Hannovers Oberbürgermeister heimst 98,95 Prozent ein SPD kürt Stephan Weil zum Herausforderer

Hameln. Niedersachsens SPD präsentiert sich knapp sieben Monate vor der Landtagswahl geschlossen und siegessicher. Mit 98,95 Prozent küren die Genossen Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil zum Spitzenkandidaten. Der warnt allerdings vor allzu viel Selbstzufriedenheit. Die im Vorfeld umstrittene Landesliste geht ohne Probleme durch; nur das Ergebnis für Doris Schröder-Köpf fällt mit 18 Gegenstimmen etwas aus dem Rahmen.
08.07.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Mlodoch

Hameln. Niedersachsens SPD präsentiert sich knapp sieben Monate vor der Landtagswahl geschlossen und siegessicher. Mit 98,95 Prozent küren die Genossen Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil zum Spitzenkandidaten. Der warnt allerdings vor allzu viel Selbstzufriedenheit. Die im Vorfeld umstrittene Landesliste geht ohne Probleme durch; nur das Ergebnis für Doris Schröder-Köpf fällt mit 18 Gegenstimmen etwas aus dem Rahmen.

Den süßen Vorgeschmack auf Glücksgefühle gibt es schon mal. "Glaubt mir, es ist so schön, Wahlen zu gewinnen", ruft der Ehrengast den rund 190 jubelnden SPD-Delegierten in der Rattenfängerhalle von Hameln zu. Torsten Albig heißt der Einpeitscher, der Sozialdemokrat ist seit vier Wochen neuer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Zwei Meter schräg hinter ihm sitzt Stephan Weil, derzeit noch Oberbürgermeister von Hannover, und lächelt selig. Am 20. Januar 2013 will er es seinem Ex-OB-Kollegen aus Kiel nachmachen und den Posten im Rathaus der Landeshauptstadt mit dem Schreibtisch in der Staatskanzlei tauschen.

Den ersten Schritt dazu vollziehen Niedersachsens Genossen in ungewohnter Geschlossenheit, Flügelkämpfe und Bezirksquerelen früherer Zeiten scheinen vergessen. 98,95 Prozent heimst Weil bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten ein, gerade mal zwei Delegierte votieren mit Nein. Glatt geht auch die von den Bezirksfürsten in mathematischer Kleinarbeit ausgetüftelte Landesliste durch, fein austariert nach Geschlechter- und Gebietsproporz. Bei der "verbundenen Einzelwahl" mit einem einzigen Stimmzettel gibt es keine Kampfkandidaturen; der Unmut im Vorfeld über das Verfahren und einzelne Listenplätze entlädt sich allenfalls verhalten.

Dämpfer für Schröder-Köpf

Zwei oder drei Gegenstimmen sind normal, die Lüneburger Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers auf Platz zwei bekommt sieben mal ein Nein – offenbar eine Reaktion auf ihre umstrittene Nominierung direkt hinter Weil. Einen größeren Dämpfer muss Doris Schröder-Köpf auf Platz zwölf einstecken: 18 Delegierte votieren gegen sie. "Das stört mich nicht, das sind trotzdem über 90 Prozent", sagt die Ehefrau von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder scheinbar unbeeindruckt. "Ich bin schließlich mit gewissen Schwierigkeiten gestartet." Ihre von der Parteispitze angestoßene Kandidatur in Hannover, bei der die ehemalige Journalistin die langjährige Abgeordnete Sigrid Leuschner aus dem Feld geschlagen hatte, war bei vielen Genossen wegen des Promi-Bonus‘ auf Vorbehalte gestoßen.

Die Parteioberen tun das als Randnotiz ab, sie zelebrieren strotzende Siegeszu-

versicht und unbändiges Selbstvertrauen. "Liebe Freunde von der CDU", ruft der Spitzenkandidat launig, "zieht euch warm an, wir freuen uns auf die Auseinandersetzung."

Wie diese aussehen könnte, skizziert Weil in seiner einstündigen Vorstellungsrede. Gegen Studiengebühren, gegen einen Beförderungstopp bei Polizisten, gegen das Betreuungsgeld, für höhere Pflegeentgelte, für finanziell besser ausgestattete Kommunen – so beschreibt er die Unterscheidungsmerkmale zur schwarz-gelben Landesregierung unter Ministerpräsident David McAllister (CDU). "Wir werden keine einzige Lehrerstelle streichen", hält Weil den Forderungen von Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) entgegen. Regionen bekämen unter einer SPD-geführten Regierung wieder mehr Kompetenzen, würden zu "Kümmerer" für die Menschen vor Ort.

Rot-Grün sei zum Greifen nah, frohlockt der Spitzenkandidat, warnt aber sogleich vor zu viel Selbstzufriedenheit. "Es liegt noch ein verdammt langer Weg vor uns", mahnt Weil an. Die derzeit guten Umfragewerte seien erfreulich, abgerechnet werde jedoch erst am 20. Januar 2013. Eine Warnung, die offenbar nicht unbegründet ist. "Manche können inzwischen vor Kraft kaum gehen", raunt eine Delegierte. "Die verteilen ja schon ihre Ministerposten."

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