Kommentar zu Polizeiübergriffen Schon einer ist einer zu viel

Natürlich sind Polizisten keine besseren Menschen als andere, denen – in Grenzen – nachgesehen wird, wenn sie mal ausrasten, die Beherrschung verlieren, sich nicht mehr im Griff haben. Nur: Polizisten im Dienst darf genau das nicht passieren.
18.05.2015, 19:00
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Schon einer ist einer zu viel
Von Michael Lambek

Natürlich sind Polizisten keine besseren Menschen als andere, denen – in Grenzen – ja schließlich auch nachgesehen wird, wenn sie mal ausrasten, die Beherrschung verlieren, sich nicht mehr im Griff haben. Nur: Polizisten im Dienst darf genau das nicht passieren. Denn sie sind die Inhaber und Verwalter des Machtmonopols, das der Staat für sich beansprucht. Gegen Polizisten sind alle anderen wehrlos und müssen es sein. Wäre es anders, würde das Gemeinwesen auseinanderfallen.

Bisweilen werden allerdings die Wehrlosen zu Opfern, obwohl Polizisten in aller Regel im Dienst nicht allein sind – damit sie aufeinander achten, zu ihrer eigenen Sicherheit, aber auch zur Sicherheit anderer. Nicht zum ersten Mal stellen wir fest, dass dieses Korrektiv nicht zuverlässig funktioniert. Türen werden geschlossen, wenn die Schreie zu laut werden, es wird weggesehen, weggehört – oder sogar mitgeprügelt und anschließend gelogen, vertuscht, getäuscht. Es herrscht Korpsgeist auf mancher Wache, und alle wissen es. Es gibt Hinweise darauf, dass es auch hier so gewesen ist. Wieder einmal.

Zu den jetzt anlaufenden Ermittlungen zu Tätern und Tatumständen gehört deshalb auch unbedingt die Klärung der Frage, wie es sein kann, dass Brutalität, Menschenverachtung, Ausländerfeindlichkeit und Zynismus sich in Revieren einnisten können, ohne dass von den Verantwortlichen gegengesteuert wird.

Auch wenn dies kein Einzelfall ist, bleibt wichtig zu wissen, dass die allermeisten Polizisten ihren sehr schwierigen und aufreibenden Dienst so versehen, dass sie sich alle Achtung verdienen. Aber schon einer, der in der Obhut der Polizei seiner Menschenwürde und Selbstachtung, seiner Gesundheit oder gar seines Lebens nicht sicher sein kann, ist einer zu viel. Dabei ist es schon fast gleichgültig, ob er Deutscher oder Ausländer, Christ, Heide oder Moslem ist.

michael.lambek@weser-kurier.de

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