Jade-Weser-Port Teurer Stillstand im Superhafen

Wilhelmshaven. Ein Jahr nach seinem feierlichen Start dümpelt der Jade-Weser-Port immer noch vor sich hin.
19.09.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Mlodoch

Ein Jahr nach seinem feierlichen Start dümpelt der Jade-Weser-Port immer noch vor sich hin. Der Container-Umschlag ist dürftig; alle Beteiligten beschwören aber einen baldigen Durchbruch. Gestern beschloss der Aufsichtsrat, neue Investitionsanreize für Gewerbeansiedlungen auf dem bisher weitgehend brach liegenden Hafengelände zu schaffen.

Nachts um zehn Uhr am 4. Oktober soll es passieren. Gleich zwei Mega-Containerschiffe sind für den Jade-Weser-Port avisiert. Die „Eugen Maersk“ soll dann von der Kaje des Tiefwasserhafens ablegen, die „Majestic Maersk“ soll auf ihrer Jungfernfahrt aus Dänemark in Wilhelmshaven anlegen. 24 Stunden sind für die Visite des neuen Frachters mit einer Kapazität von 18 000 Standardcontainern (TEU) eingeplant, es sollen sogar etliche Stahlboxen verladen werden.

Ein Lichtblick für den ein Jahr nach seiner feierlichen Eröffnung vor sich hindümpelnden Hafen? „Das ist eher eine außergewöhnliche Aktion“, dämpft der Chef des Hafenbetreibers Eurogate, Emanuel Schiffer, erst einmal im Gespräch mit unserer Zeitung jede Hoffnung auf eine boomende Zukunft. Also bleibt es vorerst weitgehend bei den beiden Liniendiensten, die Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen einmal pro Woche mit eher kleineren Schiffen ansteuern. 700000 TEU sollte der Jade-Weser-Port eigentlich im ersten Betriebsjahr umschlagen, tatsächlich sind es dem Vernehmen nach weit unter 100000. Für die 400 Hafenarbeiter ist seit Monaten Kurzarbeit angesagt; sie soll noch bis März 2014 laufen. Was dann kommt, ist völlig ungewiss. „Der Hafen liegt noch meilenweit hinter den Erwartungen zurück“, stöhnt Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). „Dass wir dort keinen Gewinn machen, kann sich jeder vorstellen“, beschreibt Schiffer die Flaute. Bis auf die Firma Nordfrost hat sich noch kein Gewerbe auf dem Hafengelände angesiedelt.

Neue Investitionsanreize sollen das ändern. Der Aufsichtsrat der Jade-Weser-Port-Realisierungsgesellschaft (JWP-RG) beschloss gestern in Wilhelmshaven nach Informationen unserer Zeitung ein Konzept, das hafennahe Unternehmen auf die Brachfläche hinter der Kaje locken soll. Ansonsten warten die Eigentümerländer Bremen und Niedersachsen sowie der Betreiber auf bessere Zeiten im internationalen Transportgeschäft. „Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass dieser Hafen den Durchbruch schafft“, sagt der Eurogate-Chef. „Mehr Schiffe, mehr Umschlag, mehr Gewerbe – das muss unser Ziel sein“, betont der Wirtschaftsminister. „Daran arbeiten wir hart“, erklären Schiffer und Lies in identischen Worten.

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Dabei hatte Anfang des neuen Jahrtausends alles noch viel euphorischer geklungen. Der Jade-Weser-Port sollte sich als gemeinsames Drei-Länder-Projekt von den damals SPD-regierten Ländern Niedersachsen, Bremen und Hamburg ein riesiges Stück vom weltweiten Logistikboom abschneiden. Doch dann folgte ein Problem auf das nächste. Erst stieg Hamburg aus, dann winkten private Investoren ab, die sich am Bau beteiligen sollten. Es folgten praktische und juristische Kämpfe um die richtige Bauweise und die passenden Unternehmen. Bremen und das inzwischen CDU/FDP-gesteuerte Niedersachsen bekamen sich in die Haare, ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Hannover sorgte für böses Blut. Immer wieder mussten die Verantwortlichen den Eröffnungstermin verschieben; an der nagelneuen Spundwand tauchten Hunderte von Rissen auf.

Die Schäden sind nach Auskunft der JWP-RG und des Wirtschaftsministeriums endlich behoben; jetzt müssen die Beteiligten ihre zahlreichen juristischen Baustellen beseitigen. Eurogate und die JWP-RG beharken sich mit Klagen, Widerklagen und Wider-Widerklagen wegen Hafentarifen und Umschlagsentgelten, wegen Kranbahnlasten, fünf nicht gelieferten Containerbrücken sowie einer verspäteten Kajenübergabe. Immerhin haben sich beide Seiten darauf geeinigt, dass jetzt ein unabhängiger Schlichter versuchen soll, den Streit außergerichtlich beizulegen. „Wir sind auf einem guten Wege“, gibt sich Schiffer überzeugt. „Die Vermarktung des Hafens darf nicht im Gerichtssaal stattfinden“, zeigt auch Aufsichtsratschef Lies Einigungswillen.

Allerdings müssten auch noch andere Prozesse beendet werden. So streitet die JWP-RG mit Schlepperfirmen wegen Konzessionsgebühren und mit dem Baukonsortium wegen 14 Millionen Euro Kostensteigerung aufgrund gestiegener Stahlpreise.

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