Geschützte Tiere breiten sich weiter aus

Streit über Abschuss von Wölfen

Die streng geschützten Raubtiere breiten sich immer im Land weiter aus und schaden oft den Nutztierhaltern. Ob oder wie die Wolf-Pouplation reguliert weden kann, darüber ist man sich uneinig.
03.01.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Simon Ribnitzky und Peer Körner

Die streng geschützten Raubtiere breiten sich immer im Land weiter aus und schaden oft den Nutztierhaltern. Ob oder wie die Wolf-Pouplation reguliert weden kann, darüber ist man sich uneinig.

Viermal hat es ­Schäfer Torsten Kruse schon erwischt. Viermal hat ein Wolf im vergangenen Jahr ­seine Tiere in Sachsen-Anhalt angegriffen. „Der Wolf springt einfach über den Zaun“, sagt Kruse. Dabei hat der Schäfer schon aufgerüstet, einen höheren Elektrozaun angebracht, Wachhunde angeschafft. „Wir müssen überlegen, was wir da noch tun können, um wieder Ruhe zu bekommen“, sagt Sachsen-Anhalts Wolfsbeauftragter Andreas ­Berbig – ein Gedanke, die auch die Verantwortlichen in Niedersachsen beschäftigt.

Mehr als 70 Schafe sind dem Wolf allein im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt zum Opfer gefallen. Berbig spricht von einer steigenden Tendenz. In Niedersachsen gab es bis Ende November 52 Vorfälle, bei denen der Wolf als Verursacher sicher oder mit ­hoher Wahrscheinlichkeit festgestellt ­wurde. Dabei wurden rund 120 Nutztiere getötet oder mussten später eingeschläfert werden. Etwa so viele wie im Vorjahr. Dennoch: Verbesserte Schutzmaßnahmen der Tierhalter hätten sich ausgezahlt, heißt es beim Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz und beim Umweltministerium.

Neun Rudel in Niedersachsen

Fakt ist: Der Wolf – lange Zeit in Deutschland ausgerottet – kehrt zurück, die Zahlen steigen. Bundesweit gab es im Monitoring-Jahr 2015/16 insgesamt 46 Wolfsrudel. In Niedersachsen geht die für das Wolfsmonitoring zuständige Landesjägerschaft von derzeit neun Rudeln aus. Insgesamt sollen dort mehr als 80 Tiere unterwegs sein, nicht alle zeigten sich so scheu wie von Experten erwartet. So wurde der Kurti genannte Wolf MT6 aus dem Rudel bei Munster als bundesweit erster Wolf seit Rückkehr der Tiere legal getötet. Der Rüde wurde Ende April erschossen, nachdem er sogar einen angeleinten Hund gebissen haben soll.

Auch unter Niedersachsens Bauern werden die Wolfsgegner lauter. Bei der Debatte dürfe es keine Tabus mehr geben, ­forderte im November Eckehard Niemann, der Sprecher des Landesverbandes der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen/Bremen. „Ich wünsche mir, dass der Wolf dort, wo Weidehaltung bei uns praktiziert wird, nicht mehr vorkommt“, ­sagte er. Auch das Landvolk hatte nach mehreren Wolfsrissen kürzlich vor einem dem Landtag in Hannover protestiert.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach sich erst vor Kurzem für eine stärkere Regulierung des Wolfsbestandes in Niedersachsen aus. Bei Problemwölfen sollte es größere Spielräume geben, sagte er. Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) ­forderte eine Überarbeitung der Vorschriften beim Umgang mit gefährlichen Wölfen. Diese müssten notfalls erschossen werden, wenn andere Maßnahmen versagten, sagte er.

Naturschützer: Abschuss sinnlos

„In weiten Teilen der Lüneburger Heide ist die Akzeptanz gegenüber dem Wolf in der Bevölkerung in beängstigender Weise verloren gegangen“, sagt Helmut Dammann-Tamke, CDU-Abgeordneter im Landtag und Präsident der Landesjägerschaft. Die Jäger seien davon nicht ausgenommen, sagt er. „Zwei Dinge sind Fakt: Selbstregulierung des Wolfsbestandes über einen Mangel an Beute ist nicht in Sicht. Zweitens: Die natürliche Scheu des Wolfes vor dem Menschen ist nicht genetisch bedingt, sondern sie wird von Elterntieren anerzogen.“

Naturschützer halten es für sinnlos, Bestände durch Abschuss zu regulieren. Entschädigungen für Nutztierhalter müssten unbürokratischer geregelt werden – „das ist für die Akzeptanz insbesondere bei Weidetierhaltern unerlässlich“, sagt Ulrich Thüre vom Nabu Niedersachsen.

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