Umbau des Plenarsaals geht dem Ende entgegen – Kosten liegen neun Prozent über dem ursprünglichen Ansatz Schöner, größer, heller

Hannover. Für die vielen Fernsehstudios am Abend der Landtagswahl am 15. Oktober reicht es noch nicht; der feierliche Eröffnungstermin mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 27.
20.09.2017, 00:00
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Schöner, größer, heller
Von Peter Mlodoch

Hannover. Für die vielen Fernsehstudios am Abend der Landtagswahl am 15. Oktober reicht es noch nicht; der feierliche Eröffnungstermin mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 27. Oktober aber steht. Nach drei Jahren befindet sich der Umbau des neuen, lichtdurchfluteten Plenarsaals des Niedersächsischen Landtags in der Endphase. „Es muss noch einiges passieren, aber es darf schon mal geguckt und gestaunt werden“, erklärte ein bestens gelaunter Bauherr, Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU), am Dienstag in der neuen Portikushalle, die später als großzügiger Lobbybereich und Veranstaltungsfläche dienen soll.

Einigermaßen zufrieden zeigte sich auch Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD). Zwar hätte die Sanierung laut Anfangsplanung eigentlich schon nach dem Ende der Sommerferien abgeschlossen sein sollen, zwar liegen die derzeitig berechneten Baukosten mit rund 57,2 Millionen Euro knapp neun Prozent über der ursprünglich angesetzten Summe von 52,8 Millionen Euro, aber immer noch eine Million Euro unter dem längst vom Haushaltsausschuss bewilligten Betrag. Und dieser könnte noch weiter sinken. Man werde gegenüber der für die monatelangen Verzögerungen verantwortlichen Lüftungsfirma Regressansprüche stellen und sie notfalls auch verklagen, kündigten Schneider und Busemann kämpferisch an. „Es geht um einen Millionenbetrag; da verstehen wir keinen Spaß“, meinte der Präsident. „Wir wollen ein Exempel statuieren, damit sich das rumspricht.“

Nach Informationen des WESER-KURIER beläuft sich die mögliche Schadenssumme auf 3,5 Millionen Euro – Geld, das möglicherweise wieder zurück in die Landeskasse fließen könnte. Endgültige Zahlen ließen sich aber erst nach den erfolgten Endabrechnungen der anderen Gewerke nennen, hieß es. Dem Unternehmen, das zu einem namhaften Baukonzern gehört, war mitten in der Ausbauphase gekündigt worden. Es soll, so der gutachterlich belegte Verdacht des Landtags, die Bauarbeiten künstlich verlängert haben, um dann satte Zuschläge auf die vereinbarten Preise geltend machen zu können.

Abseits dieses Ärgers und der Mehrkosten wegen der aufwändigen Betonsanierung der denkmalgeschützten Außenmauern des alten Oesterlen-Gebäudes aus den 1960er-Jahren freuten sich Bauherr, Finanzier und das Landtagspräsidium über die schon gut erkennbare Pracht des Umbaus. Große Fensterfronten hinter den Regierungsbänken sowie eine Glaswand zum Portikus sorgen für die angestrebte Transparenz im Sinne eines echten Bürgerparlaments. „Schöner, größer, heller und dabei auch noch energiesparend“, beschrieb Busemann das eindrucksvoll umgesetzte Konzept.

Im Plenarsaal geben Bauarbeiter derweil den Abgeordneten-Tischen maschinell den letzten Schliff, befestigen die noch in Plastikfolie verschweißten Sitze im Halbrund. 160 Mandatsträger können hier demnächst bequem Platz finden; regulär besteht das Parlament – wie in der auslaufenden Legislaturperiode – aus 137 Sitzen. „Es ist leicht möglich, dass wir nach der Wahl 155 haben“, meinte Busemann mit Blick auf künftig sechs Fraktionen sowie diverse Überhang- und Ausgleichsmandate.

Die Anordnung der Stuhl- und Tischreihen lässt sich dank diverser Schienen sehr flexibel gestalten. Die Frage, wo man bei einem entsprechenden Erfolg am 15. Oktober die AfD im Plenum platzieren solle, beantwortete der Präsident mit einer Gegenfrage: „Gibt es denn eine andere Variante als Rechtsaußen?“ Nicht nur der Umgang der neugewählten Parlamentarier untereinander muss sich erst noch einspielen. Auch die Technik in dem „hochkomplexen Gebilde“ benötigt laut Auskunft von Minister Schneider nach der Eröffnung noch reichlich Zeit. „Manches wird man erst unter Volllast einstellen können“, meinte der Ressortchef. Erst im Echtbetrieb könne man Heizung und Lüftung, aber auch die für die Debatten so extrem wichtige Akustik vernünftig regeln. Die Klimaanlage müsse dafür alle vier Jahreszeiten durchlaufen. Bisher beruhe alles noch auf theoretischen Modellen, erklärte Schneider. „Wir werden also noch mindestens ein Jahr brauchen, bis alles eingependelt ist.“

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