Staatsanwaltschaft wirft Angeklagten versuchten Mord vor

Schuss auf Autohändler

Lüneburg. Im Prozess um den Schuss aus einer Maschinenpistole auf einen Autohändler im Landkreis Celle haben die beiden Angeklagten die Vorwürfe im Kern eingeräumt. Den beiden 20 und 41 Jahre alten Männern wirft die Staatsanwaltschaft außer versuchtem Mord auch einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und gefährliche Körperverletzung vor.
09.01.2018, 00:00
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Von Peer Körner
Schuss auf Autohändler

In Lüneburg hat der Prozess um den Schuss auf einen Autohändler begonnen.

Philipp Schulze, picture alliance / Philipp Schulze/dpa

Lüneburg. Im Prozess um den Schuss aus einer Maschinenpistole auf einen Autohändler im Landkreis Celle haben die beiden Angeklagten die Vorwürfe im Kern eingeräumt. Den beiden 20 und 41 Jahre alten Männern wirft die Staatsanwaltschaft außer versuchtem Mord auch einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und gefährliche Körperverletzung vor. Das Opfer hatte die Attacke vom vergangenen Juli dank einer Notoperation überlebt.

Der jüngere Angeklagte gestand in einer von seinen beiden Anwälten verlesenen Erklärung, mit der Waffe auf den 47-Jährigen in dessen Geschäft geschossen zu haben, um ihn zu töten. Laut Anklage soll der damals 19 Jahre alte Jeside, ein in Celle geborener Kurde mit deutscher Staatsangehörigkeit, wegen der Liebesbeziehung seiner Schwester mit dem Nicht-Jesiden aus gekränkter Familienehre gehandelt haben. Das bestritt der 20-Jährige in seiner Erklärung. Die Tat habe nichts mit dem Glauben zu tun, er habe vielmehr „aus falsch verstandener Sorge“ um seine angeblich psychisch ­labile Schwester gehandelt. Außerdem habe er zuvor Drogen und Alkohol konsumiert. Es sei kein „Ehrenmord“, ein Zusammenhang mit dem Glauben „abwegig“.

Der 41 Jahre alte Mitangeklagte, ein Angestellter des Opfers, nannte es in seiner Aussage „lächerlich“, dass es nicht um den Glauben gegangen sei. So habe auch ein anderer Bruder gedroht, die Schwester und ihren Partner zu töten, weil der nicht Jeside und kein Kurde sei. „Mitwisser würden auch dafür bezahlen“, habe es geheißen, er sei in Anrufen ebenfalls mit dem Tode bedroht worden. Die Waffe will er zwar unmittelbar vor der Tat bereitgelegt, aber die Patronen aus dem Magazin entfernt haben. Dabei habe er nicht den Lauf überprüft, sagte er auf Rückfrage.

Der Hauptangeklagte habe ursprünglich die Waffe eines Bruders nehmen wollen, das hätte er verhindern wollen, sagte der 41-Jährige. Der Chef habe zudem nur bedroht und geschlagen werden sollen, doch dann sei plötzlich ein Schuss gefallen. Nach seiner Aussage stammt die Waffe aus dem Besitz des Opfers. Der 47-Jährige habe sich zwei Waffen besorgt, als sich die Lage wegen der Beziehung zuspitzte.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Hauptangeklagte bei einem Gespräch unvermittelt die Waffe ergriffen und dem Opfer aus etwa einem Meter Entfernung in die Brust geschossen haben. Dem am Boden liegenden Mann soll er dann die Waffe an den Kopf gehalten und noch mehrfach abgedrückt haben, doch löste sich kein Schuss mehr.

Der Autohändler sollte am Montag als Zeuge aussagen, blieb aber aus gesundheitlichen Gründen fern. Die Frau, um die es in dem Streit ging, hat er nach dem Angriff geheiratet, so die Anwälte des Hauptangeklagten.

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