Braunschweig Tot geglaubte Frau will von ihrer Familie nichts wissen

Braunschweig. Die Polizei will die tot geglaubte Frau, die Jahrzehnte unter falschem Namen lebte, wieder mit ihrer Familie zusammenführen. Die heute 55-Jährige wünsche zwar derzeit keinen Kontakt, die Familie hingegen schon, sagte Kriminalhauptkommissar Dirk Bosse der „Braunschweiger Zeitung“.
29.09.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Die Polizei will die tot geglaubte Frau, die Jahrzehnte unter falschem Namen lebte, wieder mit ihrer Familie zusammenführen. Die heute 55-Jährige wünsche zwar derzeit keinen Kontakt, die Familie hingegen schon, sagte Kriminalhauptkommissar Dirk Bosse der „Braunschweiger Zeitung“. Der Mordermittler hatte schon 1984 mit dem Fall der vermissten Braunschweiger Informatik-Studentin zu tun und befragte die 31 Jahre lang verschwundene Frau jetzt nach ihrem Wiederauftauchen in Düsseldorf.

Im persönlichen Gespräch habe die 55-Jährige einen distanzierten Eindruck gemacht, sagte der Kripomann auf Nachfrage. „Sie braucht vermutlich eine Weile, um alles zu verarbeiten. Immerhin ist ihr ganzes Lebenskonstrukt zusammengebrochen.“

In Düsseldorf hatte die Frau nach einem Einbruch in ihre Wohnung den Beamten ihren längst abgelaufenen Personalausweis gezeigt und damit ihre wahre Identität preisgegeben. Warum Petra P. vor 31 Jahren untertauchte, ist unklar. Die Polizei gibt zu ihrem Schutz keine Details bekannt.

Nach ihrem Wiederauftauchen geht es den Beamten darum, die Frau weiter zu begleiten. So sei der 55-Jährigen zum Beispiel psychologische Hilfe angeboten worden, sagte der Braunschweiger Polizeisprecher Joachim Grande. Zu einer Kontaktaufnahme mit ihrer Mutter und ihrem Bruder könne sie aber nicht gezwungen werden.

Weil die Ermittler von einem Verbrechen ausgingen, wurde Petra P. 1989 für tot erklärt – fünf Jahre nach ihrem Verschwinden. Jetzt soll ein DNA-Test eindeutig belegen, dass die am 11. September in Düsseldorf entdeckte Frau tatsächlich Petra P. ist. Die beiden Mordermittler, die sie mehrere Stunden lang befragten, haben daran keinen Zweifel. Den Angaben des Polizeisprechers zufolge ist der nächste Schritt ein Antrag der Staatsanwaltschaft Braunschweig beim Amtsgericht, um die Frau wieder für lebend erklären zu lassen.

In der Regel können Menschen erst für tot erklärt werden, wenn sie zehn Jahre verschollen sind. Das regelt in Deutschland das Verschollenheitsgesetz. Die amtliche Todeserklärung ist für Angehörige wichtig, um eine Lebensversicherung ausbezahlt zu bekommen oder ein Erbe antreten zu können.

Die Zehn-Jahres- beziehungsweise Fünf-Jahres-Frist gilt nicht, wenn jemand nach Gefahrensituationen verschollen ist. So kann ein Vermisster nach einem Schiffsuntergang nach sechs Monaten und nach einem Flugzeugabsturz nach drei Monaten für tot erklärt werden. Für die Todeserklärungen ist in der Regel das Amtsgericht zuständig, in dessen Bezirk der Verschollene zuletzt gelebt hat. Wie viele solcher Fälle es gibt, ist ungewiss. Ihre Zahl wird bundesweit nicht statistisch erfasst.

Erfasst werden hingegen die Vermisstenfälle, die in Deutschland zentral im Bundeskriminalamt (BKA) bearbeitet werden. Im Januar 2014 wurden in der BKA-Datei rund 6800 vermisste Personen geführt, etwa die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Erfasst werden Fälle, die sich innerhalb weniger Tage aufklären sowie Vermisste, die bis zu 30 Jahre verschwunden sind. Täglich werden jeweils 250 bis 300 Fahndungen neu erfasst und auch gelöscht.

Laut Bundeskriminalamt erledigt sich etwa die Hälfte der Fälle innerhalb der ersten Woche, binnen Monatsfrist über 80 Prozent. Drei Prozent der Betroffenen werden länger als ein Jahr vermisst. Bis zu 30 Jahre lang wird nach einem Vermissten gefahndet.

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