Sexuelle Übergriffe in Niedersachsen Sechs Missbrauchsfälle an kirchlichen Schulen

Hannover. An kirchlichen Schulen in Niedersachsen stehen sechs Pädagogen im Verdacht, vor mehr als 20 Jahren Schüler missbraucht zu haben. Laut Landesschulbehörde habe es seit 2008 an öffentlichen Schulen zudem 18 Disziplinarverfahren wegen sexueller Übergriffe gegeben.
30.04.2010, 15:44
Lesedauer: 2 Min
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Hannover. An kirchlichen Schulen in Niedersachsen stehen sechs Pädagogen im Verdacht, vor mehr als 20 Jahren Schüler missbraucht zu haben. Laut Landesschulbehörde habe es seit 2008 an öffentlichen Schulen zudem 18 Disziplinarverfahren wegen sexueller Übergriffe gegeben.

An den kirchlichen Schulen in Niedersachsen stehen sechs Pädagogen im Verdacht, vor mehr als 20 Jahren Schüler missbraucht zu haben. Es gebe derzeit keine aktuellen, sondern einen bestätigten und fünf noch zu prüfende Fälle aus der Vergangenheit, sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) am Freitag im Landtag. Laut Landesschulbehörde habe es seit 2008 an öffentlichen Schulen zudem 18 Disziplinarverfahren wegen sexueller Übergriffe gegeben. Auch in einer Kindertagesstätte musste die Staatsanwaltschaft laut Althusmann gegen einen Erzieher ermitteln.

Die Landesregierung erwartet laut Althusmann eine "schonungslose und rückhaltlose Aufklärung" aller Missbrauchsfälle. Um das Vertrauen in die Schulen zu sichern, sei zudem eine wirksame Prävention unverzichtbar. Althusmann betonte, dass bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen "die Wahrung der professionellen Distanz von entscheidender Bedeutung" ist.

Eine Arbeitsgruppe der Kultusministerkonferenz habe zur besseren Prävention spezielle Handlungsempfehlungen für die Schulen erarbeitet. Diese bauen, so Althusmann, "in vielfältiger Weise Sicherungen, wie die Arbeit im Team, das Mehr-Augen-Prinzip und Supervisionen" ein.

Außerdem sind intensive Kooperation der Schulen mit außerschulischen Partnern wie Kinderschutzzentren und Opferhilfen vorgesehen. Die Gefahr sexueller Übergriffe soll künftig auch Teil der Aus- und Weiterbildung von Lehrern sein. "Bei Schulen in freier Trägerschaft hat das Land keine Befugnisse", sagte Althusmann. Dort seien die Träger selbst für die Aufklärung und Konsequenzen zuständig.

Um den Schutz der Kinder und Jugendlichen an den Schulen zu verbessern, verlangt die niedersächsische Schulbehörde seit dem 8. April 2010 außerdem von allen Bewerbern ein sogenanntes erweitertes Führungszeugnis. Diese Regelung betrifft sowohl die Einstellung von Lehrern als auch von nicht lehrenden Mitarbeitern wie Hausmeistern. Bundesweit tritt das Gesetz zum besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen an diesem Samstag (1. Mai) in Kraft. Im Gegensatz zu einem einfachen Führungszeugnis werden in einem erweiterten auch geringfügigere Strafen wegen Sexualdelikten wie der Besitz von Kinderpornografie oder Misshandlungen vermerkt. (dpa/lni)

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