Verlauf der großen Stromtrassen Tennet muss völlig neu planen

Vielerorts herrscht Erleichterung, nachdem die Bundesregierung durch Kabinettsbeschluss das Ruder in Sachen Stromautobahnen herumgeworfen hat. „Vorrang für Erdkabel“ heißt es jetzt auch für die Südlink-Trasse.
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Tennet muss völlig neu planen
Von Michael Lambek

Vielerorts herrscht Erleichterung, nachdem die Bundesregierung durch Kabinettsbeschluss das Ruder in Sachen Stromautobahnen herumgeworfen hat. „Vorrang für Erdkabel“ heißt es jetzt auch für die Südlink-Trasse, entlang der die aus Wind gewonnene Energie vom Norden in den Süden der Republik transportiert werden soll.

Der Widerstand gegen die großen Überlandleitungen war breit. Er reichte von Hausbesitzern und Umweltorganisationen über Landwirtschaftsverbände, die um den Wert der landwirtschaftlichen Flächen fürchteten, bis hin zu Bürgermeistern, die den Erholungs- und Freizeitwert ihrer Gemeinden gefährdet sahen. In der Hamelner Erklärung unterzeichneten nicht weniger als 20 Landkreise entlang der Trasse die Forderung, Rücksicht auf lokale Gegebenheiten zu nehmen und einen möglichst großen Teil der Kabel unterirdisch zu verlegen. Da der Bund sich nun genau in diese Richtung bewegt hat, ist die Frage: Können jetzt alle Widerständler ihre Abwehrstellungen einmotten und nach Hause gehen, oder bleibt Aufmerksamkeit weiter ange-raten?

Es wird jedenfalls nicht so sein, dass alle geplanten Freileitungen über Land nun umstandslos eingegraben werden und unter-irdisch ihren Weg nach Süden nehmen. „Der Trassenverlauf muss völlig neu geplant werden“, sagt Thomas Werner vom Leitungsbetreiber Tennet dem WESER-KURIER. Die Arbeit der vergangenen drei Jahre sei praktisch gegenstandslos.

Der bisher politisch vorgegebene Vorrang für die Freileitung habe zu Planungskritierien geführt, die jetzt keine Gültigkeit mehr hätten, so Wagner. „Es ist doch völlig klar, dass die Berücksichtigung von Vogelflugrouten für eine unterirdische Verlegung der Starkstromleitungen überhaupt keine Rolle mehr spielen. Jetzt wird es eher um Bodenschutzklassen und -beschaffenheiten gehen.“ Immerhin hält Wagner es für möglich, dass die oft erhobene Forderung nach einer Trassenverlegung entlang von Bundesfernstraßen eine bessere Aussicht auf Erfolg hat. Schließlich sei durch die Straßen eine Bebauung bereits vorhanden, die Bodenbelastung durch die Kabelverlegung sei der des Straßenbaus vergleichbar.

Einer, der diese Forderungen immer wieder bekraftigt hat, ist Kichlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald, durch dessen Gemeinde die Südlink-Trasse mitten hindurchführt. Die Stromleitungen entlang von Autobahnen zu führen, sei „eine gute Möglichkeit, die Trasse sozialverträglich“ zu gestalten – die Randbereiche der Autobahnen befänden sich im Eigentum des Bundes, und eine zu berücksichtigende Wohnbebauung gebe es in diesen Bereichen praktisch nicht, sagte Bürgermeister Rodewald.

Unterdessen stellt Netzbetreiber Tennet die Weichen dafür, so schnell wie möglich mit der Neuplanung zu beginnen – nicht ohne darauf hinzuweisen, dass allein das Tempo des Netzausbaus für das Tempo der Energiewende entscheidend sei. Eine Überraschung sei die Entscheidung des Kabinetts letztlich nicht gewesen, sagt Wagner. „Eigentlich ist es schon lange in diese Richtung gelaufen.“ Desto wichtiger sei es nun, Gas zu geben.

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