Serverkapazität verdoppelt

Technikpanne bremst Videounterricht niedersächsischer Schulen im Lockdown

Für die meisten Klassen in Niedersachsen stand nach den Ferien der Wechsel ins Distanzlernen auf dem Plan. Mit dem Unterricht per Videokonferenz hakte es wegen Technikproblemen vielerorts aber.
11.01.2021, 18:20
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Eine Technikpanne hat den Videounterricht von zahlreichen in der Corona-Krise geschlossenen Schulen in Niedersachsen ausgebremst. Die Serverkapazität sei zwar angesichts des erwarteten Andrangs von Klassen, die den Unterricht per Videokonferenz abhalten wollten, verdoppelt worden, sagte der Geschäftsführer des in Niedersachsen oft genutzten Bildungsservers IServ, Jörg Ludwig, der Deutschen Presse-Agentur. Wegen einer fehlerhaften Einstellung sei es am Montagmorgen aber zunächst nicht möglich gewesen, Videokonferenzen zu starten.

Die Panne, die Schulen auch in anderen Regionen Norddeutschlands und Nordrhein-Westfalens betraf, wurde von dem Braunschweiger Unternehmen am Mittag behoben. „Für die Probleme heute morgen bitten wir um Entschuldigung“, teilte IServ auf Twitter mit. „Die Videokonferenzen laufen wieder. Der Fehler wurde gefunden.“

Für rund 94 Prozent der Schülerinnen und Schüler habe der Unterricht am Montag nach den Weihnachtsferien im Szenario C – dem Distanzunterricht – gestartet, teilte das Kultusministerium in Hannover mit. Lediglich in Abschlussklassen habe der Unterricht nach dem Wechselmodell im Szenario B begonnen. Erste nicht repräsentative Rückmeldungen legten nahe, dass der Start insgesamt ordentlich verlief, hieß es aus dem Ministerium. Dass nicht alles sofort optimal verlief, habe damit zusammengehangen, dass das Distanzlernen, der Wechselunterricht sowie die Notbetreuung für jüngere Schüler parallel organisiert werden musste.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) dankte den Beteiligten an den Schulen für ihren Einsatz. „Dass sich einiges noch verbessern und routinierter werden muss, ist keine Überraschung und auch nicht vorwerfbar.“ Das Ziel, auch aus der Distanz Nähe zu schaffen und die Kinder und Jugendlichen zu begleiten und Kontakt zu halten, werde mit sehr großem Engagement verfolgt. In diesem Zusammenhang sei die Panne bei IServ bedauerlich gewesen. Es werde aber davon ausgegangen, dass die Probleme seitens der privaten Betreiber schnell behoben werden, so das Ministerium.

750 zusätzliche Server für Videokonferenzsystem gestartet

Stabil gezeigt habe sich die Niedersächsische Bildungscloud (NBC), die im Großen und Ganzen mit den vermehrten Zugriffen gut zu Rande kam, betonte das Ministerium. Allein für das Videokonferenzsystem seien am Montag über 750 Server zusätzlich gestartet worden, um Engpässe bei der Nutzung zu vermeiden. Mit Ausnahme einer 30-minütigen Problemphase, in der das Videokonferenz-Tool nicht störungsfrei lief, habe sich die Bildungscloud aber unter Hochlast bewährt. Nie vollends auszuschließen seien lokale Netzprobleme, etwa durch ein überlastetes Internet-Netz einer Schule oder eines Schulträgers.

Kritik an den Technikproblemen äußerte der niedersächsische Schulleitungsverband (SLVN). Die Schulen seien auf den Distanzunterricht vorbereitet gewesen und hätten versucht, per Videoschalte zu den Schülern Kontakt aufzunehmen, sagte Verbandschefin Andrea Kunkel. Wegen der Serverprobleme sei das aber in vielen Fällen nicht wie geplant möglich gewesen, das sei „sehr unglücklich“. Die Schulen hätten daher versucht, auf anderen Wegen Kontakt herzustellen oder die Videotreffen am Nachmittag nachzuholen.

Vor allem jüngere Schüler seien auf persönlichen Kontakt angewiesen

Mit Blick auf die Abschlussjahrgänge, die in den Schulen unterrichtet wurden, habe sie die Rückmeldung bekommen, dass das fröhliche Wiedersehen nach den Ferien diesmal fehle. Die Stimmung sei „ruhig, gedämpft, eine Idee unwirklich“ gewesen, sagte Kunkel. Zur Kritik an der Fortsetzung des Präsenzunterrichts für einen Teil der Schüler bemerkte die Verbandsvorsitzende, es sei schwierig, Infektionsschutz und Bildungsgerechtigkeit abzuwägen. „Das ist ein schwieriger Balanceakt. Ich kann gar nicht sagen, was da jetzt richtig ist.“ Gerade jüngere Schüler seien aber auch auf den persönlichen Kontakt in der Schule angewiesen.

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