Pilotprojekt im Emsland Spanische Azubis sollen Fachkräftemangel lindern

Emsland. In Westniedersachsen setzen Unternehmen auf Arbeitskräfte aus dem Ausland: 14 junge Spanier lernen derzeit in Papenburg Deutsch, um in der Region eine Ausbildung anzufangen.
27.04.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Taalke Nieberding

Emsland. In Westniedersachsen setzen Unternehmen auf Arbeitskräfte aus dem Ausland: 14 junge Spanier lernen derzeit in Papenburg Deutsch, um in der Region eine Ausbildung anzufangen. Diese internationale Ausbildungsinitiative soll den Fachkräftemangel lindern.

Als ihre Lehrerin im Februar über die Möglichkeit berichtete, in Deutschland eine Ausbildung anzufangen, hat Silvia Gómez Bernal keinen Moment gezögert. Sie reichte ihren Lebenslauf beim Verein Ems-Achse ein – so wie 120 andere junge Spanier aus der Region Murcia. Die Jugendarbeitslosigkeit im Südosten des Landes ist sehr hoch: Mehr als jeder zweite findet keinen Job. Im Emsland dagegen gehört die Arbeitslosenquote deutschlandweit zu den niedrigsten.

"In der Region konnten im letzten Jahr mehr als 150 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Gewerblich-technische und handwerkliche Berufe sind besonders betroffen", sagt Jens Stagnet, Sprecher der Ems-Achse, eines Netzwerks aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Wissenschaft in der Grafschaft Bentheim, Emsland und Ostfriesland. Deshalb hat sich unter anderem die Hermann Paus Maschinenfabrik GmbH aus dem emsländischen Emsbüren der "Internationalen Ausbildungsinitiative", dem Pilotprojekt mit Spanien angeschlossen.

Der 20-jährige Daniel Marín Carmona betrachtet noch etwas schüchtern, aber mit Bewunderung die Fertigungshallen der Maschinenfabrik Paus. Zum ersten Mal besuchen er und Gomez Bernal ihren neuen Arbeitgeber, bei dem sie im Mai zunächst ein zweimonatiges Praktikum absolvieren. Er bei den Mechatronikern, sie im Büro als Industriekauffrau. Wenn alle einverstanden sind, geht im August die Ausbildung los. Bis dahin sollte es mit der Sprache auch etwas besser klappen.

"Sie sollen sich wohlfühlen"

Derzeit lernen sie mit zwölf weiteren Spaniern in Papenburg Deutsch und wohnen im Jugendgästehaus. Bei der Betriebsbesichtigung übersetzt noch die Dolmetscherin: "Daniel ist sehr beeindruckt, dass hier alle Fertigungsschritte erfolgen." Er darf sich in ein Bergwerksfahrzeug setzen, das für den Unter-Tage-Bau nach Russland geliefert wird. Ausbildungsmeister Karl Schomaker zeigt ihm, wo er in den kommenden Wochen arbeiten wird. Paus liefert Bergbaumaschinen und -fahrzeuge in die ganze Welt.

Einige Kunden sitzen in Mittel- und Südamerika. Da sei es hilfreich, eine Muttersprachlerin wie Silvia Gómez Bernal im Team zu haben. Am Schwarzen Brett in der Fertigungshalle hängt ein Zettel mit spanischen Flaggen, der die Neulinge ankündigt und nach Gastfamilien für sie sucht. Gómez Bernal hat schon eine Bleibe gefunden: Ihre zukünftige Azubi-Kollegin Sandra Fahrendorf hat ihr angeboten, im Haus ihrer Familie zu wohnen. Geschäftsführer Karl-Josef Paus: "Sie sollen sich hier wohl- fühlen. Zu Veranstaltungen werden Kollegen sie sicher mitnehmen."

Für das Praktikum zahlen die Unternehmen 500 Euro, damit werden Unterbringung, Verpflegung und Sprachkursus finanziert. Für die Ausbildungsinitiative hat die Ems-Achse Fördermittel bei der NBank aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) beantragt. Paus: "Es wäre schön, wenn die jungen Menschen sich langfristig für die Arbeit in Deutschland entscheiden." Die Unternehmen wollten sie als Fachkräfte halten.

Kritik kommt allerdings von Gewerkschaftsseite. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) der Region Ostfriesland-Nördliches Emsland wirft den Betrieben überhöhte Anforderungen vor und sieht vor Ort keinen Bewerbermangel. In der Region seien mehr 5000 Jugendliche in berufsvorbereitenden und schulischen Maßnahmen geparkt. "Fast die Hälfte der Betriebe meldet die freien Ausbildungsstellen nicht an die Arbeitsagenturen", sagt DGB-Gewerkschaftssekretär Oliver Hublitz. Einige Spanier hätten bereits Ausbildungen in ihrer Heimat absolviert und dienten nun als billige Arbeitskräfte.

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