Deutscher Pass nicht erforderlich Scouts werben bei Migranten für den Polizeidienst

Ein Job bei der Polizei – für deutsche Jugendliche ist das eine ganz normale Option bei der Berufswahl. Viele Kinder aus Migrantenfamilien kommen aber gar nicht erst auf den Gedanken, sich zu bewerben.
02.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Elmar Stephan

Ein Job bei der Polizei – für deutsche Jugendliche ist das eine ganz normale Option bei der Berufswahl. Viele Kinder aus Migrantenfamilien kommen aber gar nicht erst auf den Gedanken, sich zu bewerben.

„Es gibt viele Vorurteile gegenüber der Polizei“, sagt Emre Günel. Der 19-Jährige ist „Polizei-Scout“ bei der Polizeidirektion Osnabrück. Seine Aufgabe: Er soll bei Stadt- und Gemeindefesten, in der Schule und in den Vereinen Ansprechpartner für andere Jugendliche mit Migrationshintergrund sein und über Vorurteile aufklären.

Seit einem Jahr ist Günel in dem Ehrenamt tätig. Mit einem blauen T-Shirt fällt er etwa bei Gemeindefesten sofort ins Auge. In der Regel begleitet ihn ein erfahrener Polizeibeamter, der Fragen zum Beruf beantworten kann. Die häufigste Fehleinschätzung bezieht sich auf die Staatsbürgerschaft: Man muss keinen deutschen Pass haben, um zur Polizei zu gehen – es reicht die Staatsbürgerschaft eines Landes aus dem europäischen Wirtschaftsraum.

Seit Donnerstag gibt es zehn neue Scouts. Der Andrang war viel größer: 50 Bewerbungen gingen bei der Polizeidirektion Osnabrück ein. Während im ersten Durchgang nur türkischstämmige Teilnehmer zum Zuge kamen – die Türkisch-islamische Union (Ditib) ist Kooperationspartner des Projekts –, wollte die Polizeiverwaltung nun auch Jugendliche mit anderen ethnischen Hintergründen ins Boot holen. So sind jetzt auch Kinder aus einer bosnischen, einer portugiesischen, einer marokkanischen, einer französisch-kongolesischen und deutsch-arabischen Familie dabei.

Wegen des demografischen Wandels wird die Suche nach Nachwuchs für die Polizei immer bedeutsamer. Und Kinder aus Einwandererfamilien seien besonders gefragt, sagt Osnabrücks Polizeipräsident Bernhard Witthaut. „Es ist wichtig für uns, die Menschen unterschiedlicher Herkunft zu verstehen und voneinander zu lernen.“

Die „Polizei-Scout“-Aktion in Osnabrück ist weder die erste noch die einzige Werbeaktion bei Menschen mit Migrationshintergrund. „Da ist man seit Jahren auf einem guten Weg“, sagt der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Allerdings müsse der Anteil von Polizisten mit Migrationshintergrund noch gesteigert werden.

In den vergangenen Jahren hätten alle Polizeidirektionen in Niedersachsen mit Erfolg um Jugendliche Bewerber aus Zuwandererfamilien geworben, sagt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Dietmar Schilff. Auch die Einstellungszahlen sind nach Angaben des Innenministeriums in diesem Bereich gestiegen. 2008 hatten nur rund vier Prozent der Polizeianwärter einen Migrationshintergrund. Heute liegt er bei etwas mehr als 13 Prozent.

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