Hamburg hat Kosten ermittelt / Mehr als 70 Prozent der Bürger würden Bewerbung begrüßen

Sieben Milliarden Euro für Olympia

Hamburg oder Berlin? Am Ende werden wohl die Bürger entscheiden, mit welcher Metropole sich Deutschland um Olympia 2024 oder 2028 bewirbt.
14.08.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Markus Lorenz

Hamburg oder Berlin? Am Ende werden wohl die Bürger entscheiden, mit welcher Metropole sich Deutschland um Olympia 2024 oder 2028 bewirbt.

Ein erfolgreiches Referendum ist Bestandteil des Pflichtenkatalogs des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für die Städte, die sich als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele bewerben. Derzeit, so besagen es die neusten Umfragen, hat Hamburg dabei die Nase vorn. 73 Prozent der befragten Hanseaten begrüßen die Sommerspiele in ihrer Stadt; in Berlin sind 52 Prozent. Gleich ist den Bewohnern beider Kandidatenstädte die Furcht vor einem Milliardengrab – weshalb die Finanzkonzepte zum Schlüssel für die vom DOSB verlangte Zustimmung der Bevölkerung von mehr als 60 Prozent werden dürfte.

Nach dem teuren Politiker-Versagen sowohl beim Hauptstadt-Airport in Berlin als auch bei der Hamburger Elbphilharmonie interessiert die Bürger vor allem, welche Rechnung ihnen für 18 Tage Olympia präsentiert wird. Sie wollen wissen: Wie viel kostet der Spaß mit den fünf Ringen?

Auch wenn es dazu an der Elbe derzeit kein offizielles Statement gibt: Hamburgs Olympia-Rechnung ist in wesentlichen Teilen schon erkennbar. Sommerspiele an der Elbe würden nach derzeitigen Schätzungen zwischen sechs und sieben Milliarden Euro kosten, auf die Stadt entfiele ein Anteil von gut einer Milliarde. „Olympia ist trotz Schuldenbremse beherrschbar“, heißt es bei den Planern.

Mit etwas Glück, so die Strategen im Hamburger Rathaus, bliebe unter dem Strich sogar Geld übrig. So wie in London, das für 2012 einen Millionengewinn vermeldete. Unabhängig davon kalkuliert der Senat mit einem kräftigen Schub für die Stadtentwicklung und mit dem bleibenden Wert neuer Straßen, U-Bahnlinien und weitere Infrastrukturbauten, die Olympia mit sich brächte.

Konkret rechnet die Stadt mit vier großen Kostenblöcken. Zum einen die Bewerbungskosten für die internationale Kampagne: Diese hat der DOSB bei 50 Millionen Euro gedeckelt. Zahlen sollen das vor allem Sponsoren. Zum anderen die operativen Kosten für die Durchführung olympischer und paralympischer Wettkämpfe: Diese schlugen in London mit drei Milliarden Euro zu Buche, Überschuss dort: knapp 40 Millionen. Diese Kosten seien selbstfinanzierend, heißt es denn auch in Hamburg. Rund 1,5 Milliarden Euro erhält der Gastgeber vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK), hinzu kämen Einnahmen aus Ticketverkäufen, TV- und Marketingrechten.

Zwingende Kosten seien zudem der Bau und die Modernisierung von Sportstätten; teuerster Neubau würde ein Olympiastadion für 70 000 Zuschauer (rund 300 Millionen Euro). Das Olympische Dorf für mehr als 15 000 Sportler und Betreuer sollen Privatinvestoren finanzieren und die Gebäude nach den Spielen als Wohnungen vermarkten.

Darüber hinaus seien Kosten für die Infrastruktur veranschlagt, etwa für den Bau der Hafenquerspange und die Verlängerung der U-Bahnlinie 4 bis zum Kleinem Grasbrook. Diese Kosten würde überwiegend der Bund tragen. Die Ertüchtigung des Kleinen Grasbrooks als flutsicheres Olympia-Zentrum für mehrere Hundert Millionen Euro soll sich über den Verkauf der lukrativen Grundstücke am Ende selbst tragen.

30 der erforderlichen 35 Sportstätten sind in Hamburg und im Umland bereits vorhanden, auch das soll die Kosten in Grenzen halten. Ebenso wie die Konzentration der wichtigsten Wettbewerbe im Hafen. Wohl nie zuvor hat es bei Olympia so kurze Wege gegeben, wie es an der Elbe geplant ist.

Die Athleten würden sogar in der Nähe des Olympia-Zentrums einschweben. So ist das Airbus-Werk Finkenwerder ist als Olympia-Flughafen vorgesehen, die Gäste kämen die kurze Strecke über die Elbe per Barkasse ins Olympische Dorf. Auch Tausende Besucher, Funktionäre und Journalisten sollen in Steinwurf-Entfernung zum Grasbrook logieren. Zehn Kreuzfahrtschiffe könnten als schwimmende Hotels dienen. Zwei neue Wolkenkratzer an den Elbbrücken sind als Medienzentrum vorgesehen.

Unabdingbar sei die Hilfe des Umlandes insbesondere bei der Beherbergung, heißt es. Die erwarteten ein bis zwei Millionen Olympia-Gäste könne Hamburg allein nicht unterbringen. Die Stadt verfügt über rund 30 000 Hotelzimmer, das IOC verlangt vom Gastgeber aber mindestens 42 000. Auch in Sachen Kultur planen die Macher im Rathaus fest mit den Nachbarn. Ein Eingeweihter: „Wir können uns gut vorstellen, zum Beispiel das Schleswig-Holstein Musik Festival zum Teil des olympischen Rahmenprogramms zu machen.“

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