„Die Schwarzen Brüder“ – Bückeburg feiert Premiere / Maite Kelly als Frau Rossi Schloss wird zur Freilichtbühne

Der Fürst hat seine Gemächer geräumt und den privaten Garten freigegeben: Im Schloss Bückeburg feiert das Freilicht-Musical „Die Schwarzen Brüder“ mit Maite Kelly in einer Hauptrolle am nächsten Donnerstag Deutschland-Premiere. Produziert wird das traurige Stück über Kinder als Schornsteinfeger-Sklaven von Moritz Sachs, besser bekannt als Klaus Beimer aus der Lindenstraße.
02.08.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Mlodoch

Der Fürst hat seine Gemächer geräumt und den privaten Garten freigegeben: Im Schloss Bückeburg feiert das Freilicht-Musical „Die Schwarzen Brüder“ mit Maite Kelly in einer Hauptrolle am nächsten Donnerstag Deutschland-Premiere. Produziert wird das traurige Stück über Kinder als Schornsteinfeger-Sklaven von Moritz Sachs, besser bekannt als Klaus Beimer aus der Lindenstraße.

Eigentlich sollen die zehn Jungs mit gesenkten Köpfen im Gänsemarsch über die Bühne stapfen. „Halt, wir müssen unterbrechen, die Kinder sind nicht da“, ruft Regisseur Mirco Vogelsang in sein Mikrofon. „Ihr Nasenbären müsst über die Biertreppe zurückkommen.“ Dann biegen die Neun- bis Vierzehnjährigen endlich um die Ecke der Kulisse; die Proben mit Orchester und Sängern gehen in der Abenddämmerung im umfunktionierten Garten des Schlosses Bückeburg wie geplant weiter. Hier am Sitz von Alexander Fürst zu Schaumburg Lippe soll am nächsten Donnerstag die Premiere des Musicals „Die Schwarzen Brüder“ starten.

Es ist die Geschichte des zwölfjährigen Giorgio, der Mitte des 19. Jahrhunderts von seiner Familie im Tessin aus der Not heraus nach Mailand verkauft wird und dort wie andere Kindersklaven unter elenden Bedingungen Schornsteine reinigen muss. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Geheimbundes „Die Schwarzen Brüder“ kämpft er ums Überleben und seine Freiheit. „Das garantiert Gänsehaut und Tränen“, schwärmt Produzent Moritz Sachs, „denken Sie bitte an Taschentücher.“ Bis zum 14. September laufen die Vorstellungen; 1200 Plätze fasst die eigens für das Open-Air-Ereignis aufgebaute Tribüne.

Sachs war selber mal Kinderstar. Seit 1985, seit seinem siebten Lebensjahr, ist er in der TV-Dauerbrennerserie „Lindenstraße“ als Klaus Beimer zu sehen. Beim Casting in einer Bückeburger Schule konnte er sich in die Gemütslage der jungen Bewerber also gut hineinversetzen. 22 wurden ausgesucht, sie stammen alle aus der Region, etwa aus der Wedemark, aus Minden oder vom Steinhuder Meer. Jede dieser Rollen ist aus Kinderschutz- und Arbeitszeitgründen doppelt besetzt, die Proben- und Aufführungspläne sind penibel ausgearbeitet. Die eigens von den Musical-Machern eingestellte Erzieherin Sylvia Franke aus Lüneburg wacht zusätzlich über das Wohlergehen der Kinder.

Solcherlei Fürsorge braucht Maite Kelly nicht. Die 34-Jährige, elftes von zwölf Geschwistern der Kelly Family, erwartet im Oktober ihr drittes Kind und übt mit Kugelbauch ihre Lieder für die fiese Figur der Frau Rossi ein. „Warum soll das nicht gehen?“, antwortet sie mit gespielter Empörung auf Fragen nach ihrer Schwangerschaft. „Bei mir zu Hause würde ich jetzt den Garten umgraben.“

Der Produzent hört es gern und widmet sich den wirklichen Problemen des Probebetriebs. In der Nacht zuvor wurde in das genutzte Schulgebäude eingebrochen, ein Techniker braucht einen Akkuschrauber, die Frau fürs Catering eine Bedienungsanleitung für die Warmhaltebehälter. Dann kommt auch noch der Herr von der örtlichen Sparkasse vorbei, um sich die Unterlagen für die Haftpflichtversicherung unterschreiben zu lassen. Man achte schon darauf, mit heimischen Firmen wie dem Zimmereibetrieb für die Bühnenbauten zusammenzuarbeiten, sagt Sachs. „Wir fühlen uns hier sehr wohl und wollen den Standort möglichst dauerhaft für solche Events etablieren.“ Die Planungen für 2015 liefen bereits. Und warum ausgerechnet Bückeburg und nicht eine Musical-Hochburg wie Hamburg oder Essen? „Das Schloss bietet eine grandiose Kulisse“, erwidert der Kölner. „Wir liegen hier verkehrsgünstig zwischen Hannover und Bielefeld.“ Dies bedeute gleichzeitig ein großes Einzugsgebiet für ein Musical-affines Publikum. Natürlich berge Bückeburg auch ein gewisses Risiko, sagt Sachs. „Wenn keiner kommt, ist man kaputt.“

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