Bürgermeister Matthias Piszczan: Gemeinde- und Kurverwaltungen könnten in das Gebäude einziehen

Spiekeroog interpretiert Künstlerhaus neu

Spiekeroog·Bremen. Das Künstlerhaus Spiekeroog fristet ein tristes Dasein.
04.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Spiekeroog interpretiert Künstlerhaus neu
Von Justus Randt

Das Künstlerhaus Spiekeroog fristet ein tristes Dasein

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„Das mehr als 2500 Quadratmeter große und grundsolide Bauwerk dämmert vor sich hin“, sagt Matthias Piszczan. Das 2007 von dem damaligen Bremer Unternehmer Niels Stolberg errichtete Gebäude mit Ateliers und Wohnungen ist ungenutzt, seit dessen Beluga-Reederei 2011 in die Insolvenz ging.

Wenn es nach dem Bürgermeister geht, könnte dort die Gemeindeverwaltung einziehen.

Das ist nur eine Idee von Piszczan, der sich mit den weiteren acht Mitgliedern des Gemeinderats einig ist: „Wir wollen das Heft des Handelns in die Hand nehmen“, lautet die Devise auf der Insel. „Wir überlegen allerdings noch, wie.“ Nachdem im Februar am Amtsgericht Wittmund der dritte Versuch gescheitert war, das Künstlerhaus zwangszuversteigern, hat der Gemeinderat einen Fachanwalt eingeschaltet, der die „weitere Abwicklung“ begleiten soll.

Unterdessen geht der Bürgermeister selbst zu Werk und will möglichst schon bei der nächsten Gemeinderatssitzung, am 16. April in der Turnhalle der Inselschule, erste Ergebnisse vorweisen. Bis dahin will Piszczan ein erstes Gespräch mit der Hauptgläubigerin, der Sparkasse Bremen, geführt haben. „Ziel ist es, die Suche nach einer gemeinsamen Lösung zu starten“, sagt er. „Die Frage ist ja: Was folgt daraus, dass das Objekt die Sparkasse zur Zeit nur Geld kostet?“

Der Verkehrswert der Immobilie wird mit 3,2 Millionen Euro angegeben. Mittlerweile, bestätigt Gereon Schwarz, Rechtspfleger beim Amtsgericht Wittmund, ist die Mindestgrenze für einen Zuschlag längst auf die Hälfte des Wertes gesunken. Auch diese Hürde werde fallen, wenn bei möglichen späteren Versteigerungsterminen zu wenig geboten und kein Zuschlag erteilt werde, sagt Schwarz. Bislang hat es nicht ein einziges Gebot gegeben. Bürgermeister Piszczan spricht es nicht aus, aber eine zentrale zu klärende Frage an die Gläubigerin wird die nach dem Preis sein. „Wir wollen deren Vorstellungen ausloten.“

„Wir sind weiterhin in Gesprächen mit Interessenten für das Künstlerhaus auf Spiekeroog und sind zuversichtlich, einen angemessenen Verkaufspreis zu erzielen“, teilt Nils Andresen, Pressesprecher der Sparkasse Bremen, auf Nachfrage mit. Das Zwangsversteigerungsverfahren werde derweil fortgesetzt. „Sollte es in der Zwischenzeit noch zu keinem Verkauf gekommen sein, wird es vermutlich im nächsten Jahr einen neuen Versteigerungstermin geben.“

Nach dem jüngsten Februar-Termin beim Amtsgericht Wittmund reifte ein Plan: „Gemeinde- und Kurverwaltung könnten dort einziehen, wir könnten die Räumlichkeiten wie früher nutzen – nur eben nicht mit freien Künstlern, sondern durch die Kurverwaltung“, so stellt es sich Matthias Piszczan vor. Schon 2011 war in der Gemeinde Spiekeroog kurz die Idee aufgeflackert, das Künstlerhaus in Eigenregie weiterzuführen.

Neben vorhandenen Ateliers dort Rathausbüros zu betreiben, würde wohl nicht einmal eine baurechtliche Nutzungsänderung voraussetzen. Die enggefasste Festsetzung hat mit dazu beigetragen, dass frühere Interessenten mit ihren Nutzungskonzepten gescheitert sind. Derzeit wäre es beispielsweise unmöglich, im Künstlerhaus Gastronomie zu betreiben, die Küche ist lediglich als Kantine zugelassen. „Darüber muss die Verwaltung nachdenken“, sagt der Bürgermeister.

Das betrifft seiner Auffassung nach auch die neun Wohnungen im Künstlerhaus. Nur für eine besteht gegenwärtig Dauerwohnrecht, die anderen waren der zeitweiligen Nutzung durch Referenten, Kursleiter und Kursteilnehmer vorbehalten. „Wir haben ein echtes Wohnungsproblem auf der Insel, die Umwidmung in Dauerwohnraum würde den Druck rausnehmen“, sagt Piszczan.

Spiekeroog ist mit 710 Menschen, die ihren ständigen Wohnsitz auf der Insel haben, eine der kleinsten eigenständigen Kommunen Niedersachsens. „In der Saison kommen regelmäßig noch einmal rund 100 Saisonkräfte hinzu“, weiß der Bürgermeister. Wie aber will eine Gemeinde mit einem Jahreshaushalt von circa 3,5 Millionen Euro eine Investition wie den Kauf des Künstlerhauses stemmen?

„Das Gebäude ist so groß, dass wir Teile vermieten könnten“, sagt Matthias Pisz-czan. „Wenn wir in die Lage kommen, dass der Preis stimmt“ – dann ließe sich der Kauf durch solche geplanten Einnahmen gegenfinanzieren, oder indem man sich von „älterem Tafelsilber“ trenne. Was das sein könnte? „Unser altes Rathaus am Dorfplatz. Das ist ein Schmuckstück und eigentlich ideal als Rathaus, aber eben zu eng geworden“, sagt der Bürgermeister und gibt zu: „Für die Idee bin ich allerdings auch schon gescholten worden.“

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