspruchsvolle Produkte. Als kirmestypische Billigartikel bezeichnete Zipfelmützen zählt die Verwaltung nicht dazu. Flankiert wird das Verkaufsverbot von der Marktordnung, die den Lambertimarkt als „stillen Markt“ ausweist.

Spott und Häme müssen sich seinerzeit in heftigem Schwall ergossen haben, noch heute sprechen die Oldenburger nicht allzu gerne über das Thema, das in den Augen vieler einen mittlerweile weihnachtsmannmäßig langen Bart hat. Die angeblich mehrere Seiten lange Sitzungsvorlage, auf deren Grundlage die Bommelmützen aus dem Sortiment der Weihnachtsmarkthändler verbannt wurden, ist jedenfalls tief in den Archiven der Verwaltung vergraben. Dabei soll das Verbot seine Wirkung aufs Neue entfalten, alle Jahre wieder.

Früher haben auch in Oldenburg Marktbeschicker vom Verkauf der roten Bommelmützen gelebt. Helmut Mondorf, Sprecher des Oldenburger Schaustellerverbandes, ist das klar. Dennoch steht sein Verband hinter der Verbotsentscheidung und der stärkeren Kontrolle bei der Zulassung von Bewerbern für den Lambertimarkt.. „Wir haben uns das gemeinsam mit der Stadt Oldenburg auf die Fahnen geschrieben: Wir wollen einen qualitativ hochwertigen Markt, keinen Ramsch.“ Was das Verkaufsverbot gebracht hat? „Wir haben es jetzt etwas ruhiger“, sagt Mondorf, „da sind keine Gruppen mehr, die nur Party machen wollen.“ Nicht dass Missverständnisse auf

kommen: „Jeder, der feiern will, ist willkommen“, sagt er, „aber die Weihnachtsmärkte müssen aufpassen, dass sie nicht abrutschen und zur beliebigen Partymeile werden.“ In Oldenburg stemmen sich dieses Jahr die Betreiber von mehr als 120 Buden, Hütten und Ständen gegen den stimmungsmäßigen Niedergang. Bis zum letzten Lambertimarkttag, dem 22. Dezember, werden insgesamt bis zu 800.000 Besucher erwartet. Die neue Beschaulichkeit des Lambertimarktes wüssten auch Besucher aus Bremen zu schätzen, sagt Helmut Mondorf, der mit seinem Fahrgeschäft just auf dem Bremer Weihnachtsmarkt steht.

Dort gibt es die spitzen Mützen an jeder zweiten Ecke – dagegen will Mondorf gar nichts sagen. Auch Glühwein ist natürlich okay in den Vorweihnachtswochen – schon am Morgen duftet es danach. „Aber wenn die Leute mit Bollerwagen kommen... das ist nun wirklich was für die Grünkohlsaison“, meint der Schaustellersprecher. Der Weihnachtsmarkt sei nun mal kein Bremer Freimarkt oder Oldenburger Kramermarkt, auf denen man es schon mal krachen lassen könne.

Irgendwie hat es die Weihnachtsmütze zur symbolischen Krone des Profanen gebracht, dem Widerpart einer besinnlichen Adventszeit. Pastor Ralph Hennings von der Lamberti-Gemeinde ist überzeugt davon, dass niemand den Zipfelmützenzeiten „groß hinterherweint. Ich finde das Verkaufsverbot gut“. Wer wolle, könne sich seine Mütze ja an anderem Ort in der City besorgen. „Es gibt schließlich kein Trage-, sondern nur ein Verkaufsverbot auf dem Lambertimarkt.“

Ein Negativbeispiel aus Bremen:

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Nachdem er ein paar Jahre Erfahrungen mit dem ausgewiesen zipfelmützenfreien „stillen Markt“ sammeln konnte, sagt der Pastor: „Ich finde, es nimmt ein bisschen den Klamauk aus dem Markt. Das tut dem Anlass, dem Weihnachtsfest, gut.“ Ein Effekt, der durchaus nach innen abstrahlt: „Seit dem Mützenverbot ist es auch in der Kirche ruhiger. Viele kommen in der Adventszeit in die Kirche“, sagt Hennings. „Wenn dann ausgelassene Grüppchen mit blinkenden Rehgeweihen auftauchen, ist das ein merkwürdiger Effekt für die anderen Besucher, die hier Stille suchen.“

Er sei kein Spielverderber, stellt der Pastor klar, aber wenn sich auf dem Weihnachtsmarkt „so eine Art ewiger Junggesellenabschied“ als Dauerphänomen ereignet, dann ist das schon nervig, auch für die Schausteller. Die feiern, wie jedes Jahr, am dritten Adventssonntag ihren Gottesdienst mit Hennings und der Gemeinde. „Das ist mit 30 Minuten der kürzeste im Jahr“, sagt der Pastor, „die Marktbeschicker öffnen ja um 11Uhr ihre Buden – nach dem Kirchenkaffee.“

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