RWE habe keinen Einfluss auf Lerninhalte Schule bedauert Ende der Kooperation

Mit einem abrupten Schnitt hat das Kultusministerium die Kooperation zwischen der Energiewirtschaft und fünf niedersächsischen Gymnasien beendet. Betroffen ist unter anderem das Domgymnasium Verden.
09.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Schule bedauert Ende der Kooperation
Von Michael Lambek

Mit einem harten und überraschenden Schnitt hat das Kultusministerium die Kooperation zwischen der Energiewirtschaft und fünf niedersächsischen Gymnasien beendet (wir berichteten). Damit wird eine Idee zu Grabe getragen, die ihren Ursprung in der niedersächsischen Staatskanzlei hatte: Der damalige Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte das Kooperationsprojekt 2006 in einem Vertrag mit dem Wirtschaftsverband Erdöl und Erdgasgewinnung (WEG) auf den Weg gebracht. Mit Beginn des kommenden Schuljahres ist damit Schluss.

Betroffen sind die Gymnasien Sulingen und Antonianum Vechta mit dem Kooperationspartner Exxon Mobil, das Franziskus-Gymnasium Lingen (GDF Suez), das Domgymnasium Verden (RWE Dea) und das Gymnasium Lohne (Wintershall Holding).

Für die Schulen machte sich die Zusammenarbeit buchstäblich bezahlt. Das Verdener Domgymnasium zum Beispiel durfte Jahr für Jahr 10 000 Euro aus der RWE-Kasse einkalkulieren – Geld, über das die Schule nach Angaben von Schulleiter Detlev Lehmann frei verfügen konnte. Unter anderem wurde damit Unterrichtsmaterial beschafft.

Darüber, was der praktische Nährwert dieser Kooperation für das Energie-Unternehmen RWE sein könnte, schieden sich

allerdings die Geister. Freilich gab es eine vertragliche Grundlage der Zusammenarbeit, in der das Ziel von RWE dokumentiert ist: das Interesse der Jugendlichen an technisch-wissenschaftlichen Themen und Berufen zu befeuern. Zudem sollte eine wissenschaftlich-kritische Auseinandersetzung mit Energiethemen gefördert werden.

Kritiker hielten dies schon immer für vorgeschoben – allen voran der Verein Lobby-Control, der die Entscheidung des Ministeriums am Freitag auf seiner Homepage als „Erfolg unserer Arbeit“ feierte. In Wahrheit, heißt es dort unter Bezug auf eine WEG-Dokumentation, ziele die Kooperation auf eine „Verbesserung der Reputation der Branche“ und eine „Versachlichung der Darstellung der Erdöl- und Erdgasproduktion an den Schulen“.

Im Schulalltag des Domgymnasiums schlug sich die Kooperation mit dem Unternehmen in Seminaren für etwa 15 bis 20 Schüler pro Jahr nieder. „Den Inhalt der Seminare konnten die Schüler selbst bestimmen“, sagt Schulleiter Lehmann, „die Teilnahme war freiwillig, zwei Exkursionen zu RWE waren für die Teilnehmer Pflicht, ob es weitere Kontakte zu dem Unternehmen gab, lag in der Entscheidung der Schüler.“

Einfluss auf schulische Inhalte, darauf legt Lehmann Wert, hatte RWE nie. Im Gegenteil: „Die kritische Auseinandersetzung mit der Gasfördermethode Fracking fing bei unseren Schülern schon an, als sonst noch nirgendwo die Rede davon war“, erinnert sich Lehmann, der die Möglichkeit solcher Projektarbeiten an seiner Schule gern weiter gehabt hätte. Die Begründung des Ministeriums, die Kooperation passe nicht zur Antikorruptionsrichtlinie, überzeuge ihn jedenfalls nicht.

Die Opposition im Landtag ist ebenfalls nicht überzeugt. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Toepffer, hält der Landesregierung Wirtschaftsfeindlichkeit vor. „Während der Ministerpräsident von seiner Partei vehement eine stärkere Wirtschaftskompetenz fordert, torpediert Rot-Grün in Niedersachsen sinnvolle Kooperationen zur Stärkung der Wirtschaftskompetenz von Schülern“, kritisierte Toepffer.

Anders die Grünen: Einflussnahme auf die Themensetzung im Unterricht und gemeinsam entwickelte Materialien der WEG hätten zurecht Lobby Control und eine Bürgerinitiative auf den Plan gerufen. „Wir teilen deren Einschätzung, dass dieser Eingriff in Unterrichtsinhalte zu weit geht“, sagte Heiner Scholing, der schulpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion. Eine Stellungsnahme des Kultusministeriums war gestern nicht zu erhalten.

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