Lent und die Kaserne Rotenburgs Kreistag spricht sich gegen Umbenennung aus

Der Kreistag in Rotenburg (Wümme) hat am Mittwoch gegen eine Umbenennung der Lent-Kaserne gestimmt. Die Mehrheit will den Namen des Weltkriegspiloten und NS-Propagandafigur Helmut Lent beibehalten.
21.06.2017, 07:51
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Stadtrat, Bürgermeister und der Rotenburger Landrat Hermann Luttmann (CDU) sind sich längst einig, und auch die Soldaten: Die Nach Helmut Lent (1918-1944) benannte Kaserne soll ihren Namen behalten. Dieser Auffassung hat sich nun auch der Kreistag angeschlossen. Zumindest die Mehrheit der Abgeordneten aus CDU, FDP, WFB und AfD sprach sich gegen eine Umbenennung aus, die von dem Linke-Abgeordneten Nils Bassen beantragt worden war.

Helmut Lent war ein hochdekorierter Weltkriegsflieger, ein gefeierter Held der Wehrmacht und eine Propagandafigur des NS-Regimes. Der Entschluss des Kreistages ist jedoch nur eine Empfehlung. Die endgültige Entscheidung muss das Bundesverteidigungsministerium treffen.

Der Linke-Kreistagsabgeordnete Nils Bassen verwies in einem Antrag für die Kreistagssitzung auf eine Beurteilung Lents vom 28. Oktober 1941. Da ist zu lesen: "Oberleutnant Lent steht fest auf dem Boden nationalsozialistischer Weltanschauung und ist in der Lage, nationalsozialistisches Gedankengut weiterzugeben." Fakt ist, dass Reichsmarschall Hermann Göring 1944 selbst die Gedenkrede hielt. Nach dessen Worten war Lent "nicht nur Soldat, nicht nur Kämpfer, er war auch ein leidenschaftlicher Anhänger unserer nationalsozialistischen Weltanschauung".

Landrat Luttmann plädiert dennoch für die Beibehaltung des Namens. Es gebe in einem Gutachten keine Hinweise, dass Lent eine nationalsozialistische Gesinnung gehabt habe oder an Kriegsverbrechen oder nationalsozialistisch motivierten Gewaltverbrechen beteiligt gewesen sei, argumentiert Luttmann mit Blick auf das Gutachten des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr von 2016.

"Eine Änderung würde nur dazu führen, dass in weiten Teilen der Öffentlichkeit der falsche Eindruck entsteht beziehungsweise verfestigt wird, Helmut Lent sei ein Nazi gewesen. Das hat weder er noch seine Familie verdient", hatte Luttmann der dpa erst vorigen Monat in einer Mail mitgeteilt. Auch Rotenburgs SPD-Bürgermeister Andreas Weber (SPD) ist für die Beibehaltung des Namens, genauso der Stadtrat, der 2016 einen entsprechenden Beschluss fasste.

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Die rund 1000 Soldaten der Kaserne entschieden im April 2017 über ihre Vertrauensleute ebenso. Die Entscheidungsbefugnis liegt letztlich beim Bundesverteidigungsministerium. Das hat einen Prozess angestoßen, der läuft. "Der Meinungsbildungsprozess zu Kasernennamen ist in Gang und in diesem Zusammenhang findet nach wie vor eine breite Diskussion statt", so eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums auf Anfrage.

Im Mai hatte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in einem Grußwort anlässlich des Parlamentarischen Abends des Verbandes der Reservisten auch die Lent-Kaserne erwähnt: "Wir verbannen zu Recht den Wehrmachtshelm aus der Stube. Doch am Tor der Kaserne stehen nach wie vor Namen wie Hans-Joachim Marseille oder Helmut Lent. Beide Namensgeber sind nicht mehr sinnstiftend für die heutige Bundeswehr. Sie gehören zu einer Zeit, die für uns nicht vorbildgebend sein kann." (dpa)

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