Wohnraumschutzgesetz

Teure Insel

Damit Einheimische sich das Wohnen auf den Ostfriesischen Inseln auch weiterhin leisten können, plant das Land Niedersachsen ein Wohnraumschutzgesetz.
05.07.2018, 21:36
Lesedauer: 3 Min
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Teure Insel
Von Silke Looden
Teure Insel

Die Bebauung konzentriert sich auf den Westkopf der Insel Norderney. Eine Ausweitung in den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist nicht möglich.?

dpa

Sie wohnen da, wo andere Urlaub machen – und genau das ist das Problem. Das Wohnen auf den Ostfriesischen Inseln ist inzwischen so teuer, dass Einheimische es sich kaum noch leisten können. Das Land Niedersachsen hatte den Insel-Bürgermeistern im Frühjahr Unterstützung zugesagt. Im Gespräch mit dem WESER-KURIER erklärte Bauminister Olaf Lies (SPD), dass er das versprochene „Wohnraumschutzgesetz“ nach der parlamentarischen Sommerpause in den Landtag einbringen wird.

„Wir wollen, dass die Inseln nicht ausbluten“, betont der Minister. Es könne nicht sein, dass Investoren den Insulanern den Wohnraum wegkaufen. Mit dem neuen Gesetz will Lies die Inselgemeinden stärken. Mit dem darin enthaltenen „Zweckentfremdungsverbot“ sollen die Kommunen in die Lage versetzt werden, die Umwandlung von Wohnungen in Feriendomizile zu unterbinden. „Wir geben den Inseln ein Instrument an die Hand, das sie dann nutzen können.“

"Ein außergewöhnlicher Schatz"

Insbesondere die Spekulation mit Ferienimmobilien macht den Inseln zu schaffen. Angesichts historisch niedriger Zinsen wird gern in eine Zweitwohnung auf dem Eiland investiert. In der Folge entstehen Geistersiedlungen, deren Bewohner nur ein paar Wochen im Jahr vor Ort sind. Zunehmend wird es für die tideabhängigen Inseln auch schwierig, Wohnraum für das Service-Personal in der Saison zu finden. Wer auf Spiekeroog oder Baltrum arbeitet, kann nicht täglich vom Festland zur Inseln pendeln.

„Die Inseln sind ein außergewöhnlicher Schatz, den Niedersachsen pflegen muss“, so Lies nach dem Insel-Dialog mit den Bürgermeistern im Frühjahr. „Sie sollen lebenswert bleiben für Ansässige und Touristen.“ Mit seinem Wohnraumförderprogramm will er dafür sorgen, dass die Mieten nicht ins Unermessliche steigen und Neubauten für Familien finanzierbar bleiben. Dazu hat er das „Bündnis für bezahlbares Wohnen“ ins Leben gerufen, das im September erste Ergebnisse vorlegen will.

„Die Baukosten auf der Insel sind besonders teuer“, weiß Lies. Jeder Stein muss mit der Fähre vom Festland auf das Eiland gebracht werden, ganz zu schweigen von den explodierenden Grundstückspreisen und dem begrenzten Bauland im Nationalpark. Tatsächlich geht es für die Einheimischen weniger um Neubau als vielmehr um das Erbe. Wenn Oma ihr klein Häuschen eine Million Euro wert ist, hilft auch ein Freibetrag von 400.000 Euro nicht. Die Erbschaftssteuer aber ist eine Angelegenheit des Bundes.

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Das „Zweckentfremdungsverbot“ ist übrigens keine neue Idee. Die Landesregierung greift damit auf Drängen der Inselbürgermeister ein „langjähriges und bewährtes Instrument der Wohnungsbaupolitik“ wieder auf. Der Bauminister will damit den Immobilienspekulationen auf den Inseln entgegen treten, denn darunter leiden, so Lies, vor allem Familien mit geringem und mittlerem Einkommen.

Die Stadt Norderney hat indes eine eigene Wohnungsgesellschaft gegründet. Diese vermietet insgesamt 650 Wohnungen verschiedener Größe und Lage an Einheimische und diejenigen, die es werden wollen. Der städtische Wohnraum ist bezahlbar und soll es auch bleiben. Gleichzeitig treibt die Stadt eigene Immobilienprojekte voran, um Wohneigentum für Norderneyer zu schaffen.

30 Prozent der Flächen für Dauerwohnen reserviert

Norderney liegt mit Quadratmeterpreisen von 7830 Euro nur knapp hinter Sylt. Auch auf Wangerooge (6990 Euro), Juist (6620 Euro) und Langeoog (5990 Euro) befinden sich Immobilien im gehobenen Preissegment. Das geht aus einer vor Kurzem veröffentlichten Pressemitteilung des Immobilienportals Immowelt hervor. Demnach sind die Immobilienpreise an der Küste inzwischen deutlich höher als in anderen Urlaubsregionen in Deutschland wie etwa den Alpen.

Die Gemeinde Spiekeroog hat gerade einen neuen Bebauungsplan beschlossen, wonach 30 Prozent der Flächen für Dauerwohnen reserviert sind. Damit ist das Problem aber noch nicht gelöst. Bürgermeister Matthias Piczszan: „Der Exodus geht weiter.“ Händeringend sucht er eine Bleibe für eine Lehrerin, die neu auf die Insel kommt. Neue Wohnungen sollen demnächst im Künstlerhaus entstehen, 60 Prozent davon für Insulaner. Zudem verhandelt die Kommune mit dem Land Niedersachsen über den Erwerb einer Fläche für ein Neubaugebiet. „Der Preis ist hoch“, klagt Piczszan und hofft, dass ihm der Finanzminister doch noch entgegen kommt.

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