Gorleben Strahlenschutz-Chef für Endlager-Neustart offen

Gorleben. In der Debatte um eine bundesweite Endlagersuche unterstützt das Bundesamt für Strahlenschutz Forderungen nach einem Neustart. Die Festlegung auf den Salzstock in Niedersachsen sei 1977 nach nicht nachvollziehbaren Kriterien erfolgt.
31.05.2011, 11:28
Lesedauer: 2 Min
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Gorleben. In der Debatte um eine bundesweite Endlagersuche unterstützt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Forderungen nach einem Neustart. Die Festlegung auf den Salzstock in Niedersachsen sei 1977 nach nicht nachvollziehbaren Kriterien erfolgt, sagte BfS-Präsident Wolfram König in Berlin.

Bayerns Umweltminister Markus Söder deutete seine Bereitschaft zu einer Suche in Bayern an, betonte aber gleichzeitig, dass es anderswo bessere Optionen gebe: "Wir haben in Niedersachsen sehr tolle Tonschichten."

König betonte, man habe in Gorlebenzunächst gesagt, man brauche zwei abdichtende Schichten. "Als sich dann herausgestellt hat, dass die Tonschicht nicht durchgängig vorhanden ist, wurde nachträglich festgelegt, "eigentlich reicht auch das Salz als einzige Barriere aus"". Der BfS-Präsident betonte, es bestünden zudem Zweifel, ob das Salz in Gorlebenhomogen genug ist. "Störungen sind im Salzstock Gorlebenzum Beispiel Öl-, Gas- sowie Lösungsvorkommen", sagte König.

Der BfS-Chef äußerte Zustimmung zu einem möglichen Neustart. "Wir müssen im Endlagerbereich einen Konsens herstellen. Denn das Thema ist eine Herausforderung, die nicht innerhalb von ein paar Jahren oder gar einer Legislaturperiode zu lösen ist." Eine ergebnisoffene Suche bedeute, "dass man sich Wirtsgesteinen, die grundsätzlich infrage kommen - Salz, Ton und mit Abstrichen Granit - nicht mit Ländergrenzen nähert, sondern nach geo-wissenschaftlichen Gesichtspunkten". Eine bundesweite Suche sei aber nur machbar, wenn alle Länder mit potenziell geeigneten Standorten mitmachen.

SPD und Grüne fordern für ein Ja zum Atomausstieg eine neue bundesweite Endlagersuche nach klar festgelegten Kriterien. Bayerns Umweltminister Söder hält ein Endlager für Atommüll in seinem Bundesland für schwer möglich. Die geologischen Gegebenheiten seien nicht geeignet, sagte Söder am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". "Es geht im Konkreten nicht. Eine Nochmal-Bestätigung durch eine Untersuchung ist überhaupt kein Problem."

CSU-Chef Horst Seehofer hatte am Montag die Debatte um ein Endlager wieder angestoßen. Er sagte, alle geologischen Aspekte müssten erneut auf den Prüfstand. "Wir müssen erstmal Deutschland ausleuchten." Zuvor hatte sich Bayern gegen eine bundesweite Suche nach Alternativen zu Gorlebengesperrt. Auch Baden-Württemberg, wo es mögliche Tongesteinsformationen gibt, will neu suchen lassen - wenn alle Länder mitmachen und der Atomausstieg unumkehrbar festgelegt wird.

Söder betonte, dass das Thema angegangen werden muss: "Eine Generation, die auf der einen Seite die Kernenergie nutzen will, muss auch eine Endlagerfrage lösen." Deswegen sei es wichtig, neue Überlegungen anzustellen. Allerdings komme Bayern wohl kaum infrage. In Niedersachsen seien etwa Tonschichten 1000 Meter dick, in Bayern lediglich 100 Meter. Der Granit im Bayerischen Wald sei zudem sehr zerklüftet.

Mit Blick auf einen möglichen Neustart in der Endlagersuche betonte die seit Jahrzehnten gegen Gorlebenkämpfende Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, dass die Kehrtwende Seehofers noch lange nicht bedeute, dass Gorlebenaus dem Pool möglicher Standorte gestrichen wird. "Wir arbeiten von uns aus jetzt weiter an dem Nachweis, dass aus geo-wissenschaftlicher Sicht sich Gorlebenals Standort verbietet", kündigten die Gorleben-Gegner an. (dpa)

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