Harry S. wegen schwerem Raub angeklagt

Terrorverdächtiger vor Gericht

Am Mittwochmorgen wimmelte es vor dem Verdener Landgericht nur so an Polizei. Hintergrund: Mit Harry S. stand ein mutmaßlicher IS-Unterstützer wegen schweren Raubes vor Gericht.
03.12.2015, 00:00
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Terrorverdächtiger vor Gericht
Von Marius Merle
Terrorverdächtiger vor Gericht

Im Verdener Landgericht galten am Mittwoch erhöhte Sicherheitsmaßnahmen.

dpa

Am Mittwochmorgen wimmelte es vor dem Verdener Landgericht nur so an Polizei. Hintergrund: Mit Harry S. stand ein mutmaßlicher IS-Unterstützer wegen schweren Raubes vor Gericht.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen und Einlasskontrollen galten am Mittwochmorgen beim Verdener Landgericht: Denn auf der Anklagebank nahm dort an diesem Tag mit Harry S. ein junger Mann Platz, dem noch viel mehr zur Last gelegt wird, als die Mittäterschaft bei einem schweren Raubüberfall, um den es bei dieser Verhandlung vor der 2. Großen Strafkammer geht. Der Generalbundesanwalt wirft dem 27-jährigen Bremer vor, die terroristische Vereinigung Islamischer Staat (IS) unterstützt zu haben. Aus diesem Grund sitzt er auch seit Juli im Hochsicherheitstrakt der Justizvollzugsanstalt Oldenburg. Zuvor soll er sich in Syrien aufgehalten haben, um den Kampf des IS zu unterstützen.

Wiederum vor dieser Ausreise soll er an der Tat beteiligt gewesen sein, für die er sich seit Mittwoch vor dem Verdener Landgericht verantworten muss. Am Morgen des 12. Februar diesen Jahres hatten mehrere Täter auf brutale Art und Weise ein Ehepaar in ihrem Haus in der Bremer Umlandgemeinde Oyten ausgeraubt – Harry S. soll laut Anklageschrift einer von ihnen gewesen sein. Ein bereits verurteilter Mittäter hatte ihn beschuldigt, dabei gewesen zu sein.

Schweigsamer Angeklagter

Viel sagte der Angeklagte und Terrorverdächtige beim Prozessauftakt nicht. Nach der Aufforderung durch den Richter machte er seine Angaben zur Person, etwa dass er nach islamischen Recht verheiratet und von Beruf Student sei, und ließ schließlich über seinen Rechtsbeistand verkünden, dass er die Vorwürfe bestreitet. Weitere Angaben wollte er nicht machen.

Den Verhandlungstag verbrachte er, ohne größere Regungen zu zeigen. Auch als das Opfer-Ehepaar in ihren Zeugenaussagen über ihre Todesängste sprach, schaute Harry S. zumeist starr vor sich hin. Beim Gang in und aus dem Gerichtssaal verbarg er sein Gesicht hinter einem schwarzen Aktenordner. Nach der Verhandlung ging es für ihn zurück in die Justizvollzugsanstalt Oldenburg.

Bereits bis November 2013 hatte der Bremer in der Justizvollzugsanstalt in Oslebshausen eine Strafe wegen schweren Raubes abgesessen und dabei wohl ersten Kontakt zur Bremer Islamisten-Szene aufgebaut. Den Ermittlungen des Generalbundesanwalts zu Folge hat sich Harry S. in der Folge mehrfach in sozialen Netzwerken zur IS bekannt und sei dieses Jahr nach einem vorher misslungenen Versuch nach Syrien ausgereist, um sich der Terrororganisation anzuschließen. So taucht er etwa in einem Video des IS auf, in dem in deutscher Sprache Bundeskanzlerin Angela Merkel bedroht wird und zwei Gefangene hingerichtet werden.

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