Zusage vom Umweltminister

Sanierung von Sturmschäden auf den Inseln ist gesichert

Die Inselbürgermeister dürfen aufatmen: Bei einem Treffen am Mittwoch sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies die Sanierung der Schäden zu.
26.02.2020, 21:12
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Sanierung von Sturmschäden auf den Inseln ist gesichert
Von Peter Mlodoch
Sanierung von Sturmschäden auf den Inseln ist gesichert

Der Strand von Wangerooge unterhalb der Abbruchkante: Sollte mehr Geld zur Sanierung benötigt werden, will das Land nachschießen.

Peter Kuchenbuch-Hanken /dpa

Das Gespräch bei Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) dauerte mit fast zwei Stunden doppelt so lang wie angesetzt. Aber für Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn und ihre Kollegen von den sechs anderen ostfriesischen Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Spiekeroog und Wangerooge konnte sich das Ergebnis sehen lassen. „Ich bin zufrieden“, erklärte Horn am Mittwoch in Hannover. „Wir haben jetzt Sicherheit, dass die Aufspülung unserer Dünen erfolgt und unsere Süßwasserlinsen geschützt bleiben.“ Zuvor hatte Ressortchef Lies ein deutliches Bekenntnis für einen konsequenten Küstenschutz in den kommenden Jahrzehnten abgegeben: „Wir haben einen klaren Fahrplan, wie wir die Maßnahmen, die zur Sicherheit der Inseln notwendig sind, finanzieren und umsetzen.“

Wie schon 2019 hat Niedersachsen für das laufende Jahr 61,6 Millionen Euro für den Küstenschutz bereitgestellt, davon trägt der Bund zwei Drittel, das Land den Rest. Werde mehr Geld zum Flicken der durch die Sturmfluten beschädigten Dünen und Bauwerke benötigt, werde man dieses nachschießen, versicherte Lies. „Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel.“ Eine genaue Bestandsaufnahme könne man allerdings noch nicht machen, da die Sturmflutsaison noch nicht zu Ende sei. „Wir wissen nicht, was noch alles kommt.“ Bei einigen Inseln seien aber schon jetzt größere Reparaturen „von vier, sechs oder noch mehr Millionen Euro“ fällig.

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Für die Strände, die nicht direkt dem Hochwasserschutz, sondern mehr oder weniger allein touristischen Zwecken dienen, deutete der Minister ebenfalls finanzielle Hilfen an. Hier werde man gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium nach Lösungen suchen. Besonders betroffen ist in diesem Jahr Wangerooge, wo mehr als drei Viertel des bei Urlaubern beliebten Hauptstrandes in den vergangenen Wochen weggespült worden sind. Dessen Wiederaufschüttung, die Rede ist von rund 70.000 Kubikmetern, ist eigentlich Aufgabe der Insel. „Sand vor dem festen Deckwerk ist aber auch ein präventiver Schutz“, meinte Lies. Also müsse man auch über eine Kostenteilung nachdenken.

Wangerooges Bürgermeister Marcel Fangohr hörte diese Botschaft gern. Wichtiger für ihn war freilich die Zusage der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes, dass sich die Gemeinde das für die Aufschüttung benötigte Material von einer Sandbank vor dem Osten der Insel beschaffen dürfe. Der Sand dort gehört dem Bund. Doch der erhebt im laufenden Jahr laut WSV-Fachbereichsleiter Rüdiger Oltmanns keinen Anspruch darauf. Für die bundeseigenen Schutzbauwerke im Westen der Insel brauche man derzeit keinen Sand.

„Wir dürfen also dort Sand entnehmen und mit Lastwagen an unseren Hauptstrand bringen“, freute sich Fangohr. Die Insel werde in Kürze die entsprechenden Genehmigungen beantragen, um rechtzeitig vor der Hauptsaison gewappnet zu sein. Die Nationalpark-Verwaltung sehe keine Probleme. Die Sandbeschaffung direkt vom Strand am unbewohnten Ostende der Insel sei damit vom Tisch, berichtete der Bürgermeister. Das sei gut für die Stabilität, weil ein Abbau dort die Pufferwirkung geschwächt hätte. Eine andere Lösung scheitert an Kostenfragen. Der Bund lässt regelmäßig das Fahrwasser an der Jade ausbaggern.

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Baggerschiffe bringen den Sand dann raus in die Nordsee. Eine Aufspülung an den Inseln sei zwar technisch denkbar, aber drei- bis viermal so teuer wie die einfache Verklappung, erklärte WSV-Experte Oltmanns. Grund: Die Baggerschiffe mit einem Tiefgang von zehn Metern können nur in der zwei bis drei Kilometer vor Wangerooge liegenden Fahrrinne verkehren. Der Sand müsste also von dort mittels Rohren an den Strand gepumpt werden. Dass der Bund einen Teil dieser Ausgaben zugunsten des Tourismus trage, sei haushaltsrechtlich nicht möglich, sagte Oltmanns.

An der jetzt geplanten Baggerei auf der Sandbank will sich laut Bürgermeister Fangohr zumindest der Landkreis Friesland finanziell beteiligen. Umweltminister Lies mahnte vorsorglich auch Maßnahmen weit vor der nächsten Sturmflutsaison an. „Eine so dramatische Situation hat es seit sieben Jahren nicht mehr gegeben“, sagte der Ressortchef. „Und die Folgen hätten noch dramatischer ausfallen können, hätte es eine nur leicht andere Windlage gegeben.“ Deshalb sei es umso wichtiger, bereits vor dem Winter die Inseln mittels Küstenschutz zu sichern. „Solche präventiven Maßnahmen sorgen dafür, dass selbst schwerste Sturmfluten keine Gefahr für die Inseln selbst bedeuten.“

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