Einsatz an der Autobahn Wie die Polizei sich für Kontrollen von Tiertransportern schult

Zu viele Tiere auf zu engem Raum, viele Stunden unterwegs bei großer Hitze ohne Wasser und Futter – Tiertransporte gehören zu den Dingen, die immer wieder negativ auffallen.
28.10.2021, 13:56
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Von Elmar Stephan/dpa

Frank Krämer läuft um den Tiertransporter herum, den seine Kollegen zuvor von der Autobahn auf den Parkplatz herausgewinkt haben. Der Einsatzleiter bei der Autobahnpolizei Osnabrück und sein Team überprüfen an diesem Morgen Viehtransporte auf der Autobahn 33 im Teutoburger Wald. Hier an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen treffen zwei Hochburgen der deutschen Tierhaltung zusammen: Wer Schweine oder Rinder aus dem niedersächsischen Weser-Ems-Raum zum Schlachthofriesen Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück bringen will, wird diese Strecke nehmen.

Krämer kontrolliert die Papiere des Lastwagenfahrers und die Frachtbriefe des Transporters. Zwei seiner Kollegen schauen durch die Luken in den Auflieger und den Anhänger. Dann stellt ein Polizist eine Leiter an den Anhänger und klettert hinauf, um einen Blick auf die obere Etage zu bekommen. Am Ende der Kontrolle stellt sich heraus: Es ist zu wenig Einstreu im Transportwagen und ein Abteil ist zu eng für die großen Tiere. Rund 150 Schlachtschweine hat der Transporter geladen. „Das sind Kleinigkeiten“, sagt Polizist Krämer über die Beobachtungen.

Tiertransporte gehören zu den Themen im Agrarbereich, bei denen Tierschützer seit Jahren über Missstände klagen. In diesem Frühjahr diskutierte die Politik in Niedersachsen Exporte von Rindern aus Niedersachsen nach Nordafrika – mit dem Versuch, solche mehrtägigen Transporte in EU-Drittstaaten zu verbieten, scheiterten Kreisverwaltungen und das Landwirtschaftsministerium vor Gericht.

Tiertransporte: Schulungen für Polizeikontrollen

An diesem Herbstvormittag sind es eher regionale Tiertransporte, die die Beamten unter die Lupe nehmen. Geschult werden sie dabei von Alexander Rabitsch, einem früheren Amtstierarzt aus Österreich, und Iris Baumgärtner von der Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation. Zwei Tage dauert das Weiterbildungsseminar für die Polizistinnen und Polizisten der Osnabrücker Autobahnpolizei. Nach der Theorie ist an diesem Tag die Praxis dran.

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Rabitsch kritisiert und lobt. Ein Transportfahrzeug hat Kühlventilatoren installiert. Für Kurzstreckentransporte – das sind laut Definition Transporte, die nicht länger als acht Stunden dauern – seien diese nicht vorgeschrieben. „Er hat sie aber, das ist positiv. Er muss sie halt auch einschalten“, sagt der Veterinär, der inzwischen für Tierschutzorganisationen arbeitet.

Weitere Kritikpunkte: Der Fahrer, der für die Tiere verantwortlich ist, hat keinen direkten Zugang zu den geladenen Schweinen. Einige Tiere sind verletzt, weil sie gerauft haben. „Das ist ganz normal bei Schweinen, wenn sie aus verschiedenen Buchten zusammengesetzt werden. Die kennen sich nicht und lernen sich erst im Lkw kennen und fangen das Raufen an.“ Die Polizei wird einen Bericht an den Landkreis schreiben; dort wird entschieden, ob es ein Bußgeld gibt.

Tierschützer fordern Änderungen bei Tiertransporten

Sorgen macht Rabitsch ein Transporter, der Kälber aus Bayern geladen hat. Die jungen Tiere sind noch darauf angewiesen, ihre Nahrung über das Nuckeln an der Zitze aufzunehmen. Der Transport sollte nicht länger als acht Stunden unterwegs sein, aber wegen des Verkehrs und des Staus hat der Fahrer das nicht geschafft. Ab neun Stunden ist es ein Langstreckenverkehr, und der Fahrer müsste die Kälber tränken. Aber er hat keine Vorrichtung zum Tränken dabei. Er habe eigentlich auch keine Zulassung für den Transport von Kälbern, sagt Rabitsch. Weil das Ende der Reise in Sicht sei, lässt die Polizei ihn zum Ziel fahren. „Der Fahrer wird eine Anzeige erhalten“, sagt Rabitsch.

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In den vergangenen Jahren hätten sich in Deutschland die Bedingungen für Schweinetransporte deutlich verbessert, sagt Iris Baumgärtner. „Die Kälbertransporte sind ein Problem, das muss generell anders geregelt werden.“ Sie setzt Hoffnungen ins EU-Parlament, wo ein Vorstoß für gesetzliche Änderungen zu Tiertransporten im Dezember ins Plenum gehen soll. Dann könnten langwierige Transporte von kleinen Kälbern, keine 14 Tage alt, verboten werden oder auch die Transporte in Drittländer.

Er könne einen Tag lang reden über die Dinge, die sich bei Tiertransporten ändern sollten, sagt Rabitsch. Am wichtigsten seien ihm neben dem Verbot des Transports der jungen Kälber auch der Umgang mit alten Tieren. Milchkühe, die keine Milch mehr geben, werden zu Fleisch für Wurst und Burger verarbeitet. Die alten, ausgemergelten Tiere seien oft so schwach, dass sie kaum noch alleine stehen könnten, hat der Tierarzt beobachtet. Auch Legehennen, die keine Eier mehr legen, gehen in die Schlachtung und würden oft über weite Strecken transportiert, weil es so wenig geeignete Schlachthöfe gebe. „Die werden zum Teil von Holland nach Polen gebracht“, sagt Rabitsch. Versorgung mit Wasser und Futter gebe es nicht. Die Tiere müssten vor Ort getötet werden, fordert er. „Finnland macht das zum Beispiel schon. Die transportieren nicht mehr, die Tiere werden dort im Stall vergast.“

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