Ministerium zieht Bilanz zum "Baustellenmelder"

Stillstand auf Baustellen verärgert Autofahrer

Berlin/Bremen. Autofahrer können Trödel-Baustellen auf einer Webseite des Bundesverkehrsministeriums melden. Neun Prozent der Beschwerden seit Oktober 2011 kamen aus Niedersachsen.
09.07.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Stillstand auf Baustellen verärgert Autofahrer
Von Norbert Holst
Stillstand auf Baustellen verärgert Autofahrer

Bauarbeiten an der Straßenbahnlinie 4 in Lilienthal

Hans-Henning Hasselberg

Berlin/Bremen. Autofahrer können Trödel-Baustellen auf einer Webseite des Bundesverkehrsministeriums melden. Neun Prozent der Beschwerden seit Oktober 2011 kamen aus Niedersachsen, ergab nun eine Zwischenbilanz.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will "schlafende" Baustellen auf Autobahnen und Bundesstraßen wachrütteln. Rechtzeitig zur Ferienzeit hat er eine Zwischenbilanz seiner Aktion "Baustellenmelder" gezogen. Der CSU-Politiker fordert die Länder auf, Vorgaben des Bundes konsequenter umzusetzen.

Zwei Spuren gesperrt, aber weit und breit ist kein Bauarbeiter zu sehen, die Bagger schlummern am Straßenrand. Diesen Eindruck haben manche Autofahrer, wenn sie jetzt an großen Baustellen auf Autobahnen und Bundesstraßen vorbeischleichen oder dort gar im Stau stehen.

Um auf Trödel-Baustellen aufmerksam zu machen, können Autofahrer sie seit Oktober 2011 auf einer Internetseite des Bundesverkehrsministeriums melden. Jetzt hat Minister Ramsauer eine Zwischenbilanz gezogen. Laut einer aktuellen Auswertung des "Baustellenmelders" entfallen 35 Prozent der rund 2500 Beschwerden auf Nordrhein-Westfalen, exakt sind es 874. Rheinland-Pfalz (250 Meldungen) und Niedersachsen (226) folgen mit gut zehn beziehungsweise neun Prozent. Auf das Land Bremen kommen sieben Hinweise, das sind erheblich weniger als für die Stadtstaaten Hamburg und Berlin.

Fünf Baustellen sammelten mehr als zehn Beschwerden ein. Drei davon liegen in Nordrhein-Westfalen: Es ist die A1 mit der Anschlussstelle Wermelskirchen-Remscheid, die A1/A3 Kreuz Leverkusen und Anschlussstelle Köln-Niehl sowie die A533 am Kreuz Bliesheim. In Rheinland-Pfalz gibt es auffällig viele Beschwerden über die Baustelle auf der A61 im Bereich der Anschlussstelle Hockenheim. In Norddeutschland fällt allein der schleswig-holsteinische Abschnitt der A1 zwischen Bad Oldesloe und Reinfeld aus dem Rahmen.

Erhöhtes Staurisiko

Ramsauer wirft den Bundesländern nun Versäumnisse beim Baustellenmanagement vor. "Wir haben den Ländern klare Vorgaben gemacht", erklärt der CSU-Politiker. "Sie werden aber sehr unterschiedlich umgesetzt – vielerorts zu zögerlich oder nicht konsequent genug." Er fordert, bei künftigen Ausschreibungen von Bauarbeiten müsse "vor allem darauf geachtet werden, dass kurze Bauzeiten vertraglich festgelegt und auch umgesetzt werden". Denn: "Baustellen auf Autobahnen erhöhen das Risiko für Staus und auch Unfälle."

Für den ADAC geht diese Kritik zu weit. "Die Zahl der 2500 Meldungen ist nicht wahnsinnig hoch, das ist aber auch nicht wenig", sagt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Auch Frank Budde, Sprecher von Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD), mag Ramsauers Rüffel nicht recht nachvollziehen. Angesichts von aktuell rund 30 größeren Baustellen in Niedersachsen – darunter Großprojekte wie auf der A1 südwestlich von Bremen und auf der A 7 im Raum Hannover – sei die Zahl der Meldungen nicht negativ zu bewerten. Budde: "Die Hinweise liegen ja durchaus in unserem Interesse. Wir gehen jeder Meldung nach." Das Ergebnis: In den meisten Fällen hätten die Firmen plausible Gründe für einen Stillstand auf der Baustelle genannt. Dies könne zum Beispiel Temperatur und Luftfeuchtigkeit sein, manchmal brauche auch eine neue Fahrbahndecke einfach Zeit zum Aushärten. Und manchmal fehlen auch saisonbedingt Arbeiter.

"Das nehmen wir als Lob", freut sich Sprecherin Brigitte Köhnlein vom Bremer Verkehrssenat zu den wenigen Meldungen. Dabei sind Teile von zwei Großprojekten in den Meldungszeitraum gefallen: der Ausbau der A1 auf Bremer Gebiet und die Arbeiten im Bereich B6/B75. Martin Stellmann, Sprecher im Amt für Straßen und Verkehr (ASV), führt das Ergebnis auch auf eine "kontinuierlich verbesserte Kommunikation" zurück. So werde kurz vor Bauarbeiten in den Medien auf mögliche Beeinträchtigungen hingewiesen, Schilder informieren die Autofahrer frühzeitig über kommende Vorhaben. Laut Stellmann nutzen auch immer mehr Menschen die Verkehrsmanagement-Zentrale der ASV im Internet. Dort lässt sich via Webcam der Verkehrsfluss an den Baustellen beobachten. Stellmanns gute Nachricht: "In diesem Jahr haben wir eine entspannte Bausaison in der Ferienzeit."

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