Strafe von sechseinhalb Jahren Trainer muss wegen sexuellen Missbrauchs ins Gefängnis

Im Prozess um sexuellen Missbrauch in einem Sportverein hat das Landgericht Lüneburg einen Trainer zu einer Gefängnisstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. Er soll zwei von ihm betreute Kinder missbraucht haben.
27.09.2016, 19:15
Lesedauer: 2 Min
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Im Prozess um sexuellen Missbrauch in einem Sportverein hat das Landgericht Lüneburg einen Trainer zu einer Gefängnisstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt.

Der 28-Jährige hat dem Urteil zufolge zwei von ihm betreute Kinder missbraucht. Er sei unter anderem allein in vier Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs schuldig, befanden die Richter am Dienstag.

Die Vorsitzende Richterin sprach von einem "penetranten, manipulativen Vorgehen" des Trainers. Er habe alles ausgespielt, was ihn den Kindern überlegen erscheinen ließ. Zum Missbrauch geeignete Situationen habe er planvoll und organisiert herbeigeführt. Dabei wertete sie die Einlassungen des Verurteilten während der Verhandlung nur als Teilgeständnis. Die Richterin sprach von einer "nicht ausschließlichen Pädophilie".

Verurteilter entschuldigt sich bei den Opfern

Der Verurteilte hatte sich in seinem Schlusswort am vergangenen Montag noch einmal bei den Opfern entschuldigt. "Ich bereue die Vorwürfe", sagte er. "Mir wird so etwas nie wieder unterlaufen können." Bereits im Januar hatte er in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung eingeräumt, dass es teils auch zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Einer der Jungs sei erst zwölf Jahre alt gewesen. Er habe mit sexuellen Handlungen anderen "eine Freude bereiten wollen", hieß es damals in der Erklärung.

Im Fall eines von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebrachten Falles mit einem Jugendlichen sah die Kammer aber im Geschehen keinen strafbaren Missbrauch. Der Junge litt laut Gericht zwar unter einer atypischen Form von Autismus, doch sei er nicht widerstandsunfähig gewesen. So erkannte das Gericht hier keine strafbare Handlung.

Verurteilung in elf weiteren Fällen

Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche siebeneinhalb Jahre Gefängnis für den früheren Trainer eines Lüneburger Sportvereins gefordert. Die Verteidigung hatte auf eine zur Bewährung auszusetzende Strafe von nicht mehr als zwei Jahren plädiert. Die Plädoyers waren zuvor unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten worden.

Außer wegen schweren sexuellen Missbrauchs wurde der 28-Jährige in elf weiteren Fällen wegen einfachen sexuellen Missbrauchs verurteilt, einmal in Tateinheit mit dem Missbrauch widerstandsunfähiger Personen. Dazu kam ein Fall versuchter sexueller Nötigung in Tateinheit mit versuchtem sexuellen Missbrauch eines Kindes. So ging es am Ende um deutlich weniger als die ursprünglich zur Anklage gebrachten 71 Taten. Der Verteidiger kündigte nach der Verhandlung an, wahrscheinlich Revision einzulegen.

Im vergangenen Jahr war der Prozess gegen den Trainer im ersten Anlauf aus Termingründen geplatzt. Der Trainer war im November 2014 festgenommen worden und hatte bis zum Juli 2015 in U-Haft gesessen. (dpa)

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